Duell mit drei Hörnern - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Duell mit drei Hörnern

dinos02.jpg
So könnte ein Schlagabtausch zwischen den dreihörnigen Riesen ausgesehen haben. Grafik: Lukas Panzarin/Raymond-M.-Alf-Museum für Pälonotologie
Der Triceratops benutzte seine drei Hörner und seinen Nackenschild nicht nur zum Angeben, sondern auch zum Kämpfen. Das schließen Paläontologen aus einer Analyse alter Kampfspuren an fossilen Knochen der Dinosaurier. Vermutlich gingen die Tiere vor allem mit ihren beiden ausgeprägten Stirnhörnern aufeinander los und verhakten sich dabei ineinander, glauben die Wissenschaftler. Ein solcher Kampfstil hätte hauptsächlich am unteren Teil des auffälligen Nackenschildes Verletzungen verursacht ? ein Muster, das exakt dem entspricht, das die Forscher an den untersuchten Knochen fanden. Triceratops nutzte seine Stirn- und Nasenornamente jedoch nicht ausschließlich als Waffe, sondern als vielseitiges Instrument.

Zur Funktion von Hörnern und Nackenschild der bekannten Dinosaurier, die im heutigen Nordamerika lebten, gibt es eine ganze Reihe von Theorien. So könnte der Kopfschmuck eine Art Erkennungszeichen gewesen sein oder auch ausschließlich der Zurschaustellung der eigenen Stärke gedient haben. Auch die These, die Dinosaurier hätten damit Fressfeinde wie den Tyrannosaurus abgewehrt, ist sehr beliebt ? ebenso wie die Annahme, Triceratops habe die Hörner im Kampf gegen Artgenossen genutzt und mit dem Nackenschild gegnerische Stöße abgewehrt.

Da man leider nicht einfach habe hinausgehen können, um Triceratops in freier Wildbahn zu beobachten, wie Farke augenzwinkernd kommentiert, nutzten die Forscher einen Umweg, um die Kampftheorie zu überprüfen. Sie registrierten, wie häufig welche Knochenverletzungen auf Triceratops-Fossilien auftraten und verglichen das Ergebnis mit Form und Häufigkeit alter Wunden auf Knochen von Centrosaurus, einem engen Verwandten von Triceratops. Er besaß zwar ebenfalls drei Hörner. Während Triceratops jedoch zwei riesige Stirnhörner und ein kleineres auf der Nase trug, war bei Centrosaurus vor allem das Nasenhorn sehr ausgeprägt. Die Vermutung der Forscher: Sollte Triceratops tatsächlich mit seinen Hörnern gekämpft haben, müsste das Verletzungsmuster ein anderes sein als bei Centrosaurus. Hatten die Verletzungen hingegen andere Ursachen, sollten diese Probleme die beiden Dinosaurier gleich stark getroffen haben und die Verletzungsmuster müssten sich stark ähneln.

Tatsächlich unterschied sich die Verteilung beträchtlich: Bei Triceratops befanden sich mehr als die Hälfte der Verletzungen am unteren Schildrand und etwa vierzig Prozent am Jochbein. Bei Centrosaurus hingegen waren insgesamt sehr viel weniger Brüche und andere Verletzungen zu finden. Sie konzentrierten sich vor allem auf den oberen Schildrand und waren am Jochbeim im Verhältnis noch häufiger als bei Triceratops. Centrosaurus scheint seine Ornamente also eher als optische Merkmale getragen zu haben, während Triceratops wahrscheinlich sowohl damit gekämpft als auch damit angegeben hat.

Andrew Farke (Raymond-M.-Alf-Museum für Paläontologie, Claremont) et al.: PLoS one (Bd. 4, Ausg. 1, Artikel e4252). ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Bi|en|na|le  〈f. 19〉 internationale Ausstellung der bildenden Kunst u. Musik mit Filmschau in Venedig [→ Biennium ... mehr

To|reu|tik  〈f. 20; unz.〉 Kunst der Metallbearbeitung auf kaltem Wege [<grch. toreutikos ... mehr

Forst|fach  〈n. 12u; unz.〉 Fachgebiet, Beruf der Förster u. Forstmeister

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige