Bleipartikel als Wolkenturbo - wissenschaft.de
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Bleipartikel als Wolkenturbo

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Bleipartikel in der Luft wirken als Kondensationskeime und kurbeln somit die Wolkenbildung an.
Bleipartikel in der Atmosphäre kurbeln die Wolkenbildung an: Diejenigen Staubteilchen, die das Schwermetall Blei enthalten, sind besonders gute Kondensationskeime, die in den Atmosphärenschichten das Entstehen von Wolken starten, hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam um den Atmosphärenforscher Daniel Cziczo vom Pacific Northwest National Laboratory in Richland herausgefunden. Zu den Hauptquellen von Blei in der Atmosphäre zählen das Verbrennen von Kohle und ? wenngleich weniger genau untersucht ? im vergangenen Jahrhundert das bleihaltige Benzin. Die veränderte Wolkenbildung hätte weniger Sonnenlicht auf die Erdoberfläche durchgelassen und damit den Planeten gekühlt, berichten die Forscher.

Die Forscher untersuchten die Wolkenbildung im Labor und in der Natur. In einer speziellen Wolkenkammer, die etwa drei Stockwerke hoch war, beobachteten sie die Kondensation von Wolken an Staubpartikeln mit und ohne Bleianteil. Die Bleipartikel veränderten die Wolkenformation stark, stellten die Forscher fest. Die Wolken bildeten sich bei höheren Temperaturen und geringerer Luftfeuchte. Insgesamt war das Blei bei fast jeder zweiten Keimbildung beteiligt. Dieser Befund deckt sich mit Proben von Eiskristallen schweizer Berggipfel. In jedem zweiten Kristall fanden die Forscher Spuren von Blei.

Eine ganze Reihe an Substanzen können zur Wolkenbildung führen: Pollen, Schwermetalle, Staub und sogar Bakterien können der Ausgangspunkt kleiner Eiskristalle sein, die dann größere Wolkengebilde entstehen lassen. Das Blei hat darunter den Effekt eines Turbos: Es regt Staubpartikel zur Keimbildung von Eiskristallen besonders gut an. Die resultierenden Wolken könnten den Treibhauseffekt dämpfen sowie Wolken- und Niederschlagsverteilung verändern. Allerdings schränken die Forscher ein, dass sie nur bestimmte Wolkentypen in tieferen Atmosphärenschichten untersucht hätten. Ein genaueres Bild wollen sie sich mit weiteren Untersuchungen verschaffen.

Daniel Cziczo (Pacific Northwest National Laboratory, Richland) et al.: Nature Geoscience, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/NGEO499 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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