Doppelter Wirbel um die Venus - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Doppelter Wirbel um die Venus

Über dem Südpol des Planeten Venus bildet die Atmosphäre nicht wie bislang angenommen einen, sondern gleich zwei große Wirbel. Das zeigen neue Aufnahmen der europäischen Raumsonde „Venus Express“, die diese während ihrer ersten vollständigen Umrundung des Planeten aufgezeichnet hat. Frühere Bilder, die während der Mariner-10- und der Pioneer-Venus-Missionen entstanden waren, hatten bereits auf die Existenz wirbelsturmartiger Strukturen am Südpol hingedeutet. Der Doppelwirbel mit seinen zwei nebeneinanderliegenden Zentren wurde jedoch erst auf den sehr viel detaillierteren Aufnahmen von Venus Express sichtbar.

Am 11. April dieses Jahres schwenkte Venus Express nach einer 153-tägigen Reise zum ersten Mal in eine elliptische Umlaufbahn um die Venus ein, auf der sie den Planeten anschließend in einer Entfernung zwischen 400 und 350.000 Kilometer umkreiste. Schon am 12. April lieferte die Sonde die ersten Aufnahmen des Venussüdpols, aufgenommen aus einer Entfernung von mehr als 200.000 Kilometern, auf denen sehr deutlich ein riesiger schwarzer Wirbel zu erkennen war. Damit wurde die bis dahin lediglich vermutete Existenz einer solchen Struktur bestätigt.

Erklären lässt sich ein solcher Wirbel durch ein Zusammentreffen der Strömungen der Atmosphäre und einem Phänomen namens Superrotation: Die dichten Gasschichten der Venusatmosphäre heizen sich am Äquator stark auf und strömen in Richtung der Pole, wo sie abkühlen und zur Oberfläche absinken. Gleichzeitig bewegen sich die oberen Schichten der Atmosphäre westwärts rund um den Planeten in die gleiche Richtung, in die auch die Venus rotiert ? allerdings etwa 60-mal so schnell. An den Polen selbst, wo diese beiden Strömungen zusammentreffen, ist die Entstehung von großen Wirbeln daher sehr wahrscheinlich.

Warum dieser Wirbel über dem Südpol jedoch nicht um ein Zentrum kreist, sondern wie auf den neuen Bildern zu sehen um zwei, können die Astronomen noch nicht sagen. Sie erhoffen sich von den nächsten Aufnahmen der Sonde, die momentan in einer deutlich geringeren Entfernung über der Venus kreist, neue Erkenntnisse darüber. Schon jetzt ist auf den Bildern zu erkennen, dass die Wirbelstrukturen von einer Art Manschette aus kälterem Gas umgeben sind. Auch konnten die Forscher einen ersten Blick auf streifenartige Atmosphärenphänomene werfen, die bereits auf Aufnahmen der früheren Missionen zu sehen waren und von Venus Express nun genauer untersucht werden sollen.

Mitteilung der ESA ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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