Der langsame Aufstieg der Schreckensechsen - wissenschaft.de
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Der langsame Aufstieg der Schreckensechsen

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Die Dinosaurier (oben) lebten längere Zeit mit ihren Vorfahren wie den beiden neuentdeckten Echsen Dromomeron romeri (links unten) und dem noch namenlosen Pflanzenfresser (unten Mitte) zusammen. Illustration: Donna Braginetz/Science
Ein Fossilienfund in New Mexico wirft ein neues Licht auf die Frühgeschichte der Dinosaurier: Wie Forscher um Randall Irmis von der Universität von Berkeley in Kalifornien berichten, lebten die ersten Dinosaurier 15 bis 20 Millionen Jahre lang gemeinsam mit ihren Vorfahren. Bislang hatten Paläontologen angenommen, dass die primitiveren Echsen vor etwa 230 Millionen Jahren schlagartig verschwanden, als die ersten echten Dinos auftauchten.

Das Erdzeitalter Trias, das vor 250 Millionen Jahren begann und vor etwa 200 Millionen Jahren endete, ist eine rätselhafte Zeit. Die Kontinente waren in dieser Periode zum Superkontinent Pangäa vereinigt. Während der ersten Jahrmillionen der Trias erholte sich das Leben noch vom schrecklichsten Massensterben, dass die Erde jemals erlebte. In der mittleren Trias dominierten unterschiedlichste Echsen die Tierwelt, darunter die eigenartigen Aetosaurier, schwer gepanzerte Reptilien mit dem Körper eines Krokodils, dem Kopf eines Vogels und einer Schweineschnauze. Die meisten dieser primitiven Echsen, auch die schon dinosaurierähnlichen Vorfahren der Dinos, waren allerdings im folgenden Erdzeitalter der Jura verschwunden. Nur Krokodile, Flugsaurier und Dinosaurier überlebten.

Bisherige Fossilienfunde hatten vermuten lassen, dass die Dinosaurier während der unteren Trias relativ schnell die Vorherrschaft über die Erde übernahmen ? entweder, weil sie ihre Vorfahren erfolgreich verdrängten, oder weil diese aus anderen Gründen ausstarben. Die neuen Knochenfunde aus einem Steinbruch im US-Staat New Mexico widerlegen dieses Bild jetzt aber: Demnach lebten die Vorfahren („Dinosauromorphe“) mindestens 15 bis 20 Millionen Jahre lang gleichzeitig mit den ersten Dinosauriern während des letzten Abschnitts der Trias.

Randall Irmis und Sterling Nesbitt, die beiden Hauptautoren, fanden während ihrer Ausgrabung im Sommer 2006 gut 1.300 Wirbeltierfossilien. Sie konnten mindestens zwei neue Echsen-Arten identifizieren, darunter einen ein Meter langen, zweibeinigen Dino-Vorfahren. Die Forscher gaben dem Reptil den Namen Dromomeron romeri. Die andere Neuentdeckung ist noch namenlos. Es handelt sich um einen pflanzenfressenden, drei bis fünf Meter langen Vierbeiner mit Schnabel.

„Bislang dachte jeder, dass alle Dinosaurier-Vorfahren kleine, fleischfressende zweibeinige Tiere waren“, sagt Irmis, „Diese Kreatur hat zwar die Gestalt eines Dinosauriers, aber dass sie vierbeinig ist und Pflanzen fraß, war doch sehr überraschend.“ Die Forscher schließen aus ihren Funden, dass der Übergang von der vielseitigen Reptilienfauna der Trias zur von den Dinos dominierten Jura nicht abrupt verlief.

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Randall Irmis (Universität von Kalifornien in Berkeley, Kalifornien) et al.: Science, Bd. 317, S. 358 Ute Kehse
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