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Astronomie+Physik

Die Hinterlassenschaften von Shoemaker-Levy

Vom 16. bis zum 22. Juli 1994 stürzten mehr als 20 Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levy-9 auf den Planeten Jupiter. Noch heute sind Gase in der Atmosphäre des Riesenplaneten zu finden, die von dieser Kollision stammen, berichtet ein internationales Forscherteam um Virgil Kunde von der Nasa in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

Die Forscher werteten Daten der Raumsonde Cassini aus, die mittlerweile beim Saturn angekommen ist. Beim Vorbeiflug am Jupiter nahm Cassini Infrarot-Bilder auf, die einiges über die Zusammensetzung der von Stürmen aufgewühlten Jupiter-Atmosphäre verraten. So entdeckten die Forscher zwei Verbindungen, deren Existenz in der Jupiter-Atmosphäre zwar postuliert wurde, die aber bislang nicht nachgewiesen werden konnten. Es handelt sich um das Methyl-Radikal und die Verbindung Diacetylen, die entstehen, wenn Methan-Moleküle mit ultraviolettem Licht von der Sonne bombardiert werden.

Überraschender waren aber die Folgen des Zusammenstoßes mit dem Kometen Shoemaker-Levy-9. Die bis zu zwei Kilometer großen Bruchstücke des Schweifsterns stürzten nacheinander alle auf den gleichen Breitengrad auf Jupiter, und zwar 45 Grad südlicher Breite. Die dunklen Narben der Zusammenstöße waren teilweise wochenlang zu sehen. Durch die hohen Temperaturen bei der Kollision entstand die Verbindung Hydrogencyanid. Diese Verbindung ist vor allem in einem zehn Grad breiten Gürtel rund um die Einschlagstellen zu finden, zeigen jetzt die Cassini-Aufnahmen.

In den Wolkenbändern, die Jupiter umgeben, werden Stoffe zwar schnell rund um den Planeten transportiert, der Austausch zwischen den Wolkenbändern scheint aber begrenzt zu sein. Umso überraschender ist die Verteilung von Kohlendioxid, das vermutlich ebenfalls beim der Kollision aus im Kometen vorhandenen Kohlenmonoxid entstand. Kohlendioxid ist vor allem in einem Band zwischen 50 und 60 Grad südlicher Breite und dann noch einmal zwischen 70 und 90 Grad nördlicher Breite zu finden.

Diese Verteilung stellt die Forscher vor ein Rätsel. Team-Mitglied Michael Flasar spekulierte gegenüber dem Nachrichtendienst Space.com, dass die beiden Stoffe sich womöglich in unterschiedlichen Höhen der Atmosphäre verteilt hätten und von verschiedenen Strömungen erfasst worden seien. Möglicherweise sei die Reaktion, bei der Kohlendioxid entsteht, auch komplizierter als gedacht.

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Ute Kehse
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