Chat mit dem Astronauten-Trainer Ernst Messerschmid - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Chat mit dem Astronauten-Trainer Ernst Messerschmid

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Er war ein Mal im All und leitet jetzt das europäische Astronauten-Trainings-Zentrum in Köln: Ernst Messerschmidt. Wie es mit Europas Raumfahrt weitergeht, verrät er im aktuellen bild der wissenschaft. Aber wenn Sie wissen wollen, was es Neues auf der Internationalen Raumstation gibt oder wie man Astronaut wird, dann lesen Sie híer das Chat-Interview mit dem Astronauten-Trainer Ernst Messerschmid vom 13. Oktober.

Arbeiten in der Schwerelosigkeit

Andreas Vogler: Meines Wissens ist eines der Hauptprobleme des Arbeitens in der Schwerelosigkeit, dass man sich fixieren muss. Heute werden vor allem Fußschlaufen verwendet. Können Sie mir sagen, ob damit feinmotorische Arbeiten wie an der Glovebox oder einer Roboterarmsteuerung befriedigend zu bewältigen sind oder wäre eine Fixierung näher am Körperschwerpunkt nicht geeigneter? Ernst Messerschmid: Sie haben recht. Ein Restraint-System zur Fixierung der Körpermitte ist besser als die Fixierung über die Schuhflächen.

Bei einem biologischen Experiment, das ich 1985 bei der D1-Spacelab-Mission durchgeführt habe, und das feines taktiles Gespür erforderte, habe ich in der Schwerelosigkeit sogar meine besten auf der Erde erzielten Zeiten unterboten. Der Unterschied kann daher nicht sehr groß sein.

Strahlung im All Sven Knuth: Wie stark ist eigentlich die Strahlung im All für die Astronauten? Wie stark würde z.B. sich das LKrebsrisiko erhöhen wenn man 1000 Tage unterwegs wäre (für einen Marsflug)? Wir stark ist die Strahlung im Orbit (etwa in dr ISS)? Ernst Messerschmid: Die Strahlenbelastung hängt von der Lage der Bahnebene relativ zum Äquator und der Höhe der Bahn ab. Bei der ISS wird im Lauf eines Jahres eine Strahlendosis im Körper eingefangen, die unter der kritischen Grenze von 5 rem liegt. Natürlich ist das Strahlenrisiko losgelöst von der Erdatmosphäre im Rahmen einer Marsmission von bis zu 3 Jahren größer. Man wird also besondere Strahlenschutzeinrichtungen, wie etwa Schutzräume hinter den Wassertanks, entsprechende Beobachtungen und Lagemanöver miteinander verbinden, um das Risiko klein zu halten. Solar Flares sind besonders gefährlich.

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ISU student Nap: wie stehen eigentlich die chancen für einen abgeschlossenen ISU student, einmal an einer raumfahrtsmission teilzunehemen. was für weitere voraussetzungen braucht man und mit welcher raumfahrtsorganisation sollte man sich am besten in kontakt setzen?

Ernst Messerschmid: Für einen ISU-Studenten gelten dieselben Kriterien wie für andere Bewerber: 1. Bei der für ihn zuständigen Raumfahrtbehörde bewerben, Europäer also bei der ESA, die anderen entsprechend bei der NASA, NASDA, RSA usw. 2. Kriterien erfüllen. Siehe früher angegebene Homepage der ESA. 3. Den richtigen Zeitpunkt erwischen oder einfach eine Bewerbung vorab schon versenden. Wie schon gesagt plant die ESA derzeit keine Ausschreibung.

Anzahl der Astronauten

Wieviele Astronauten schickten die USA bisher ins All, wieviele die Russen? An welcher Stelle stehen die Deutschen? Ernst Messerschmid: Astronauten sind Menschen, die wenigstens einmal die Erde im Weltraum umrundet haben.

Dies waren bisher knapp 400.

