Das Grashalm-Orakel - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Das Grashalm-Orakel

Im Frühjahr war ich nach langer Zeit wieder einmal am Balaton in Ungarn. Ich machte mit ein paar Freunden eine Radtour um den See, und wir rasteten auf einer Bank, die in der Nähe des Städtchens Tapolca im Schatten einer alten Eiche stand. Von dort hatte man einen herrlichen Blick auf den See. Mir kam der Platz bekannt vor, und ich überlegte die ganze Zeit, während wir unsere Brote verzehrten, warum. Plötzlich fiel es mir ein. Ich hatte auf dieser Bank schon manches Mal gesessen. Vor vielen Jahren, als ich noch ein junger Student im ersten Semester war und es den Warschauer Pakt noch gab, hatte ich einmal Urlaub auf einem Campingplatz am Plattensee gemacht. Neben meinem Zelt hatten zwei junge Russinnen ihres aufgeschlagen. Die beiden Mädchen studierten Germanistik in Ostberlin und sprachen sehr gut Deutsch. Wir freundeten uns schnell an und verbrachten die meiste Zeit miteinander. Sonja war blond und Natascha schwarzhaarig. Sie waren beide bildhübsch – und ich war in beide verliebt. Die Abende verbrachten wir oft auf der Bank, auf der ich nun nach langer Zeit wieder einmal saß, und unterhielten uns über Gott und die Welt. Eines Tages zupfte Sonja ein paar lange Grashalme ab, nahm sie in ihre Faust, und hielt sie ihrer Freundin hin. Natascha verknotete dann einige Halmenden. Anschließend ließ Sonja die Halme zu Boden fallen – und man sah, dass sie nun zu einem Ring geschlossen waren. Die beiden Mädchen kicherten und tuschelten auf Russisch. „Was macht ihr da?“, fragte ich neugierig und Sonja sagte: „Dies ist ein alter russischer Brauch. Ein Mädchen hält sechs lange Grashalme in der Faust, sodass die Enden oben und unten herausragen. Ein zweites Mädchen verknotet dreimal jeweils zwei obere Enden, wobei es die Paare beliebig auswählt. Danach macht sie das Gleiche mit den unteren Enden der Halme. Dann öffnet das erste Mädchen die Faust. Bilden die Grashalme jetzt einen einzigen großen Ring, bedeutet dies, dass das zweite Mädchen innerhalb eines Jahres heiraten wird.“ Natascha gab mir den Grashalm-Ring und wurde zusehends rosiger im Gesicht. Ich deutete das als gutes Zeichen und sah mich schon für den Rest als Urlaubs als erfolgreicher Casanova. Leider wurde nichts daraus. Die Mädchen mussten am nächsten Morgen abreisen, und ich habe nie wieder etwas von ihnen gehört. Jetzt, viele Jahre später, sehe ich das Grashalm-Orakel wesentlich nüchterner als damals und frage mich, wie hoch eigentlich die Wahrscheinlichkeit ist, dass die sechs Halme nach dem Verknoten einen einzelnen Ring bilden. Wissen Sie es?

Die Lösung des August-Preisrätsels

Wenn man die Zahlen von 1 bis 2006 ohne Kommata und Lücken als lange Reihe schreibt, können die Ziffernpaare 42 auf drei verschiedene Weisen entstehen. Sie können die beiden Endziffern einer Zahl X42 sein. Dabei kann X die Werte von 0 bis 19 besitzen. Folglich taucht die 42 auf diese Weise insgesamt 20-mal auf. Eine zweite Variante ist, dass in einer Zahl hinter dem Ziffernpaar 42 noch eine weitere Ziffer steht. Die Zahl hat also entweder die Form 42X oder 142X. In beiden Fällen kann X jede Ziffer von 0 bis 9 sein, sodass es insgesamt 20 verschiedene Möglichkeiten gibt. Schließlich kann es auch noch vorkommen, dass eine Zahl mit 4 endet und die nächste mit 2 beginnt. Dies ist insgesamt zwölfmal der Fall, nämlich bei (24, 25), (2X4, 2X5) und bei (2004, 2005), wobei X für die zehn Ziffern von 0 bis 9 steht. Insgesamt taucht die 42 also 52-mal in der Zahlenschlange auf.

Die Gewinner

Das Los hat entschieden: Walter Holl, Stuttgart, und Martina Rodener, Saarbrücken, erhalten den Hauptgewinn, je ein Fernglas. Buchpreise bekommen: Klaus Bodky, Würzburg; Thomas Heimsch, Glattbrugg/Schweiz; Oliver Kunz, Iserlohn; Gerlinde Münzinger, München; Frank Profe, Köln. Wir gratulieren den Gewinnern.

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So machen Sie diesen Monat mit

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 30. November 2006 an:

bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 11|06″

Ernst-Mey-Str. 8

70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Februar-Heft 2007 veröffentlicht.

Zu gewinnen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn sind zwei Taschenferngläser „Victory Compact“ von Carl Zeiss für den besseren Durchblick (www.zeiss.de). Buchpreis ist „Bionik“ von Antonia B. Kesel. Die Bionik-Professorin an der Hochschule Bremen gibt eine exzellente Einführung in die Synthese von Technik und Biologie. So erklärt sie zum Beispiel, warum Spinnenseide reißfester ist als Stahl, wie Lotusblüten sich selbst reinigen und was Mottenaugen antireflektierende Eigenschaften verleiht (www.fischer-kompakt.de).

Sind Sie noch im Bild der Wissenschaft? – Die richtigen Antworten

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