Das stille Sterben - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Das stille Sterben

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Der Pfeil zeigt, wo der Stern explodierte: in einem der Spiralarme der Galaxie. Bild: Johan Fynbo
Ein internationales Astronomenteam glaubt, eine neue Todesart von Sternen entdeckt zu haben: Der Stern fällt dabei einfach in sich zusammen, so dass sich seine Materie zu einem schwarzen Loch verdichtet. Bisher kannten Astronomen bei schweren Sternen nur den Tod in einer Supernova, bei der in einer riesigen Explosion große Mengen Material ins Weltall geschleudert werden und der Stern kurzzeitig so hell aufleuchtet wie eine ganze Galaxie. Auf die Spur des unspektakulären Sternentods ohne Supernova gekommen sind die mehr als dreißig Wissenschaftler durch Aufnahmen des Forschungssatelliten „Swift“.

Der Satellit hatte im Mai und Juni dieses Jahres in zwei mehr als eine Milliarde Lichtjahre entfernten Galaxien zwei so genannte Gammastrahlenblitze aufgenommen. Bei diesen wenige Sekunden bis einige Minuten andauernden Blitzen werden riesige Mengen energiereicher Gammastrahlung ins Weltall ausgesandt. Die genauen Ursachen dieser Blitze sind noch nicht bekannt. Sie treten jedoch im Zusammenhang mit Supernova-Ereignissen und damit mit dem Tod von Sternen und der Entstehung schwarzer Löcher auf.

Auch nach den beiden beobachteten Gammastrahlenblitzen suchten die Wissenschaftler daher nach Hinweisen auf eine Supernova. Doch so sorgfältig sie mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii und dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) die Himmelsregion auch absuchten: Spuren einer solchen spektakulären Explosion fanden sich nicht.

Nachdem die Gammastrahlenblitze aus einer Zwerggalaxie stammten, in der es von schweren Sternen wimmelt, vermuten die Forscher in den Blitzen die Folgen eines vergleichsweise stillen Todes eines solchen Sterns. Das beim Zusammenfallen des Sterns entstehende schwarze Loch erzeugte die energiereiche Strahlung, als es die verbleibende Materie des Sterns in sich aufsaugte, so die Wissenschaftler. Wie dieser leise Zusammenbruch jedoch genau vonstatten geht, ist noch unklar. „Irgendein bisher unbekannter Vorgang ist da am Werk“, erklärt der italienische Astrophysiker Massimo Della Valle, einer der beteiligten Wissenschaftler. Nun wollen sich die Forscher auf die Suche nach weiteren Gammastrahlenblitzen machen, um die Hintergründe des unspektakulären Todes schwerer Sterne herauszufinden.

Neil Gehrels (NASA Goddard Spaceflight Center, Greenbelt) et al: Nature, Bd. 444, S. 1044 Massimo Della Valle (Astrophysikalisches Observatorium, Firenze) et al.: Nature, Bd. 444, S.1050 Johan Fynbo (Universität Kopenhagen, Dark Cosmology Centre,) et al.: Nature, Bd. 444, S. 1047 Avishay Gal-Yam (California Institute of Technology, Pasadena) et a.: Nature, Bd. 444, S. 1053 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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