Der Weiße Zwerg, der ein Schwarzes Loch sein wollte - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Der Weiße Zwerg, der ein Schwarzes Loch sein wollte

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Wenn Weißer Zwerge einen schweren Begleiter haben, können sie extrem leuchtstarke Röntgenblitze aussenden. © University of Southampton
Weiße Zwerge – die ausgebrannten Leichen von Sternen wie der Sonne – können unter bestimmten Bedingungen ebenso energiereiche Strahlung aussenden wie Schwarze Löcher. ?Unter den richtigen Umständen sind weiße Zwerge in der Lage, Schwarze Löcher nachzuahmen, die leuchtstärksten Objekte, die wir kennen?, sagt Phil Charles, Co-Autor einer Studie, die in der Zeitschrift ?The Astrophysical Journal? erschienen ist.

Die Forscher um Ray Li analysierten einen Röntgenblitz aus der Kleinen Magellanschen Wolke, den ein Teleskop auf der Internationalen Raumstation im November 2011 aufgefangen hatte. Ursprünglich dachten die Forscher, dass ein Schwarzes Loch den extrem leuchtstarken Blitz erzeugt hätte. Röntgenblitze werden von Materie ausgesandt, die viele Millionen Grad heiß ist und kurz davor steht, von einem Schwarzen Loch verschlungen zu werden ? sie sind sozusagen der Todesschrei. Weitere Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Temperatur der gepeinigten Materie nicht so hoch war, wie es bei einem Schwarzen Loch zu erwarten wäre.

Li und seine Kollegen nahmen daher an, dass der Verursacher des Blitzes ein Weißer Zwerg war ? also der Überrest eines sonnenähnlichen Sterns, der auf die Größe der Erde schrumpfte, nachdem der Kernbrennstoff erschöpft war. Optische Untersuchungen von Teleskopen in Chile und Südafrika zeigten tatsächlich, dass sich am Ursprungsort des Blitzes ein Weißer Zwerg befand, der ein Doppelsystem mit einem etwa zehn Sonnenmassen schweren Begleiter bildete. Ein solches Gespann haben Astronomen bislang erst zweimal beobachtet.

Die Ursache des Blitzes war nach Meinung der Forscher eine Nova ? im Prinzip eine gewaltige thermonukleare Explosion. Die Studie der Forscher ergab, dass sich auf der Oberfläche des Weißen Zwergs Wasserstoff gesammelt hatte, der vom schweren Begleiter stammte. Doch dann zündete der Wasserstoff, und es kam zu einer Kettenreaktion ähnlich wie bei einer Wasserstoffbombe. ?Wahrscheinlich sprengte der Weiße Zwerg eine Schale ab?, sagte Phil Charles von der University of Southampton. ?Als diese Hülle auf den heißen Wind des schweren Sterns traf, entstand eine Schockwelle, die wiederum den Blitz produzierte, der auf der Internationalen Raumstation gesehen wurde.?

Ein derartiges Ereignis haben Astronomen noch nie zuvor beobachtet. Die Forscher vermuten, dass andere bislang rätselhafte Röntgen-Emissionen aus weiter entfernten Galaxien ebenfalls von Weißen Zwergen stammen ? und nicht von Schwarzen Löchern, wie bislang angenommen.

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Ray Li (National Tsing Hua University, Taiwan) et al.: The Astrophysical Journal, Bd. 761, Nr. 2, S. 99, doi:10.1088/0004-637X/761/2/99 © wissenschaft.de – Ute Kehse
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