Aktiv davon sind noch ca. 240. 160 bei der NASA, 16 bei der ESA, ca. 30 in Rußland, 8 in Japan, und der Rest in Kanada und einigen anderen Ländern.

Frauen im All

Swantje Middeldorff: Es ist schon gefragt worden, wer sich zum Astronauten ausbilden lassen kann und wieviele Astronauten es zur Zeit gibt. Ich möchte gerne wissen, wieviele Frauen darunter sind und ob es schwerer – oder vielleicht sogar leichter – für Frauen ist, ausgewählt zu werden.

Ernst Messerschmid: Der Anteil von Frauen unter den Astronauten ist genauso wie bei den Berufen, über die man über eine erfolgreiche Bewerbung Astronaut werden kann – leider noch sehr gering. Ich schätze: ca 10 Prozent. Im ESA-Astronautenteam ist Claudie André-Dehay leider die einzige Astronautin.

In dem Maße, wie sich Mädchen und junge Frauen verstärkt dem Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaften zuwenden, wird auch der Anteil der Frauen bei den Astronauten größer.

Challenger

Andre Spiegel: Ihr Flug an Bord der Challenger war der letzte mit diesem Shuttle vor der Katastrophe von STS-51L. Können Sie beschreiben, was in Ihnen vorging, als Sie davon erfuhren? Ernst Messerschmid: In den Flammen bzw. beim Aufprall auf der Wasseroberfläche habe ich gute Freunde verloren.

Mit der amerikanischen Lehrerin Christa McAuliffe habe ich zur Vorbereitung unserer Raumflugmissionen ein Büro geteilt.

Ich habe mich fürchterlich gefühlt. Und es ist mir heiß und kalt den Rücken runtergefahren, daß bei der Aufklärung der Challenger-Katastrophe die Analyse unserer Feststoff-Booster zeigte, daß von zwei Dichtungsringen pro Segmentverbindung einer schon durchgebrannt war und der äußere leicht angesengt.

Glücklicherweise hat man aus der Analyse die richtigen Schlußfolgerungen gezogen im technischen Bereich, beim Management, und die Shuttle-Flüge scheinen sicherer geworden zu sein. Trotzdem kann das nächste Unglück schon übermorgen passieren. Ich schätze das Risiko einer tödlichen Katastrophe für die Astronauten im Bereich von etwa einem Prozent. Das ist ein bis zwei Größenordnungen über dem, was wir in normalen Berufen auf der Erde stillschweigend akzeptieren, aber durchaus im Bereich des Risikos von Testpiloten, Rennfahrern usw.

Mars im Mittelpunkt der Zukunft?

Oliver Erckmann: Was denken Sie allgemein über bemannte Flüge zum Mars?

Wird die NASA und die ESA in bei den Projektplänen, die zur Zeit noch ausgearbeitet werden oder überarbeitet werde, auch darin auch bereits bemannte Flüge in Erwägung ziehen?

Die NASA hat einen Mars-Lander gebaut. Der bereits fertig gestellt ist und Rund 100 Millionen Dollar gekostet hat. Durch das aufgeben der augenblicklichen Marsmissionen und der Fehlschläge in der Verganheit, wurden alle Missionen zum Mars gestoppt. Dieser Lander soll nach Willen der NASA nicht starten (nach zulesen unter http://www.savethemarslander.org/). Wie denken sie über diesen Lander. Sollte er starten und seine eigentliche Mission erfüllen oder lieber am Boden bleiben.

Wie sehen sie die Arbeiten der Mars Society und was denken Sie über Projekte der Mars Society (z.B. das testen einer Mars Station „FMARS“ in Devon Island)? Sehen sie auch die Mars Society als eine Gruppe (der auch Mitglieder von der NASA, ESA und Universitäten angehören) die wichtig ist für die wissenschaftliche Basis der zukünftigen Raumfahrt und auch entschiedene Grundlagen für die allgemeine Raumfahrt liefert? (nach zulesen unter http://www.marssociety.de und http://www.marssociety.org)

Ernst Messerschmid: Wenn ich die Vorzeichen in den USA und in Europa richtig deute, wird etwa ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung der Raumstation, d.h. 2005/6, eine Mond-Mars-Initiative angestoßen werden.

