Die Summe macht's - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Die Summe macht's

Der weltweite Anstieg der Temperatur wird voraussichtlich den von der Politik als kritisch eingestuften Wert von 2 Grad Celsius überschreiten ? wenn es nicht zu einem drastischen Kurswechsel kommt. Zu dieser Erkenntnis kommen zwei Forschergruppen in neuen Analysen des globalen Ausstoßes von Klimagasen und deren Auswirkung auf das Weltklima. Auf die kritische Marke von 2 Grad Celsius hatten sich in vergangenen Klimakonferenzen etwa hundert Länder, darunter die EU-Staaten, geeinigt. Steigt die weltweite Durchschnittstemperatur stärker an, seien erhebliche Gefahren für die Menschheit zu erwarten. Über ihre Ergebnisse berichten Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) und Myles Allen von der Universität von Oxford und ihre Forscherteams.

Die Forscher um Meinshausen errechneten in ihrer Studie erstmals, wie viel Kohlendioxid die Menschheit bis 2050 maximal noch in die Atmosphäre pumpen kann, um den kritischen Wert von 2 Grad Celsius nicht zu überschreiten. Gerechnet seit dem Jahr 2000 kamen die Forscher auf einen Wert von 1 Billion Tonnen Kohlendioxid. Allein in den vergangenen neun Jahren hat die Menschheit jedoch bereits ein Drittel dieser Menge emittiert. „Wenn wir fossile Energien verbrennen wie bisher, werden wir das Kohlenstoff-Budget in nur zwanzig Jahren ausgeschöpft haben“, erklärt Meinshausen.

Ähnlich sehen auch die Zahlen der britischen Wissenschaftler um Allen aus: Die Forscher hatten hochgerechnet, wie viel Kohlendioxid die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts bereits in die Atmosphäre entlassen hat und welche Auswirkungen der Ausstoß bis in die kommenden Jahrhunderte haben könnte. Sie errechneten dabei einen Wert von 3,7 Billionen Tonnen, bei dem ein Temperaturanstieg um 2 Grad zu erwarten wäre. Die Hälfte dieser Kohlendioxidmenge hat der Mensch in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten bereits ausgeschöpft. Auch den Berechnungen von Allen und seinen Kollegen zufolge bleibt der Menschheit also nicht mehr viel Spielraum zum Gegensteuern.

Bei den bisherigen Diskussionen um den Treibhauseffekt sei dem aktuellen Kohlendioxidausstoß viel zu viel Bedeutung beigemessen worden, erklären die Forscher in einem gemeinsamen Kommentar in „Nature“. Es müsse vielmehr auch der über viele Jahrzehnte aufsummierte Kohlendioxidausstoß betrachtet werden. „Die Natur kümmert sich nicht um das Datum“, erklärt Allen. „Um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, müssen wir den Kohlendioxidausstoß insgesamt reduzieren, nicht nur die Emissionen in einem bestimmten Jahr.“ Denn unabhängig davon, wie schnell das Steuer herumgerissen wird und die Industrie- und Entwicklungsländer ihren jährlichen Ausstoß reduzieren: Der Menschheit könne sich nur noch eine begrenzte Menge Kohlendioxid erlauben, erklären die Forscher.

Malte Meinshausen (Potsdam-Institut für Klimaforschung) et a.: Nature, Bd. 458, S. 1158, doi:10.1038/nature08017 und Myles Allen (Universität von Oxford) et al.: Nature, Bd. 458, S. 1163, doi:10.1038/nature08019 wissenschaft.de/ddp ? Ulrich Dewald
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

ges–Moll–Ton|lei|ter  〈f. 21; Mus.〉 Tonleiter in ges–Moll

gleich|na|mig  〈Adj.〉 1 im Namen übereinstimmend 2 ~e Brüche 〈Math.〉 B., die den gleichen Nenner haben ... mehr

Ge|richts|fe|ri|en  〈Pl.; Rechtsw.; bis 1996〉 Zeitraum, in dem keine größeren Verhandlungen stattfinden (in der Bundesrepublik Deutschland: 15.7.–15.9.)

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige