Eiszeitliche Riesenbabys - wissenschaft.de
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Eiszeitliche Riesenbabys

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Nachbildung eines Mammuts. Bild: Horst Schröder / pixelio.de
Mammuts haben ihren Nachwuchs länger gestillt als heute lebende Elefanten. Das fand ein kanadisches Forscherteam anhand der Zähne von Wollhaarmammuts heraus. Drei Jahre dauerte demnach die Stillzeit der zotteligen Riesen. Die Mammut-Mütter beschützten dadurch ihre Kleinen vor nächtlichen Räubern, vermuten die Forscher. Doch trotz der Fürsorge sind die Mammuts ausgestorben. Das lag wahrscheinlich daran, dass die Mütter aufgrund mangelnder Nahrung während der letzten Eiszeit nicht ausreichend Milch hatten. Über ihre Studie berichten die Wissenschaftler um Jessica Metcalfe von der University of Western Ontario im kanadischen London.

Während afrikanische Elefanten ihren Nachwuchs etwa ein Jahr lang stillen, ernähren sich indische Elefantenkinder zwei Jahre von der Milch ihrer Mütter. Wie lange Mammuts ihre Jungen gesäugt hatten, war dagegen bisher unbekannt. Dem gingen jetzt die Forscher um Metcalfe nach: Sie analysierten die Zähne von unterschiedlich alten Wollhaarmammuts, die nördlich des Polarkreises in der kanadischen Provinz Yukon gefunden worden waren. Die Mammuts hatten dort vor etwa 40.000 Jahren gelebt. Anhand der chemischen Zusammensetzung der Kauwerkzeuge konnten die Wissenschaftler feststellen, wie lange die Mammut-Mütter ihre Jungen gestillt hatten: Erst ab einem Alter von etwa drei Jahren hatten sich die Kleinen von pflanzlicher Kost ernährt.

Die Forscher vermuten, dass die dunklen Winter im hohen Norden der Grund der ausgedehnten Stillzeit waren: „Heutige Löwen können es zwar nicht mit ausgewachsenen Elefanten aufnehmen, sie können aber Elefantenbabys töten“, erklärt Metcalfe. Und das machen sie bevorzugt in der Nacht. Denn ihre Augen sind an die nächtlichen Lichtbedingungen bestens angepasst. Ganz ähnlich sind vermutlich auch die Feinde der Mammuts auf die Pirsch gegangen: die Säbelzahntiger. Die Nächte nördlich des Polarkreises sind besonders lang, deshalb war es den Forschern zufolge für die Mammut-Kinder besonders von Vorteil, lange von der Mutter gestillt zu werden. So blieben sie in der Nähe der Mutter und waren vor den Räubern geschützt.

Was auf den ersten Blick ein Vorteil zu sein scheint, könnte den Mammuts allerdings zum Verhängnis geworden sein: Das knappe Futter bereitete den Muttertieren Probleme mit der Milchproduktion, so die Vermutung der Forscher. Durch die Klimaerwärmung am Ende der letzten Eiszeit verwandelten sich die offenen Graslandschaften mehr und mehr in Wald, der den Mammuts keine ausreichende Nahrung mehr bot. So konnten die Mammutkühe nicht mehr genügend Milch für die lange Stilldauer produzieren. Dadurch waren die zotteligen Riesen nicht in der Lage, sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen – und starben aus. „Mammuts lebten Millionen von Jahren auf der Erde. Doch dann sind sie vor etwa 10.000 Jahren ausgestorben, als es auf der Erde wärmer wurde“, erklärt die Forscherin. „Wenn wir ihr Verhalten verstehen, können wir möglicherweise nicht nur erfahren, wieso sie ausgestorben sind, sondern auch wie die jetzigen Tiere auf die Erwärmung der Erde reagieren könnten.“

Jessica Metcalfe (University of Western Ontario im kanadischen London) et al.: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, Bd. 298, Vol. 3-4, S. 257, doi:10.1016/j.palaeo.2010.09.032 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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