Vielleicht erfolgt dies zunächst einmal im Rahmen eines allgemeinen Aufrufs zur Beteiligung kritischer Technologien. Möglicherweise wird der Start einer bemannten Mission erst dann erfolgen, wenn ein Politiker des Typs Kennedy, eine Gesellschaft die nicht gleich den Nutzen „morgen“ sehen möchte, Menschen, die Exploration als Teil ihrer Kultur verstehen, Ingenieure und Wissenschaflter mit neuen Ideen sich gleichzeitig finden.

Die Mars-Society kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Als Optimist gehe ich davon aus. daß der erste Mensch schon vor dem 50. Jubiläum der ersten Mondlandung eines Menschen auf dem Mars stehen wird.

Psychologisches

Andre Spiegel: Welches war während Ihrer Mission der spannendste Moment? Welches der schönste? Ernst Messerschmid: Der spannendste Moment ist natürlich der Start. Der schönste war, als nach einer Woche getaner, erfolgreicher Arbeit wir noch eine Ehrenrunde um die Erde drehten, und in dem Moment die Ladebuchttüren zugingen und ich einen letzten Blick hinauswerfen konnte auf die schöne Erde. In diesem Moment hatte ich meinen Walkman auf den Ohren und hörte meine Lieblingsmusik. Ich bin fast zerflossen.

Marcel Falk: Was verdient ein Astronaut? Wieviel persönliches Gepäck darf ein Astronaut ins All mitnehmen?

Ernst Messerschmid: Die Gehälter von Astronauten entsprechen denjenigen der Wissenschaftler und Ingenieure von Raumfahrtagenturen. Das Gehalt hängt natürlich auch von Lebensalter und Erfahrung ab. Bei der NASA ist das Jahresgehalt zwischen 60000 und 120000 Dollar und damit vergleichbar mit demjenigen der ESA-Astronauten.

Persönliches Gepäck ist in der Größenordnung von einigen 100 g. Kein Flug ohne Gepäckkontrolle!

Selbst der Brief, den mir meine Frau auf den Weg gegeben hat, mußte aus nichtbrennbarem Material bestehen.

ISS-Wohnmodule

Andreas Vogler: Was halten Sie von dem neuen Zvesda Wohnmodul der Russen. Gibt es Verbesserungen im Bereich der Habitability gegenüber der MIR? Mir scheint ein Fenster in dem Crew Quarter unter Berücksichtigung der Strahlenbelastung ungünstig.

Was wäre aus Ihrer Erfahrung wünschenswert für die Entwicklung zukünftiger Wohnmodule, bzw. was empfanden sie bezüglich Habitability als ungenügend gelöst?

Ernst Messerschmid: Zuerst einmal muß der Lärmpegel gesenkt werden.

Sofern der Strahlungspegel nicht dem gefährlichen Bereich sich annähert, würde ich ungern auf ein Fenster verzichten.

In der Ergonomie und Habitability, also beim Human Factor Ingeneering, sind immernoch Verbesserungen möglich.

Spannend wird es erst, wenn wir Transferfahrzeuge zum Mars oder Wohnmodule auf Mond- und Marsoberfläche entwickeln. Dann brauchen wir in der Tat Architekten und Raumausstatter.

Theoretiker im All Reinhard Zinsser: Hat ein Theoretischer Physiker dieselben Chancen auf eine Astronautenausbildung wie ein Experimentalwissenschaftler? Ernst Messerschmid: Experimentell orientierte Naturwissenschaftler und Ingenieure sind natürlich im Vorteil. Ich habe aber auch schon theoretische Physiker beim Reparieren ihrer Computer, Wohnung, Gartengeräte, Autos und Flugzeugen viele Experimentalisten in den Schatten stellen sehen.

