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Astronomie+Physik

Exotische Welten

Inzwischen haben Astronomen etwa 170 Planeten entdeckt, die um ferne Sterne kreisen. Einige von ihnen sind so exotisch, dass sich ihre Entstehung nicht schlüssig erklären lässt.

Als 1995 der erste Planet bei einem sonnenähnlichen Stern aufgespürt wurde, war das eine Sensation. Inzwischen verlängert sich die Liste der Exoplaneten fast monatlich – rund 170 solcher Trabanten stehen bereits darauf, teilweise sogar mehrere, die zu einem einzigen Stern gehören. Die Astronomen interessieren sich sehr für deren Eigenschaften, die sich von denen unserer Nachbarplaneten teils erheblich unterscheiden. Und sie versuchen mit allen Mitteln, die Exoplaneten zu fotografieren. Einen ersten Schritt markiert dabei eine unscheinbar wirkende Aufnahme, die Mitte letzten Jahres mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) gelang. Sie hat für große Aufregung unter den Planetenjägern rund um den Globus gesorgt. Zu sehen ist der 450 Lichtjahre entfernte Stern GQ Lupi. In den Ausläufern seines hellen Scheins schimmert rechts ein schwacher Lichtpunkt – ein Planet, davon ist die Entdeckergruppe um Ralph Neuhäuser von der Sternwarte Jena fest überzeugt. Stimmt das, so wäre es die erste Aufnahme eines extrasolaren Planeten überhaupt.

Neuhäuser und seinen Kollegen gelang es auch, das Licht des unbekannten Begleiters in die Spektralfarben zu zerlegen. Das Spektrum zeigte eindeutig die Spuren von Kohlenmonoxid und Wasser, das sich in der Atmosphäre des Begleiters befinden muss. Kritiker wenden ein, dass der Begleiter wesentlich massereicher sei als Neuhäuser annimmt, und es sich daher um einen Braune Zwerg handeln müsse. Solche Himmelskörper sind zu schwer, um als Planet zu gelten, für einen Stern aber wiederum zu leicht.

Dieser Zwist der Astronomen spiegelt eine erhebliche Kenntnislücke wider: Nach wie vor sind die Vorgänge, die zur Entstehung eines Planeten führen, kaum bekannt. Neuhäuser stützt sich auf seinen Jenaer Kollegen Günther Wuchterl, der mit Hilfe von Computern die Entstehung von Planeten simuliert. Am Anfang sind Planeten sehr heiß und kühlen dann langsam aus. Kennt man das Alter eines mutmaßlichen Planeten und dessen Temperatur, so kann man seine Masse ermitteln. Das Alter von GQ Lupi ist mit ein bis zwei Millionen Jahren relativ gut bekannt. Die Temperatur von GQ Lupi b, wie der Begleiter genannt wird, konnten die Astronomen zu rund 2000 Grad Celsius bestimmen. Daraus ergibt sich, dass der Planet höchstens zweimal so schwer wie Jupiter ist.

Aber Wuchterls Modelle sind sehr neu und ließen sich bislang noch nicht an Himmelskörpern mit bekanntem Alter und Masse testen. Niemand weiß also, wie gut sie sind. Versuchsweise haben zwei Forschergruppen aus Lyon und Tucson die Messwerte des mutmaßlichen Planeten in ein bewährtes Modell eingegeben. Danach besitzt GQ Lupi b bis zu 40 Jupitermassen – und wäre somit kein Planet.

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„Solche Modelle berücksichtigen aber nicht die gesamte Entstehung eines Planeten“, wendet Neuhäuser ein. „Sie setzen erst ein, wenn der Himmelskörper mindestens zehn Millionen Jahre alt ist und dürfen deshalb auf unseren Fall gar nicht angewandt werden.“ Neuhäuser und seine Kollegen konnten den Spektren auch entnehmen, wie stark die Schwerkraft an der Oberfläche ist. Zusammen mit der gemessenen Helligkeit ergibt sich daraus, dass GQ Lupi b etwa den doppelten Durchmesser von Jupiter hat – was wiederum für einen Planeten spricht.

