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Das Paradies der Magnetwesen

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Unbekannte Einzeller haben diesen riesigen, speerspitzenförmigen Magnetkristall hergestellt (rot). In Blau sind die Produkte magnetotaktischer Bakterien zu sehen. Bild: PNAS
Während einer etwa 100.000 Jahre dauernden Warmzeit vor 55 Millionen Jahren gediehen vor der Küste der USA eigenartige Mikroben: Kanadische Forscher haben im Meeresboden vor New Jersey ungewöhnlich große und vielgestaltige magnetische Eisenkristalle entdeckt, die vermutlich von noch unbekannten Bakterien produziert wurden. Die Kristalle ähneln Speerspitzen und Spindeln und sind achtmal größer als alle bislang bekannten Bio-Magneten.

Sogenannte magnetotaktische Bakterien sind bekannt dafür, dass sie magnetische Kristalle produzieren. Die Mikroben nutzen die länglichen Eisennadeln wie einen inneren Kompass. Manchmal ordnen sich die Mikroben zu Ketten an. Doch nun entdeckten die Forscher völlig fremdartige Gebilde, bei denen die speerspitzenartigen Kristalle zu einer Kugel angeordnet waren. Weder lebende noch fossile Organismen ähneln diesen „magnetischen Todessternen“, wie die Forscher sie nannten. Studienleiter Dirk Schumann und seine Kollegen vermuten, dass die Kristalle bei den lebenden Mikroben ähnlich angeordnet waren und vielleicht der Abwehr von Feinden dienten.

Die Häufung von Magnetbakterien in den Sedimenten deutet nach Meinung der Forscher darauf hin, dass vor 55 Millionen Jahren spezielle Umweltbedingungen herrschten, wie sie heute zum Beispiel im Amazonas zu finden sind. Damals erwärmte sich die Erde innerhalb weniger Jahrtausende um fünf bis neun Grad. Durch die hohen Temperaturen nahm die Verwitterung zu, so dass mehr Eisen mit den Flüssen ins Meer gelangte. Im Meeresboden herrschte Sauerstoffmangel, was magnetotaktischen Bakterien entgegenkommt. Wegen der Größe der Kristalle vermuten die Forscher allerdings, dass die Hersteller der Kristalle zum Teil keine Bakterien, sondern Einzeller mit Zellkern waren, sogenannte Eurkaryoten.

Dirk Schumann (McGill University) et al.: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi 10.1073/pnas.0803634105 Ute Kehse
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