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Die Zähmung des Höllenwassers

Island ist mit geothermischer Energie gesegnet wie kein anderes Land: Über 90 Prozent aller Haushalte werden mit heißem Wasser aus dem Erdinnern beheizt. Jetzt wagen sich die Isländer tiefer denn je ins Erdinnere vor, um noch heißeres, unter Druck stehendes Wasser an die Oberfläche zu fördern. Die heiße Quelle könnte nicht nur den Beginn des Wasserstoffzeitalters einläuten, sondern womöglich auch die erste nachhaltige Erzmine der Welt werden, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (14 August 2004, S. 38).

Mit dem „Iceland Deep Drilling Project“ (IDDP) wollen die drei größten isländischen Energiekonzerne auf der im Südwesten der Insel gelegenen Halbinsel Reykjanes („die dampfende Halbinsel“) fünf Kilometer tief bohren. Die Wikinger gaben der Halbinsel ihren Namen, weil es dort aus Tausenden von Spalten dampft und zischt. Der mittelatlantische Rücken, entlang dessen Achse sich Europa und Amerika auseinander schieben, trifft in Island auf einen so genannten Hot Spot, eine besonders heiße Stelle des Erdmantels. In Reykjanes liegen Kammern aus flüssigem Magma so dicht unter der Oberfläche wie nirgendwo sonst. Durch zahlreiche Spalten dringen Regen- und Meerwasser in die Tiefe und treten erhitzt wieder zutage.

Direkt über der Magmakammer, so vermutet Gudmundur Fridleifson, der Leiter des IDDP, befindet sich daher überhitztes, unter hohem Druck stehendes Wasser in einem Zwischenzustand zwischen flüssig und gasförmig, so genanntes überkritisches Wasser. Dieses Reservoir wollen Fridleifson und seine Kollegen im kommenden Jahr anbohren. Die Forscher gehen davon aus, dass der Energiegehalt dieser höllischen, mit Mineralien und Metallen beladenen Flüssigkeit zehnmal so hoch ist wie der von gewöhnlichem isländischem Wasserdampf. Dadurch könnte sogar die Produktion von Wasserstoff über den Umweg von elektrischem Strom rentabel werden.

Eine Machbarkeitsstudie, so berichtet der New Scientist, habe gezeigt, dass die Bohrung technisch möglich ist. Allerdings sind ein paar Vorsichtsmaßnahmen notwendig: So muss das Bohrloch mit mehreren Lagen Stahl ausgekleidet werden, um dem erwarteten Druck standzuhalten. Zudem besteht die Gefahr, dass die in der Flüssigkeit enthaltenen Mineralien und Metalle ausfallen und blitzschnell die Rohrleitungen verstopfen – ähnlich wie an den berühmten heißen Unterwasserquellen, den Schwarzen Rauchern, wo die Metallsulfide sich bei Kontakt mit dem kalten Meerwasser zu bizarren Kaminen auftürmen. „Die Kunst besteht darin, die Bedingungen zu kontrollieren, dass die Mineralien nicht da ausfallen, wo man sie nicht haben will“, sagt Robert Fournier vom US Geological Survey, wissenschaftlicher Berater des Projektes. Womöglich lassen sich Edelmetalle wie Gold und Silber sowie die Industriemetalle Kupfer und Zink aus dem Höllenwasser gewinnen.

Ob der gewagte Plan aufgeht, wird sich 2007 zeigen. Dann soll die Endtiefe von fünf Kilometern erreicht werden.

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Ute Kehse
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