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Die Nashornfalle von Starunia

Eine Mischung aus Erdöl, Salzlauge und Tongestein hat wahrscheinlich die Überreste des einzigen vollständig erhaltenen Wollnashorns perfekt konserviert. In der Gegend von Starunia im Westen der heutigen Ukraine könnten sich noch weitere Fossilien aus der Eiszeit im Untergrund verbergen, glauben daher Forscher um Maciej Kotarba.

Starunia liegt in den östlichen Karpaten, in einer Gegend, die durch zahlreiche kleine Ölquellen, Schlammvulkane und Salzwasserquellen geprägt ist. 1907 fanden polnische Wissenschaftler bei einer Ausgrabung in einer Erdwachs-Mine unvollständige Überreste eines Mammuts und eines Wollnashorns (Coelodonta antiquitatis). Erdwachs, auch Ozokerit genannt, ist eine Art Harz aus Kohlenwasserstoffen. Der Stoff ist ein natürlich vorkommendes Paraffin und wurde früher zur Herstellung von Kerzen verwendet. 1929 entdeckte ein zweites Wissenschaftlerteam an der gleichen Stelle in zwölf Metern Tiefe das vollständige Skelett eines Wollnashorns, bei dem auch Weichteile wie Haut, Zunge und Teile der Lunge erhalten geblieben waren. Das Exemplar ist heute in Krakau zu besichtigen.

Kotarba und seine Kollegen führten in der Gegend nun geoelektrische und geochemische Messungen in der Nähe der Fundstelle von 1929 durch. Sie stellten fest, dass sich Öl und Salzlake bevorzugt entlang einer tektonischen Bruchzone ausgebreitet hatten. Durch die Messungen identifizierten sie ein rechteckiges Areal mit einer Größe von 350 mal 150 Metern, das während der Eiszeit ein Sumpf gewesen sein muss. Die Fundstelle des Wollnashorns lag am Rand des Gebietes.

Die Forscher nehmen an, dass der ölige Morast sich während der Eiszeit vor allem im Winter in eine tückische Falle für Mensch und Tier verwandelte. Die aus dem Boden quellenden Kohlenwasserstoffe und die Salzlake dürften relativ warm gewesen sein und könnten den gefrorenen Tundraboden von unten aufgeweicht haben. Dort, wo von Mikroben erzeugtes Methan nach oben steigt, vermuten die Forscher weniger vorteilhafte Bedingungen für die Konservierung von Kadavern. An Stellen, an denen heute noch Kohlendioxid und höhere Kohlenwasserstoffe aus dem Boden quellen, könnten dagegen weitere gut erhaltene Fossilen gefunden werden, hoffen die Forscher. Bei dem Wollnashorn von Krakau drang die Mischung aus Öl und Salz selbst in winzige Poren ein und trug dazu bei, dass das Nashorn regelrecht mumifizierte. Das Erbgut des Krakauer Exemplars wurde bislang allerdings noch nicht untersucht.

Maciej Kotarba (Universität für Wissenschaft und Technik, Krakau) et al.: Geology, Bd. 36, Nr. 7, S. 567 Ute Kehse
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