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Astronomie+Physik

Der zehnte Planet – oder auch nicht

Nachdem ein Team um den Planetenforscher Mike Brown vom California Institute of Technology am Freitag die Entdeckung des zehnten Planeten im Sonnensystem meldete, befinden sich die Astronomen weltweit in Aufregung. Eine wichtige Entscheidung lässt sich nicht länger aufschieben: Die Forscher müssen eine Antwort auf die Frage finden, was ein Planet ist und was nicht.

Eng damit verbunden ist die Entscheidung, ob Pluto weiterhin zu den Planeten gezählt werden soll oder ob er zu einem „Zwergplaneten“, einem „Planetoiden“ oder gar einem „Kuipergürtel-Objekt“ degradiert wird. Denn der neue Himmelskörper, der derzeit noch den vorläufigen Namen 2003UB313 trägt, ist „mit Sicherheit größer als Pluto“, berichtet Mike Brown auf seiner Homepage. Wie groß der potenzielle zehnte Planet genau ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen, da nicht bekannt ist, wie viel Prozent des einfallenden Sonnenlichtes die Oberfläche zurückwirft. Brown zufolge ist ein Durchmesser von 3000 bis 3500 Kilometern wahrscheinlich, damit wäre er 1 ¼- bis 1 ½-mal so groß wie der neunte Planet.

Wie Pluto gehört 2003UB313 zu einer Gruppe eisiger Himmelskörper, die jenseits des Planeten Neptun ihre Bahn ziehen und den so genannten Kuipergürtel bilden. Seit 1992 haben Planetenforscher hunderte von Objekten in dieser Region entdeckt, die größten davon heißen Quaoar und Sedna und sind etwa halb so groß wie Pluto.

Schon länger gärt daher in Astronomenkreisen die Frage, ob Pluto noch länger zu den Planeten gezählt werden kann. Denn zum einen ist er viel kleiner als die anderen acht, zum anderen bewegt er sich auf einer stark exzentrischen Bahn, die um 18 Grad gegenüber der Ebene geneigt ist, in der sich die Erde und ihre Geschwister bewegen. Wie sich in den letzten zehn Jahren herausgestellt hat, war Pluto einfach das mit Abstand zuerst entdeckte Kuipergürtel-Objekt.

Auf dem Weg zu einer streng wissenschaftlichen Definition haben die Astronomen zwei Möglichkeiten, berichtet der Internet-Dienst Space.com: Entweder setzen sie die Mindestgröße für einen Planeten bei ungefähr 4000 Kilometern fest, das ist etwas kleiner als Merkur. Oder sie erklären jeden Himmelskörper zum Planeten, der rund ist und eigenständig die Sonne umkreist. Dann hätte die Sonne allerdings auf einen Schlag gut zwei Dutzend Planeten, denn ab einem Durchmesser von etwa 1000 Kilometern sorgt die Schwerkraft dafür, dass ein Himmelskörper eine runde Form annimmt.

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Michael Brown plädiert dafür, die Untergrenze bei Pluto zu setzen: „Pluto ist ein Planet und sollte einer bleiben, das ist in unserer Kultur fest etabliert.“ Alles was größer als Pluto ist, sollte ebenfalls zu den Planeten gezählt werden, sagt Brown. Demnach wäre 2003UB313 Nummer zehn.

Der Außenposten muss eine frostige Welt sein: Er befindet sich zurzeit 97-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, fast auf dem sonnenfernsten Punkt seiner Bahn. Die Temperaturen liegen Brown zufolge etwa 30 Grad Celsius über dem absoluten Nullpunkt. In einem halben Umlauf, in 280 Jahren, wird er sich der Sonne immerhin bis auf die 36fache Erdentfernung nähern. Seine Bahn ist gegenüber den anderen Planeten noch extremer geneigt als die von Pluto, nämlich um 45 Grad.

Durch spektroskopische Aufnahmen haben Brown und seine Kollegen herausgefunden, dass sich auf der Oberfläche wahrscheinlich gefrorenes Methan befindet, ähnlich wie auf Pluto. Weil 2003UB313 so weit entfernt von der Sonne ist, bewegt sich der Eisplanet im Vergleich zu anderen Kuipergürtel-Objekten relativ langsam. Zum ersten Mal fotografiert wurde er bereits im Oktober 2003. Doch bei der ersten automatischen Auswertung der Aufnahmen des Mount-Palomar-Observatoriums entging Planet Nummer zehn dem Computer. Erst 18 Monate später entdeckte Brown das Objekt bei einer Nachanalyse der Daten.

Wie der neue Planet – wenn er denn einer ist – heißen soll, wird die International Astronomical Union in Kürze entscheiden. Brown und Kollegen haben einen Vorschlag eingereicht, den sie aber noch für sich behalten müssen. Brown verrät nur so viel: Der Planet wird wahrscheinlich nach einer Gestalt aus einem Schöpfungsmythos benannt. Im Gegensatz zu den anderen Planeten wird Nummer zehn wohl nicht den Namen einer griechischen oder römischen Gottheit tragen, weil alle wichtigen Götter schon für Monde und Asteroiden vergeben sind. Einzige Ausnahme: Vulkan. Aber dieser feurige Name passe nicht zu dem frostigen Außenposten, schreibt Brown.

Ute Kehse
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