Kopf und Hände, neudeutsch: kognitive, taktile und andere sensorische Fähigkeiten, gepaart mit Erfahrung im Umgang von technisch komplexen Geräten und Software-Systemen sind nachzuweisen.

Andre Spiegel: Wie ist es in der Erdumlaufbahn? Lieber Herr Messerschmid, ich habe ein paar Detailfragen, auf die man im Fernsehen keine Antworten sieht…

– Was war für Sie während der D1-Mission am überraschendsten? Gab es etwas, womit Sie überhaupt nicht gerechnet hatten?

– Haben Sie in der Erdumlaufbahn schlafen können? Gut oder schlecht?

– In der MIR soll es wegen der Lüftung sehr laut sein — wie laut ist es eigentlich im Space Shuttle?

– Wenn Sie Fotos aus der Erdumlaufbahn mit dem tatsächlichen visuellen Eindruck vergleichen — empfinden Sie den Unterschied als sehr groß oder eher nicht so bedeutend?

Ernst Messerschmid Solare Protonen bzw. Sekundärteilchen aus der Wand reichen die Retina des Auges und regen diese zu Leuchterscheinungen an. Beim Flug über die südatlantische Anomalie ist dieser Effekt am stärksten. Ich war nicht darauf vorbereitet und völlig perplex, als ich in meiner ersten Nacht einschlafen wollte und es trotz geschlossener Augen hell blieb (Nachleuchtdauer pro Einschlag 1-2 Sekunden).

Hätte ich per Interkom nicht meinen Piloten gefragt, wo er denn gerade herumkurvt, und er mir die Erklärung über mein Blitzlichtgewitter im Auge gegeben hätte, wäre ich wahrscheinlich nie zum Einschlafen gekommen.

Apropos Schlafen: Man schläft in ähnlichen Kojen wie auf Schiffen. Nur daß man nicht liegt, sondern frei darin herumschwebt. Viele der Astronauten binden sich per Gummiband mit ihrem Schlafsack an einer Wand fest. Aus Platzgründen mußte ich dies ebenfalls machen – mit dem Unterschied, daß mein Rücken oben war.

Lärm: In der MIR ist es erträglich zu arbeiten, aber zu laut zum Schlafen. Leider ist das vom MIR-Basismodul abgeleitete, am 12.7. gestartete Service-Modul ebenfalls relativ laut. Man macht sich gegenwärtig Gedanken darüber, ob lärmende Ventilatoren, Zentrifugen, Ventile ausgetauscht werden müssen.

Beim Space Shuttle ist es wie bei den anderen Teilen der ISS: relativ leise. Die Erde aus dem Weltraum betrachtet ist viel plastischer und durch die Eigenbewegung bekommt man auch ein besseres Gefühl für die 3. Dimension.

Außerdem ist natürlich der Gesichtskreis sehr viel größer, vor allem dann, wenn man nacheinander durch alle Fenster z.B. des Shuttles hinausschaut. Einen solch phantastischen Eindruck können Sie durch kein noch so gutes Foto bekommen.

Am ehesten können Sie durch einen IMAX-Film diese überwältigende Sicht auf den Heimatplaneten nachvollziehen.

Geldverschwendung? Ernst Messerschmid Die Raumfahrttechnik leistet Beiträge zur Beobachtung des Wetters, der Atmosphäre, der Erdoberfläche und der Ozeane.

Wir lernen dadurch mehr über unseren Heimatplaneten und unseren manchmal negativen Einfluß auf die Umwelt (Ozonloch, CO2-Zunahme, El-Nino-Phänomen, Brandrodung, Umweltfrevel usw.)

