Eisige Diamanten - wissenschaft.de
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Eisige Diamanten

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Das Gestein, in den Rohdiamanten vorkommen, gibt es auch in der Antarktis (thinkstock)
Diamanten sind begehrte Schmucksteine und wertvoller Rohstoff zugleich. Doch die Quelle der Rohdiamanten, das sogenannte Kimberlit-Gestein, kommt nur an bestimmten Stellen der Erde vor: dort, wo urzeitliche Vulkane erstarrte Kegel aus Mantelgestein in der Kruste hinterließen. Vorkommen solcher Kimberlite wurden bisher auf fast allen Kontinenten der südlichen Halbkugel entdeckt – nur in der Antarktis nicht. Jetzt aber hat ein internationales Forscherteam erstmals auch in der lebensfeindlichen Umgebung der Ostantarktis Kimberlite nachgewiesen. „Südpol-Diamanten“ wird es aber in absehbarer Zukunft wohl trotzdem nicht geben. Denn noch schützt der Antarktisvertrag den eisigen Südkontinent vor der mineralischen Ausbeutung.

Diamanten sind eigentlich nur reiner Kohlenstoff und damit eng mit so ordinären Materialien wie Graphit oder Kohle verwandt. Doch was sie so besonders macht, ist ihre Konsistenz: Sie entstehen nur dann, wenn enorm hoher Druck und große Hitze die Kohlenstoffatome so eng zusammenzwängen, dass sie eine besonders kompakte Gitterstruktur einnehmen. Diese Struktur ist es, die den geschliffenen Diamanten ihr geheimnisvolles Feuer und ihre Transparenz verleiht, sie aber auch zu einem der härtesten Materialien der Erde macht. Die Extrembedingungen, die die Transformation von simplen Kohlenstoff zum Diamant ermöglichen, gibt es auf der Erde nur tief im Erdmantel, dort, wo es mehr als 1.000°C heiß ist und ein Druck von mehreren tausend Atmosphären herrscht.

Die dort vor Millionen von Jahren gebildeten Diamanten gelangten im Laufe der Erdgeschichte an einigen Stellen zusammen mit geschmolzenem Gestein an die Oberfläche. Dies geschah überall dort, wo urzeitliche Kontinente zerbrachen oder kollidierten und entlang dieser alten Plattengrenzen Vulkane entstanden. Die Reste dieser alten Vulkanschlote erkalteten vor mehr als 100 Millionen Jahren und bilden heute die Kimberlite, das Gestein, aus dem die Rohdiamanten gewonnen werden. „Kimberlite und die mit ihnen verwandten Gesteine kommen heute in allen Kontinenten vor, besonders denen, die aus dem Urkontinent Gondwana hervorgingen – Afrika, Indien, Südamerika und Australien“, erklären Gregory Yaxley von der Australian National University und seine Kollegen. Aber es gibt eine Ausnahme: die Antarktis. Auch sie entstand, als der alte Südkontinent zerbrach. Kimberlite aber wurden dort nicht gefunden – bis jetzt.

Klassischer Kimberlit unter dem Eis

Yaxley und seine Kollegen hatten für ihre Studie Gesteinsproben aus verschiedenen Stellen entlang des Prince Charles Gebirgsmassivs in der Ostantarktis analysiert. Dieses Gebirge erstreckt sich über mehr als 400 Kilometer in Nord-Südrichtung und wird im Osten vom im Südpolarmeer mündenden Lambert-Gletscher begrenzt. Im südlichen Teil der Gebirgskette stießen die Forscher auf rund 120 Millionen Jahre alten Kimberlit, dessen Vorkommen sich 150 Kilometer weit entlang der Lambertsenke zu erstrecken scheint. Die dort gefundenen Proben seien sowohl in Bezug auf ihre Textur, Mineralogie und geochemische Zusammensetzung typisch für klassische Kimberlite, wie sie auch auf anderen Kontinenten gefunden wurden, berichten die Forscher. Für die Antarktis sei dies der erste Nachweis solcher potenziell diamantenhaltigen Gesteine.

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Ein Ansturm von Diamantensuchern muss die Antarktis allerdings vorerst nicht befürchten. Denn noch bis 2041 ist jede Form von Bergbau in der Antarktis durch das sogenannte Madrid Protokoll des Antarktisvertrags untersagt. Es heißt dort wörtlich: Jede Aktivität in Bezug auf mineralische Ressourcen, sofern sie nicht der Forschung dient, ist verboten. Und selbst nach Ablauf dieser Frist könnten die lebensfeindliche Umgebung und der schiere logistische Aufwand für den Abbau der antarktischen Kimberlite entsprechenden Vorstößen einen Dämpfer aufsetzen. Ob und wann es einmal tatsächlich Antarktis-Diamanten geben wird, ist daher offen.

 

 

 

 

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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