Doch damit taucht ein weiteres Problem auf. GQ Lupi b befindet sich 100 Astronomische Einheiten von seinem Zentralstern entfernt. Das entspricht dem Hundertfachen Abstand zwischen Erde und Sonne. „Wir wissen nicht, wie sich ein Planet so weit vom Stern entfernt innerhalb von so kurzer Zeit gebildet haben könnte“ , meint Willy Kley von der Universität Tübingen.

Im Allgemeinen sind die Staubscheiben, in denen sich die Planeten zusammenballen, in so großen Entfernungen viel zu dünn. Doch hierfür hat Neuhäuser gleich zwei plausible Erklärungen: Vielleicht ist der Planet weiter innen entstanden und bei einem Fast-Zusammenstoß mit einem anderen Planeten von dessen Schwerkraft nach außen geschleudert worden. Oder GQ Lupi b läuft auf einer stark elliptischen Bahn und ist derzeit zufällig sehr weit von seinem Zentralstern entfernt.

Die Astronomen rechnen damit, das weitere seltsame Entdeckungen folgen werden. Das VLT und die anderen Teleskope der ESO in den chilenischen Anden werden hierbei sicher eine große Rolle spielen. Die spektakuläre Aufnahme und die Spektren von GQ Lupi gelangen mit einem der vier 8,2-Meter-Teleskope, das mit einer einzigartigen Infrarotkamera bestückt war. Sie korrigiert die Luftunruhe automatisch während der Aufnahme. Erst mit einer solchen „adaptiven Optik“ erzielt ein Großteleskop seine theoretisch mögliche Auflösung und liefert wirklich gestochen scharfe Bilder. Auf herkömmlichen Himmelsaufnahmen verschwindet der Begleiter dagegen im Glanz von GQ Lupi.

Mit demselben Instrument schoss auch ein Team um Gael Chauvin von der ESO im letzten Jahr eine Aufsehen erregende Aufnahme. Sie zeigt einen Braunen Zwerg, 2M 1207 genannt, der in einer Entfernung von 8,25 Milliarden Kilometern (dem 55fachen des Abstands Sonne– Erde) einen lichtschwachen Begleiter hat. Der ist schätzungsweise fünf Jupiter-Massen schwer, 1250 Kelvin heiß und besitzt in seiner Atmosphäre ebenfalls Wasserdampf. Umkreist hier ein Planet einen Braunen Zwerg? Es sieht so aus – doch Neuhäuser hat berechnet, dass die beiden Körper wegen ihrer geringen Schwerkraft nur lose aneinander gebunden sind. „Ihre Bindungsenergie ist so klein, dass das System vermutlich gerade auseinander fliegt“, sagt er.

Gleichzeitig läuft an dem 3,6-Meter-Teleskop der ESO ein Planeten-Suchprogramm mit dem derzeit empfindlichsten Messinstrument seiner Art, genannt HARPS (High Accuracy Radial Velocity for Planetary Searches). Gebaut haben es die beiden Erstentdecker eines extrasolaren Planeten, Michel Mayor und Didier Queloz vom Observatorium Genf. HARPS arbeitet nach dem so genannten Doppler-Verfahren – der bislang mit Abstand erfolgreichsten Methode, um extrasolare Planeten aufzuspüren. Dabei wird die Pendelgeschwindigkeit des Zentral-sterns gemessen, die der umlaufende Planet mit seiner Schwerkraft verursacht. HARPS registriert diese Geschwindigkeit bis auf etwa vier Kilometer pro Stunde genau und kann somit auch noch relativ kleine Planeten finden. Der bisher leichteste bekannte Trabant ist mindestens siebenmal so schwer wie die Erde.

Über den Aufbau der extrasolaren Planeten wissen die Astronomen nichts Genaues. In den meisten Fällen handelt es sich sehr wahrscheinlich um reine Gasplaneten. Interessant ist der Fall HD 149026: Dessen 1,2-Saturnmassen schwerer Begleiter kommt zufällig bei jedem Umlauf vor dem Stern vorbei (Transit) und schwächt dessen Licht etwas ab. Diese Beobachtungsmethode führte bislang bei insgesamt acht Planeten zum Erfolg. Aus dem Grad der Abschwächung ließ sich die Größe und damit auch die Dichte des Planeten von HD 149026 ableiten. Sie liegt bei 1,4 Gramm pro Kubikzentimeter. Gängige Planetenmodelle sagen für einen solchen Körper einen 70 Erdmassen schweren Kern voraus, der von einer riesigen Atmosphäre umgeben ist.

