Der Tag, an dem die Welt stillstand - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Der Tag, an dem die Welt stillstand

Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis ? all diese schrecklichen Naturkatastrophen könnten auf einen Schlag verschwinden, wenn die tektonischen Platten der Erde zur Ruhe kämen. In absehbarer Zeit ist damit freilich nicht zu rechnen ? aber womöglich in ferner Zukunft, genau genommen in 350 Millionen Jahren. Das berichtet der amerikanische Seismologe Paul Silver von der Carnegie Institution in Washington im Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Die obersten hundert Kilometer der Erde bestehen aus riesigen festen Platten, die sich mit einer Geschwindigkeit von einigen Zentimetern pro Jahr über das zähflüssige Gestein des Erdmantels schieben. An den Spreizungszonen der mittelozeanischen Rücken driften die Ozeanplatten auseinander, wobei neue Kruste entsteht. An anderen Stellen können die Platten kollidieren, wobei sich entweder Gebirge auftürmen oder ozeanische Kruste in einer so genannten Subduktionszone im Erdmantel verschwindet. Die Kontinente versinken nicht, sie bestehen aus leichterem Gestein und „schwimmen“ sozusagen auf dem Erdmantel. Die unerbittliche Verschiebung der Platten ist mit einigem Rütteln und Quetschen verbunden ? mit der Folge, dass die Erde zuweilen bebt oder Gestein schmilzt und sich über die Oberfläche ergießt.

Alle paar hundert Millionen Jahre treibt die Plattentektonik alle Kontinente zu einer einzigen Landmasse zusammen. So bildete sich vor 250 Millionen Jahren der Superkontinent Pangäa, vor 1,1 Milliarden Jahren existierte ein Superkontinent namens Rodinia. Nach Silvers Meinung könnte der Motor, der die Kontinente antreibt, zu Zeiten Rodinias zum Stillstand gekommen sein. Er vermutet, dass damals die Subduktionszonen verschwanden, durch die die Kontinente einander näher gekommen waren.

Nach derzeitiger Lehrmeinung müssten sich in einem solchen Fall irgendwoanders neue Subduktionszonen öffnen, damit der Prozess weitergeht. „Es gibt wenig Hinweise darauf, dass das passierte, als Rodinia entstand“, sagt Silver. Der Vulkanismus auf der Erde versiegte daraufhin, die Kruste wurde dicker und kälter. Silver glaubt, dass der Stillstand etwa hundert Millionen Jahre anhielt. Durch die thermische Isolierung des Erdinneren kam es aber schließlich zu einem Wärmestau, der sich durch gewaltige Vulkanausbrüche entlud.

Anzeichen dafür könnten große Granitformationen auf der Nordhalbkugel sein. Durch den Hitzestau, so vermutet Lawford Anderson von der University of Southern California, schmolz das Gestein und drang von unten in die Kruste des Superkontinents ein. So könnte Rodinia schließlich zerfallen und die Plattentektonik wieder in Gang gekommen sein.

Anzeige

Das nächste Mal werden sich die Landmassen der Erde vermutlich in etwa 300 bis 350 Millionen Jahren zu einem Superkontinent vereinigen. Dann könnte die Plattentektonik erneut eine Pause einlegen ? nur um später mit noch größerer Kraft wieder loszulegen.

Michael Reilly New Scientist, 21. Dezember 2006 Ute Kehse
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Me|no|pau|se  〈f. 19; Med.〉 Aufhören der Menstruation in den Wechseljahren [<grch. men ... mehr

Mo|den|schau  〈f. 18〉 Vorführung von Kleidung der neuesten Mode; oV Modeschau ... mehr

Jus|tiz  〈f.; –; unz.〉 Rechtswesen, Rechtspflege [<lat. iustitia ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige