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Astronomie+Physik

Blitze vor dem inneren Auge

Kosmische Teilchen, die durch das Gehirn fliegen, erzeugen dort möglicherweise Halluzinationen. Diesen Verdacht hat ein italienisches Forscherteam vom Nationalen Institut für Kernphysik in Rom, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Bislang wurden Lichtblitze, die viele Astronauten bei geschlossenen Augen wahrnehmen, auf die Wirkung der Teilchen direkt im Auge zurückgeführt.

Bereits als die Astronauten Buzz Aldrin und Neil Armstrong 1969 über die Lichterscheinungen, die auch Phosphene genannt werden, berichteten, hatte die Nasa eine Untersuchung durchgeführt. Die Raumfahrtbehörde kam zu dem Schluss, dass die Blitze entstehen, wenn sich kosmische Teilchen im Augapfel schneller als das Licht bewegen. Dabei wird die so genannte Tscherenkow-Strahlung abgeben. Die Blitze galten fortan als harmlos. Etwa 80 Prozent aller Astronauten im Erdorbit nehmen sie wahr, wenige davon sogar mit offenen Augen.

Die italienischen Forscher um Livio Narici glauben hingegen, dass die kosmischen Blitze direkt durch die Einwirkung der Teilchen auf den visuellen Kortex entstehen. Zum Beispiel berichten Krebspatienten, deren Hirntumor mit einem Strahl aus Kohlenstoff-Atomen beschossen wird, von ähnlichen Lichterscheinungen. Bei Experimenten in den 1960er Jahren mit erblindeten Patienten konnten durch Elektroden im visuellen Kortex ebenfalls Lichtwahrnehmungen erzeugt werden.

Um ihre Theorie zu bestätigen, experimentieren die italienischen Forscher seit einigen Jahren mit Astronauten auf der Internationalen Raumstation. Die Astronauten müssen Helme mit Teilchendetektoren tragen, um festzustellen, aus welcher Richtung ein Teilchen gekommen ist, wenn der Astronaut einen Blitz wahrnimmt. Gleichzeitig werden die Gehirnströme gemessen, so dass die bei einer Wahrnehmung aktiven Gehirnregionen registriert werden können.

Die Forscher um Narici haben den Verdacht, dass die Blitze nicht ganz so harmlos sein könnten wie bislang angenommen. Störende Reize könnten Astronauten zum Beispiel in kritischen Situationen ablenken, fürchten die Forscher. Welche Auswirkungen Kollisionen des Hirngewebes mit energiereichen Teilchen langfristig haben, ist ebenfalls unbekannt. Künftige Astronauten, die sich auf Reisen zum Mars oder zum Mond außerhalb des Erdmagnetfeldes bewegen, sind wesentlich mehr kosmischen Teilchen ausgesetzt als etwa die Bewohner der Internationalen Raumstation im niedrigen Erdorbit.

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Stuart Clark: New Scientist, 31. Mai 2008, S. 39 Ute Kehse
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♦ Zi|tro|nen|me|lis|se  〈f. 19; Bot.〉 aus dem Mittelmeergebiet stammende Art der Melisse, die nach Zitronen duftet u. als Heil– u. Gewürzpflanze verwendet wird

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