Das zweite große Suchprogramm betreiben die bislang erfolgreichsten Planetenjäger Paul Butler von der Carnegie Institution in Washington und Geoffrey Marcy von der University of California in Berkeley. Ihr „California & Carnegie Planet Search“-Programm läuft an mehreren Orten, unter anderem am Keck-Observatorium auf Hawaii. Das Team fahndet ständig bei einer ausgewählten Gruppe von 1330 Sternen mit der Doppler-Methode nach unsichtbaren Trabanten. Rund zwei Drittel aller Entdeckungen gehen auf ihr Konto. Sie spürten auch das bisher größte System auf: vier Planeten, die den 41 Lichtjahre fernen Stern 55 Cancri umkreisen.

Manche Astronomen waren lange Zeit davon überzeugt, dass Mehrfach-Planetensysteme dem unseren ähneln würden. Das ist sicher nicht der Fall. Aber vielleicht sind die bisherigen Methoden nicht empfindlich genug, um leichte Trabanten wie die Erde aufzufinden. Allerdings unterstreicht auch eine statistische Analyse der bisherigen Daten die Fremdartigkeit der extrasolaren Systeme. So laufen sehr viele Planeten, die man bis in Entfernungen von etwa 900 Millionen Kilometern (dem Sechsfachen des Abstands von Erde und Sonne) kennt, auf stark elliptischen Bahnen, wobei die Exzentrizität (die Abweichung von der Kreisform) mit dem Abstand vom Stern zuzunehmen scheint. „Wir sind verwundert darüber, dass fast alle der massereichen Planeten auch sehr große Exzentrizitäten besitzen“, sagt Marcy. Nur die extrem sternnahen Planeten laufen bevorzugt auf Kreisbahnen – wahrscheinlich wegen der starken Gezeitenkräfte.

In unserem Planetensystem ist es genau umgekehrt: Hier hat der sonnennächste Planet Merkur die exzentrischste Bahn. Die sonnenfernen und massereichen Planeten Jupiter und Saturn besitzen hingegen nahezu kreisförmige Orbits.

Eine unerwartete Entdeckung machte Nuno Santos vom Observatorium Genf. Er bestimmte bei einer Vielzahl von Sternen den Gehalt von schweren Elementen – wie Eisen, Nickel, Silizium und Natrium – in deren Atmosphären. Das Ergebnis: Je mehr schwere Elemente ein Stern enthält, desto wahrscheinlicher hat er Planeten. Rund ein Viertel der Sterne, deren Gehalt an schweren Elementen doppelt so hoch ist wie bei der Sonne, besitzen ein Planetensystem. „Nur drei Prozent aller Sterne mit der solaren Häufigkeit an schweren Elementen haben einen Planeten“, schrieb Santos im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Science (siehe Grafik „Eisen sorgt für Trabanten“).

Dieses Ergebnis passt gut zu den heutigen Theorien der Planetenentstehung. Demnach ist ein junger Stern normalerweise von einer Scheibe aus Gas und Staub umgeben, in der sich das Material zu Planeten zusammenklumpen kann. Je mehr Eisen und andere Schwergewichte sich darin befinden, desto besser kann sich die Materie zu Staubteilchen verdichten. Diese lagern sich dann weiter zu Gesteinsbrocken und schließlich zu Planeten zusammen. Insofern bestätigt die Statistik dieses Modell der Planetenentstehung – und unser Sonnensystem wäre demnach durch einen unwahrscheinlichen Zufall entstanden.

Rätselhaft waren aber von Anfang an Systeme, in denen Riesenplaneten ihren Zentralstern auf ungeheuer engen Bahnen umkreisen. Nach den gängigen Modellen kann ein Riesenplanet von den Ausmaßen Jupiters nur in den kühlen Außenregionen einer protoplanetaren Scheibe entstehen. In der heißen Nähe des Sterns reichen weder die Zeit noch die Materiemenge dafür aus. Erst in mindestens vierfacher Erdentfernung vom Stern, jenseits der so genannten Schneegrenze, herrschen gute Bedingungen. Dort ist es so kalt, dass leichtflüchtige Gase zu Eis gefrieren. Diese Eisteilchen übernehmen die Funktion von Kondensationskeimen und beschleunigen entscheidend das Wachstum des Planeten. Warum aber gibt es dann so viele Riesenplaneten nahe am Stern?