In der Schwerelosigkeit der Raumstation werden wichtige Forschungsergebnisse erzielt auf Gebieten wie Physik, Materialforschung, Kristallzüchtung, Biologie und Medizin. Es ist z.B. vorstellbar, daß nur dort Ersatzgewebe aus eigenem Gewebe in größerem Umfang hergestellt werden kann oder daß man dem Problem der Osteoporose, d.h. Knochenschwund vor allem bei älteren Frauen, auf die Spur kommt.

Die Hälfte des eingesetzten Geldes pro Jahr von ca 70 Milliarden Euro (weltweit) wird für kommerzielle Zielsetzungen verwendet: Telekommunikation, direktverteilende TV-Rundfunk-Satelliten, Navigation. Hier werden zur Zeit vor allem auf dem Dienstleistungssektor tiefschwarze Zahlen geschrieben (inm zweistelligen Prozentbereich).

Würden wir von heute auf morgen alle Raketen in die Ecke stellen und die Satelliten abschalten, würden Sie sich ganz schön wundern, was Ihnen fehlt.

Seiltricks im Weltall Wolfram Knapp: In der Vergangenheit wurde zuweilen von seilgestuetzten Satellitensystemen berichtet, den „Seiltricks im Weltall“, bei denen Subsatelliten an langen Seilen in Richtung Erde herabgelassen wurden. Seit laengerer Zeit jedoch ist es still geworden um diese faszinierende Technik. Ist sie wegen fehlgeschlagener Experimente oder aus anderen Gruenden aufgegeben worden, was ich sehr schade faende?

Ernst Messerschmid Nein, im Gegenteil. Es gibt derzeit einige geplante kleinere Versuche mit Oberstufen und möglicherweise sogar mit der alten Mir-Station. Die Verwendung von Seilen zur Übertragung von Kräften, Impulsen, und zur Stabilisierung ist sehr interessant, jedoch nicht unproblematisch bei sehr langen Seilen.

Stellen Sie sich vor, ein Seil wickelt sich um die Raumstation oder schlingert sonst irgendwie unkontrolliert im erdnahen Weltraum herum. So wie wir uns auf der Erde bei Bauwerken und vielen Aktivitäten der Seile bedienen, so werden wir in de Zukunft im Weltraum mit diesen hantieren.

Im übrigen möchte ich Sie ermutigen, mit der Veröffentlichung vom „Seiltrick im All“ „bei Seil“ zu bleiben.

Wann kann man sich als Astronaut bewerben? Alex: Mich würde interessieren, wann die Aussicht besteht, daß die ESA wieder neue Astronauten rekrutiert und welche Bedingungen man dann wohl erfüllen muß, um für den Job in Frage zu kommen.

Ernst Messerschmid Mit den 16 Astronauten der ESA können wir sicherlich die nächsten 5-10 Jahre ohne neue Rekrutierung von Astronauten auskommen.

Geforderte Erfahrung und Alter über die gesamte Raumstationsära hinweg, d.h. bis mindestens 2015 wird sicherlich dazu führen, daß die ESA etwa Mitte des Jahrzehnts entscheidet, eine neue Astronautenauswahl in ganz Europa durchzuführen.

Nationale Ausschreibungen wird es wegen der 1998 erfolgten aller bemannten Raumfahrtaktivitäten in der ESA nicht mehr geben.

Wenn Sie etwas über die Auswahlkriterien wissen wollen, besuchen Sie die folgende Homepage der ESA, über die Sie sicherlich dann auch von einer anstehenden Ausschreibung erfahren werden:

http://www.estec.esa.nl/spaceflight/

Mehr Details finden Sie in meinem Buch Space Stations erschienen 1999 im Springer Verlag. Beschleunigung Thomas: Wie stark wurden Sie bei Ihren Starts beschleunigt? Wie fühlten Sie sich dabei und welche Beschleunigung kann ein Mensch überhaupt überleben?

