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Der Tyrannosaurus-Schreck

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Rekonstruktion von Siats meekerorum (Jorge Gonzales)
Siats meekerorum verdankt den ersten Teil seines Artnamens einem mystischen menschenfressenden Monster – und das nicht ohne Grund: Als die neu entdeckte Saurierart vor hundert Millionen Jahren durch Nordamerika streifte, war sie mit einem Kampfgewicht von vier Tonnen ein König unter den Dinosauriern. Der bissige Koloss und seine Verwandten aus der Gruppe der Carcharodontosaurier hielten vermutlich die damals noch schmächtigen Vorfahren des Tyrannosaurus rex in Schach. Erst nach ihrem Aussterben entwickelten sich Tyrannosaurier zu den mächtigsten aller Räuber.

Dort, wo die rötlichen Berge der Cedar Mountain Formation heute aus der trockenen Ebene des US-Bundesstaates Utah ragen, war vor hundert Millionen Jahren das Paradies auf Erden. Durch die grüne Landschaft schlängelten sich Wasserläufe, in denen sich riesige Lungenfische, Schildkröten und Krokodile tummelten; im dichten Grün grasten pflanzenfressende Dinosaurier. Doch der Frieden hatte ein jähes Ende, sobald Siats meekerorum auftauchte: ein riesiger Raubsaurier mit starken Beinen, kurzen Ärmchen und einem kräftigen Gebiss.

Mit einer Körperlänge von mehr als neun Metern war er vermutlich der gefürchtetste Jäger seiner Zeit. Überhaupt zählt die neu entdeckte Art zu den drei größten Raubsauriern, deren Überreste je in Nordamerika gefunden wurden. 2008 stießen Lindsay Zanno vom North Carolina Museum of Natural Sciences und ihre Kollegen bei Ausgrabungen in der Cedar Mountain Foundation auf Teile des Skeletts. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen stellen sie nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“ vor. Die Paläontologen identifizierten den jugendlichen Saurier, den sie in zweijähriger Feinarbeit aus dem Stein meißelten, als Carcharodontosaurier.

Bisher wurde erst ein einziger Vertreter dieser räuberischen Dinogruppe in den USA entdeckt: Acrocanthosaurus, ein ebenso kolossaler Jäger, der zehn Millionen Jahre zuvor durch Nordamerika gestreift war. Er zählt zu einer anderen Untergruppe als Siats meekerorum, dessen nächste Verwandte in Europa, Südamerika, China, Japan und Australien gefunden wurden. „Wir waren begeistert, den ersten Dinosaurier dieses Typs in Nordamerika zu entdecken und damit zu der wachsenden Zahl an Beweisen dafür beizutragen, dass Dinosaurier vor 100 Millionen Jahren über weite Teile der Erde verteilt waren“, sagt Peter Makovicky, Co-Autor der Studie.

Herrschaftswechsel in der Kreidezeit

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Siats hat es den Wissenschaftlern aus einem weiteren Grund angetan. Er lebte zu einer Zeit, aus der in Nordamerika nahezu keine Fossilien von Raubsauriern gefunden wurden. 30 Millionen Jahre fehlten den Paläontologen. Dabei vollzog sich ausgerechnet zu dieser Zeit ein spannender Wechsel: Die Tyrannosaurier übernahmen gegen Ende der Kreidezeit das Zepter von den Carcharodontosauriern, den Herrschern der frühen Kreidezeit.

 „Carcharodontosaurier regierten in Nordamerika viel länger, als wir vermutet hatten“, sagt Zanno. Offenbar entwickelten sich die damals recht schmächtigen Tyrannosaurier erst zu ihrer späteren Größe, nachdem ihre Konkurrenten ausgestorben waren.  Vorher hatten sie keine Chance, einen Platz an der Spitze der Nahrungskette zu ergattern. „Der enorme Größenunterschied legt nahe, dass die Tyrannosaurier von den Carcharodontosauriern in Schach gehalten wurden“, sagt Makovicky. Zanno erklärt: „Die Tyrannosaurier dieser Zeit waren für Siats vermutlich nicht mehr als ein Ärgernis, ähnlich wie Schakale es für Löwen sind.“

Die Forscher hoffen, bald noch mehr über die bisher so mysteriöse Periode der Kreidezeit zu lernen. Die Fundstelle von Siats meekerorum entpuppt sich nämlich als wahre Goldgrube. Die Forscher haben bereits Überreste von kleineren Tyrannosauriern und einigen gefiederten Räubern ausgegraben. Makovicky frohlockt: „Wir haben noch weitere spannende Entdeckungen gemacht, einschließlich zweier neuer Saurierarten.“ Die müssen jedoch erst eingehend untersucht werden, bevor sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nora Schlüter
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Wissenschaftslexikon

Ara|lie  〈[–lj] f. 19; Bot.〉 stachliger Strauch od. kleiner Baum aus Nordamerika u. Ostasien, mit dem Efeu verwandt [vermutl. aus einer Eingeborenensprache Kanadas]

Geiß|blatt|ge|wächs  〈[–ks] n. 11; Bot.〉 Angehöriges einer Familie der Karden, meist Holzgewächse, mehrere Kletterpflanzen: Caprifoliaceae

Eu|rhyth|mie  〈f. 19; unz.〉 1 Gleichmaß, Ebenmaß, schöne Ausgeglichenheit von Bewegung u. Ausdruck 2 〈Med.〉 Regelmäßigkeit von Herz– u. Pulsschlag ... mehr

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