Die meisten Theoretiker vermuten, dass die Körper tatsächlich außen entstehen, dann aber rasch an den Stern heranwandern. Die Ursache soll die Schwerkraft-Wechselwirkung des Planeten mit den Teilchen der Scheibe sein: Staubteilchen innerhalb der Planetenbahn rasen schneller um den Stern herum als der Planet. Sie ziehen ihn mit ihrer Schwerkraft mit und beschleunigen ihn – wodurch er weiter nach außen wandern müsste. Die Teilchen außerhalb der Planetenbahn bewegen sich langsamer als der Planet und bremsen ihn ab. Dadurch müsste der Körper nach innen wandern. Unter dem Strich heben sich diese beiden Effekte aber nicht genau auf, sondern es überwiegt die Bremsung. Die Folge: Der Planet bewegt sich auf einer Spiralbahn auf den Zentralstern zu.

Computersimulationen demonstrieren, wie ein jupiterähnlicher Planet, der sich ursprünglich in der fünffachen Entfernung Erde–S onne bildet, innerhalb von etwa 100 000 Jahren den Stern erreichen kann. Das ist ein kurzer Zeitraum im Vergleich zu der Entstehungszeit von etwa einer Million Jahren. Diese so genannte Migrations-Theorie erklärt, warum es extrasolare Planeten gibt, die eigentlich viel zu nahe an ihrem Stern sind – aber es fehlt die Bremse. Unklar bleibt, warum die Planeten letztlich nicht in den Stern hineinstürzen.

Wie so oft hat eine Beobachtung diese Theorie ins Wanken gebracht. Im letzten Jahr studierte Maciej Konacki vom Caltech in Pasadena das 150 Lichtjahre entfernte Sternsystem HD 188753. Der Hauptstern wird von einem jupitergroßen Planeten auf einer sehr engen Bahn innerhalb von nur 3,35 Tagen umkreist. In etwas größerer Entfernung bewegen sich um dieses Paar herum zwei weitere Sterne. Der Planet gehört also einem Dreigestirn an. Die beiden Begleiter müssen mit ihrer Schwerkraft die ehemalige Staubscheibe des Zentralsterns, aus dem der Planet entstanden ist, so stark gestört haben, dass sie sich nie bis zur Schneegrenze ausdehnen konnte. Darüber hinaus haben die beiden Sterne die Scheibe vermutlich stark aufgeheizt, was die Planetenentstehung ebenfalls behindert hat. „Es ist sehr rätselhaft, wie sich der Planet in einer solch komplexen Umgebung bilden konnte“, sagt Konacki.

Auch die Astrophysikerin Hannah Jang-Condell von der Carnegie Institution in Washington konnte mit einem Modell belegen, dass sich die Scheibe unter dem Einfluss der drei Sterne schon nach wenigen Zehntausend Jahren aufgelöst haben müsste – viel zu wenig Zeit für die Geburt eines Riesenplaneten. Wie aber kam der Planet dann dort hin?

Der Theoretiker Hubert Klahr vom Max-Planck-Institut für Astronomie sieht zurzeit vor allem eine Möglichkeit, das Rätsel zu lösen. „Die Sterne waren ursprünglich weiter voneinander entfernt als heute, so dass es für die Scheibe mehr Platz gab“, meint er. Vielleicht bestand das System anfänglich sogar aus vier Sternen, in deren Umgebung der Planet entstand. Solch ein Quartett kann nach einigen Millionen Jahren zerfallen oder beim zufälligen Vorbeiflug eines anderen Sterns auseinander gerissen werden. „Dadurch hat sich das ganze Mobile verändert, und das neue Dreiersystem ist enger zusammengerückt“, mutmaßt Klahr. Doch diese Hypothese erfordert einen großen Zufall. Deshalb sieht der Jenaer Astronom Günther Wuchterl die Stunde für neue, unkonventionelle Theorien gekommen.