Ernst Messerschmid In der Aufstiegsphase 3 G (3fache Erdbeschleunigung) für etwa 8 Minuten beim Space Shuttle. Beim Wiedereintritt für wenige Minuten maximal 1,4 G.

Bei den älteren Raketen ging die Startbeschleunigung bis 4 G. Bei Kapseln mußten die Astronauten teilweise bis 6 G aushalten.

Piloten von Kampfflugzeugen müssen 8-10 G aushalten, diese werden durch Anti-G-Hose um 2 G reduziert.

Die maximale Belastung kann 20-30 G sein, abhängig von der Richtung, jedoch nur maximal 1 Sekunde.

Im Rahmen eines Selbstversuchs bin ich schon mal 3G in einer Zentrifuge „geflogen“. Grüße an Herrn Prof. Messerschmidt und an das bdw-Team – Der Raumfahrt gehört die Zukunft!

Harald Zaun: Bevor alle Zeilen dieses Chats ins Datennirwana entschwinden, bevor sich alles Geschriebene im „Cyberspace“ verlieren wird, möchte ich Ihnen abschließend noch alles Gute wünschen und mich gleichzeitig nochmals für das konstruktive Interview bedanken. Es dürfte wohl kein Zweifel daran bestehen, dass der Raumfahrt die Zukunft gehört. Ihr Zitat „Menschliche Exploration ist eine Art genetischer Imperativ“ spricht für sich. Überall zeichnen sich „Paradigmenwechsel“ ab – alles ist im Umbruch – von daher ich, dass auch die Akzeptanz und Sensibilität der Bevölkerung für das zuweilen delikate Thema „Raumfahrt“ sukzessive größer wird.

Ernst Messerschmid Hallo Herr Dr. Zaun, meine Grüße aus Stuttgart möchte ich mit meinem Wunsch verbinden, daß Sie weiterhin so positiv und detailliert über die bemannte Raumfahrt berichten. Nur in dem Maße, wie es uns gelingt, die Bedeutung ihrer Ziele in der Bevölkerung zu verbreiten, wird es gelingen, neben oder nach der ISS zu Mond oder Mars zu fliegen.

ENDE DES CHATS – Fortsetzung folgt!

Liebe bdw-Forum-Teilnehmer,

der Chat mit Herrn Prof. Messerschmid ist nun zu Ende. Besten Dank für die vielen interessanten Fragen, die er leider gar nicht alle beantworten konnte.

Sie haben aber schon bald eine weitere Gelegenheit, mit einem Astronauten zu sprechen!

Am 8. November ist Dr. ULRICH WALTER bei uns zu Gast in der bild der wissenschaft-Redaktion. Er war 1992 als Wissenschaftsastronaut bei der D2-Mission zehn Tage lang im Weltraum. Heute ist er Programm-Manager bei IBM, Buch-Autor und TV-Moderator.

In unserer November-Ausgabe, die nächsten Dienstag in die Kioske kommt, berichtet er im Rahmen unseres Titelthemas zum Ende der Erde über die Möglichkeiten, wie die Erde dem Feuertod durch die Sonne entfliehen kann, wenn diese in ein bis zwei Milliarden Jahren alles Leben auf unserem Planeten auslöscht.

Fragen Sie ihn über die Flucht vor dem Sonnentod, die Zukunft der Raumfahrt oder wie man im Weltraum lebt und arbeitet und wie man auf der Erde wieder heimisch wird. Besuchen Sie uns am Mittwoch, 8. November 2000, von 17 bis 19 Uhr wieder live im Internet: http://www.wissenschaft.de

* * *

Lieber Herr Prof. Messerschmid,

Ihnen gilt noch einmal unser herzliches Dankeschön. Vielen Dank für Ihre Zeit, Geduld und Bereitschaft, uns allen die Faszination der Raumfahrt nähergebracht zu haben.

===Rüdiger Vaas, bdw-Redakteur für Astronomie und Physik
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