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Erdbeben überfällig!

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Credit: Thinkstock
Die Frag ist nicht ob, sondern wann: Entlang der San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien sind schwere Erdbeben vorprogrammiert, denn hier schrammen zwei Erdplatten aneinander vorbei und bauen an bestimmten Punkten immer wieder kritische Spannung auf. An einigen dicht besiedelten Abschnitten in der Bucht von San Francisco ist es nun wieder soweit, berichten US-Forscher. Ihren Ergebnissen zufolge hat sich dort bedrohliches Potenzial für schwere Erdbeben aufgestaut.

Bei der San-Andreas-Verwerfung handelt es sich um eine sogenannte Transformstörung: Die Pazifische Platte schiebt sich hier horizontal an der Nordamerikanischen Platte vorbei.
Der markante Spalt teilt Kalifornien in zwei Hälften, wobei er sich im Norden des US-Bundesstaates in fünf größere Sektionen aufteilt, die eine Gesamtlänge von 2.010 Kilometern umfassen. An diesen Teilverwerfungen bewegt sich das Krustenmaterial aneinander vorbei. Das läuft allerdings nicht wie geschmiert: Es bauen sich Spannungen innerhalb des Gesteins auf, wenn sich die Platten in ihrer Bewegung verkanten. Wird die Grenze der Druckbelastung der Gesteine dann überschritten, entladen sich die aufgestauten Spannungen durch ruckartige Bewegungen der Erdkruste – es entsteht ein Erdbeben.

Ein Ballungszentrum auf wackeligem Boden

Kleinere Erdstöße sind in Kalifornien an der Tagesordnung, doch manchmal entladen sich leider auch große Mengen aufgestauter Energie. Im Jahr 1906 verursachte dies eine gewaltige Katastrophe: Ein Beben der Stärke 7,8 auf der Richterskala verwandelte die Metropole San Francisco in ein brennendes Trümmerfeld. Die Forscher des U.S. Geological Survey (USGS) und der San Francisco State University haben nun untersucht, welches Potenzial sich momentan wo im Großraum der Stadt aufgebaut hat. „Unser Fokus lag auf den dicht besiedelten Abschnitten der San-Andreas-Verwerfung – sie liegen direkt unter den Füßen von Millionen Bewohnern der Bucht von San Francisco“, sagt James Lienkaemper vom USGS.

Um das aufgestaute Potenzial zu erfassen, untersuchten die Forscher die Bewegungen in den Teilbereichen der Verwerfung anhand von GPS Daten. Viel Verschiebung bedeutet dabei: Hier läuft’s – es bauen sich keine bedrohlichen Spannungen in der Erdkruste auf. Wenig Bewegung oder Stillstand über längere Zeit heißt hingegen: Da hat es sich verhakt und der „Erdbeben-Bogen“ spannt sich. Aufzeichnungen über vergangene Erdstöße in den Teilabschnitten der Verwerfungen flossen ebenfalls in die Kalkulationen ein.

Bedrohlich still

Die Auswertungen der Forscher kamen zu dem Ergebnis: Einige Teilverwerfungen des San-Andreas-Systems haben genügend Spannung aufgebaut, um schwere Erdbeben auszulösen. An der Hayward-Störung schätzen die Forscher das Potenzial für ein zukünftiges Beben auf eine Stärke von 6,8 auf der Richterskala, bei Rodgers Creek 7,1, bei Green Valley ebenfalls 7,1 und die nördlichen Calaveras sind den Forschern zufolge ebenfalls ein Pulverfass. Die Bewegungsgeschwindigkeit kann an diesen Orten normalerweise bis zu 25 Millimeter im Jahr betragen. Doch in der letzten Zeit ging es dort nur weniger als einen Millimeter vorwärts – ein Zeichen dafür, dass es hier klemmt und sich Spannung aufstaut.

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„Die San-Andreas-Verwerfung und die beiden anderen großen Teilverwerfungen, die Hayward und Nord Calaveras sind seit Jahrzehnten ruhig. Diese Studie repräsentiert eine nachdrückliche Erinnerung daran, sich heute für die nächsten großen Erdbeben vorzubereiten“, sagt Lienkaemper. Zwar sind die großen Wolkenkratzer in Kalifornien heute weitgehend erdbebensicher gebaut, für viele andere Gebäude gilt dies allerdings nicht, kritisieren Experten.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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