Bislang gehen die Forscher davon aus, dass jede Staubscheibe, die einen sonnenähnlichen Stern anfangs umgibt, auch etwa so viel Materie enthält, wie man es von dem Urnebel unseres Sonnensystems annimmt. Wuchterls Modellen zufolge sollten auch Scheiben existieren, die so dicht sind, dass sich Riesenplaneten nahe am Stern bilden können. „Wir glauben, dass es eine breite Variation in den protoplanetaren Scheiben gibt“, meint Wuchterl. Doch auch in diesem Fall sollte die Planetenentstehung mehr als eine Million Jahre gedauert haben – fast hundertmal länger als Hannah Jang-Condell für die Lebenserwartung der Scheibe ermittelt hat.

Offenbar hat die Natur viel mehr Varianten parat, als es sich die Astronomen bislang ausgemalt haben. Diese vielen Rätsel und natürlich die Hoffnung, einen Planeten zu finden, auf dem erdähnliche Bedingungen herrschen könnten, spornen die Himmelsforscher in aller Welt an.

Um das hoch gesteckte Ziel zu erreichen, müssten sie die Taumelgeschwindigkeiten der Sterne noch zehnmal genauer messen als heute. Mit erdgebundenen Teleskopen ist das kaum möglich. Auch die Beobachtung von Transits wird vom Erdboden aus wohl nicht zum Erfolg führen, weil die Lichtabschwächung eines erdähnlichen Planeten bloß etwa ein Zehntausendstel beträgt. Weltraumteleskope bieten da eine Chance.

Der Himmelsspäher Corot beispielsweise wird mit einem kleinen 27-Zentimeter-Teleskop mehrere Jahre lang bei etwa 50 000 Sternen nach Helligkeitsvariationen suchen, die ein Zeichen für den Transit eines Planeten sind. Corot könnte auf diese Weise den ersten erdähnlichen Planeten entdecken – allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering. Besser sieht es für das amerikanische Pendant Kepler aus. Es wird mit einem 95-Zentimeter-Teleskop leistungsstärker sein als Corot und soll auch doppelt so viele Sterne observieren. „Kepler dürfte in der Lage sein, viele erdähnliche Planeten zu finden, einige davon sogar in der lebensfreundlichen Zone des Zentralsterns“, sagt Michael Gillon von der Universität Liege aufgrund einer umfangreichen Studie. Corot und Kepler sollen im Frühjahr 2006 beziehungsweise Sommer 2008 starten.

Für 2011 ist dann die technisch sehr anspruchsvolle amerikanische Space Interferometry Mission (SIM) geplant. Mit diesem Interferometer wollen Astronomen die Positionen von Sternen mit bislang unerreichter Genauigkeit vermessen. „SIM soll Planeten mit mindestens dreifacher Erdmasse finden, die zwischen 0,1 und 2 Astronomischen Einheiten entfernt um ihren Stern kreisen“, hofft Geoffrey Marcy, einer der leitenden Projektwissenschaftler. Sollte das Teleskop länger als die geplanten fünf Jahre im All bleiben, könnte es auch Planeten von der Größe der Erde finden.

Die Beobachtungsdaten von SIM sollen als Grundlage für das bislang ultimative Weltraumteleskop dieser Art dienen: den Terrestrial Planet Finder, der vermutlich mit dem europäischen Projekt Darwin verschmelzen wird. Dieses Observatorium wird in der Lage sein, die Größe und die chemische Zusammensetzung möglicher Atmosphären von erdähnlichen Planeten zu bestimmen. Für die Erfüllung dieses Traums müssen sich die Wissenschaftler aber bestimmt noch über ein Jahrzehnt lang gedulden. ■

THOMAS BÜHRKE, promovierter Physiker und Astronom, ist Wissenschaftsjournalist und regelmäßiger Autor von bild der wissenschaft.

