Der Urahn fliegender Giganten - wissenschaft.de
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Der Urahn fliegender Giganten

14-03-24 Flugsaurier.jpg
Credit: Illustration by Brian Andres
Nur Feuer speien konnten sie nicht – ansonsten hatten die Vertreter der Kurzschwanzflugsaurier alles zu bieten, was die Drachen der Märchen so faszinierend macht: Bizarre Körperstrukturen, Flügel und teils gigantische Ausmaße, denn im Laufe der Evolutionsgeschichte brachten diese Saurier die größten flugfähigen Wesen aller Zeiten hervor. Nun haben Forscher den bisher älteren bekannten Vertreter dieser faszinierenden Wesen entdeckt: Mit einer noch vergleichsweise bescheiden Flügelspannweite von etwa 1,5 Metern sauste er bereits vor 163 Millionen Jahren durch die Luft. Die Erfolgskarriere der Kurzschwanzflugsaurier begann demnach früher als bisher angenommen.

Man stelle sich ein Wesen vor, so groß wie eine Giraffe, mit Flügeln von über 12 Metern Spannweite: Der Flugsaurier namens Quetzalcoatlus war das größte Modell, das die  Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea) in ihrer langen Evolutionsgeschichte hervorgebracht haben. Mit ausgebreiteten Flügeln hätte er einen Reisebus der Länge nach umarmen und dabei bequem über ihn hinwegblicken können. Nach bisherigem Kenntnisstand war Quetzalcoatlus das größte Wesen, das sich jemals in die Luft erhoben hat.

Dieser Jumbo-Jet unter den Flugsauriern repräsentierte aber nur eine Art von vielen teils sehr großen Kurzschwanzflugsauriern, die sich im Laufe von Jura- und Kreidezeit entwickelt hatten. Sie waren wohl ähnlich gewandte Flugkünstler wie die Vögel, ihr spezieller Körperbau macht aber deutlich, dass sie nicht deren Vorfahren waren. Die Kurzschwanzflugsauriern verschwanden „kinderlos“: Das große Massensterben vor 65 Millionen Jahren raffte alle Vertreter dahin.

Der „Verborgene Ur-Drache“

Die Forscher um Brian Andres von der University of South Florida in Tampa erhellen nun, wie und wann die Erfolgskarriere der Kurzschwanzflugsaurier begann. Ihre Ergebnisse beruhen auf der Untersuchung eines Fossils, das von einem Fundort im Norden Chinas stammt. Das Tier lag in einer Gesteinsschicht unter einem Aschebelag, dessen Datierung ein Alter von über 161 Millionen Jahren ergab. Die Forscher gaben dem Wesen den Namen Kryptodrakon progenitor, was soviel bedeutet wie „verborgener Ur-Drache“. Die Untersuchungen der Forscher zeigten, dass es sich um einen urtümlichen Vertreter der Kurzschwanzflugsaurier gehandelt hat. Er ist damit mindestens fünf Millionen Jahre älter als der bisher älteste bekannte Vertreter dieser Flugechsen.

Kryptodrakon besaß den Analysen zufolge bereits die typischen Merkmale seiner Familie: Einen langen Hals und Kopf, verlängerte Mittelhandknochen und einen stark verkürzten Schwanz, der seine Bedeutung für den Flug offenbar eingebüßt hatte. Im Vergleich zu den späteren Vertretern war Kryptodrakon noch recht klein: Er besaß aber immerhin schon eine Spannweite von rund 1,5 Metern. Die Eigenschaften seiner Flügel lassen den Forschern zufolge darauf schließen, dass Kryptodrakon im Inland und nicht an einer Meeresküste lebte. Denn im Gegensatz zu marinen Arten hatte er vergleichsweise breite Flügel, die sich gut zum Fliegen bei typischen Wetterbedingungen über Land eignen.

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Es sei ein extremer Glücksfall, dass Überreste eines so feingliedrigen Wesen erhalten geblieben sind, betonen die Forscher. Am Fundort gab es einst offenbar eine Art Treibsand, in dem Tiere schnell versanken und so erstaunlich gut erhalten blieben. „Für uns Paleontologen füllt Kryptodrakon progenitor nun eine wichtige Lücke im Verständnis der Entwicklungsgeschichte der Flugsaurier“, resümiert Brian Andres.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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