Bewölkte Tage im All - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Bewölkte Tage im All

Auf seiner Wanderung durch die Milchstraße durchquert das Sonnensystem im Augenblick eine intergalaktische Wolke. Obwohl der Sonnenwind und das Magnetfeld der Sonne eine für die meisten kosmischen Teilchen undurchdringliche Blase, die so genannte Heliosphäre, erzeugen, ist es Forschern um Eberhard Möbius von der University of New Hampshire gelungen, einiges über die interstellare Gaswolke herauszufinden.

In einer Sonderausgabe der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics berichten die Forscher, dass die Gaswolke, durch die sich das Sonnensystem bewegt, etwa so heiß ist wie die Sonnenoberfläche, nämlich 6000 Kelvin. Die Teilchen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 26 Kilometern pro Sekunde. Die hohe Temperatur der Wolke wirkt sich auf das Sonnensystem allerdings nicht aus, da die Teilchendichte mit 0,26 Teilchen pro Kubikzentimeter äußerst gering ist. Zum Vergleich: Die Erdatmosphäre auf Meereshöhe enthält hundert Billiarden Mal so viele Teilchen.

Die einzigen Teilchen der interstellaren Wolke, die ins Sonnensystem eindringen können, sind neutrale Teilchen. Geladene Teilchen werden von der Heliosphäre, die sich bis weit hinter dem Planeten Pluto erstreckt, abgehalten. Dazu gehören auch eigentlich neutrale Teilchen wie Wasserstoffatome, die Hauptbestandteile des interstellaren Mediums, denn sie werden von ultravioletter Strahlung ionisiert und können deshalb nicht ins Sonnensystem eindringen. Schon vor 30 Jahren wurde allerdings ein Strom von neutralen, nicht-ionisierten Helium-Atomen entdeckt, der aus dem Sternbild Sagittarius zu kommen scheint. Die Eigenschaften dieses Stroms kosmischer Teilchen waren allerdings nur ungenau bekannt. Erst in den letzten Jahren ist der Helium-Strom von mehreren Raumsonden systematisch unter die Lupe genommen worden. Die Sonde Ulysses zum Beispiel sammelt Teilchen des Stroms direkt auf, ein anderes Raumschiff registriert Licht, das von den Helium-Atomen gestreut wird.

Aus astronomischen Beobachtungen ist außerdem bekannt, dass die interstellare Wolke, durch die sich das Sonnensystem gerade bewegt, einen Durchmesser von mehreren Lichtjahren und ein ausgefranstes Äußeres hat. Wenn das Sonnensystem die Wolke durchdrungen hat, wird sich die Heliosphäre wahrscheinlich gewaltig aufblähen: Dann gelangt das Sonnensystem in einen riesigen, leeren Hohlraum, der vor ein paar Millionen Jahren von einigen Supernova-Explosionen freigepustet wurde.

Ute Kehse
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