Ohne Titel

1 9. Januar 1992 Drei Planeten bei einem Neutronenstern: PSR 1257+12

2 1. Oktober 1995 Erster Planet bei einem sonnenähnlichen Stern: 51 Pegasi

3 1. August 1996 Erster Planet bei einem Doppelstern: 55 Cancri

4 1. April 1999 Erstes Planetensystem bei einem Stern: n Andromedae

5 1. August 2000 Erster Transit vor einem Stern: HD 209458

6 2./25. August 2004 Heiße neptunähnliche Planeten mit mindestens 15 Erdmassen: 55 Cancri, µArae

7 30. März 2005 Erster Planet abgebildet: GQ Lupi

8 1. April 2005 Erster Planet eines Braunen Zwergsterns: 2M 1207

9 4. August 2005 Planet in einem Dreifachsternsystem: HD 188753A

10 25. Januar 2006 Bisher leichtester Planet (mindestens 5 Erdmassen) und erster mit einer Eisoberfläche: OGLE-2005-BLG-390Lb

Ohne Titel

• Alle bekannten Planeten bei anderen sonnenähnlichen Sternen sind Gasriesen.

• Diese extrasolaren Planetensysteme haben ganz andere Eigenschaften als das Sonnensystem.

• Die Migrationstheorie, mit der Astronomen die Existenz von Riesenplaneten nahe bei einem Stern erklären wollten, ist ins Wanken geraten.

• Mit dem Objekt GQ Lupi b haben deutsche Astronomen vielleicht erstmals einen Exoplaneten fotografiert.

Ohne Titel

Nach wie vor am wichtigsten ist die Doppler-Methode, um die unsichtbaren Sternbegleiter indirekt nachzuweisen. Stern und Planet ziehen sich gegenseitig mit ihrer Schwerkraft an und kreisen um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Dieser liegt innerhalb des Sterns, jedoch nicht genau im Zentrum. Während der Planet auf seiner Bahn läuft, „eiert“ der Stern um den Schwerpunkt herum. Von der Erde aus gesehen scheint das Gestirn am Himmel eine leichte Pendelbewegung auszuführen. Die Pendelperiode entspricht genau der Dauer eines Umlaufs, woraus sich der Abstand der beiden Körper zueinander errechnen lässt. Aus der Größe der Schwingung, die sich im Spektrum erkennen lässt, und dem Abstand ermitteln Astronomen die Mindestmasse des Begleiters. Die wirkliche Masse können sie erst errechnen, wenn sie auch die Neigung der Bahnebene gegen die Sichtlinie kennen. Bei GQ Lupi b funktioniert dieses Verfahren nicht, weil die Umlaufdauer von 1000 Jahren zu groß ist.

Die Transit-Methode hat bislang in acht Fällen zum Erfolg geführt. Bei diesen Planeten liegt die Umlaufbahn ziemlich genau auf der Sichtlinie, sodass der Begleiter einmal pro Umlauf vor dem Stern vorbeizieht. Dabei deckt er einen kleinen Teil der Sternscheibe ab, wodurch die Helligkeit des Sterns für eine bestimmte Zeitdauer abnimmt. Aus dem Grad der Lichtschwächung kann man die Größe des Planeten berechnen und auch dessen Masse, Größe und Dichte. Erst mit solchen Transitbeobachtungen konnte eindeutig geklärt werden, dass es sich bei den Begleitern um Planeten und nicht um Braune Zwerge handelt.

Ohne Titel

Braune Zwerge befinden sich in einem Übergangsbereich zwischen Sternen und Planeten. Besitzt ein Himmelskörper weniger als etwa 75 Jupitermassen, so steigen in seinem Inneren Temperatur und Druck nicht mehr weit genug an, damit die dauerhafte Kernverschmelzung von Wasserstoff in Helium einsetzen kann. Nur für kurze Zeit zündet eine Fusion von schwerem und überschwerem Wasserstoff (Deuterium und Tritium). Sobald sie wieder aufhört, kühlt das Objekt aus. Ein solcher Himmelskörper heißt Brauner Zwerg. Unterhalb von etwa 14 Jupitermassen ist auch das Deuterium-Tritium-Brennen nicht mehr möglich – in diesem Fall sprechen die Astronomen von einem Planeten.

COMMUNITY Lesen

Fulminantes Buch über Planetensysteme und ihre Entstehung sowie über die Frage nach Leben – mit 78 prächtigen Farbgemälden der Künstlerin Lynette Cook:

Ray Villard, Lynette R. Cook

Infinite Worlds

University of California Press Berkeley 2005, $39,95

bdw-Titelgeschichten über Exoplaneten und die Suche nach Leben im All:

bild der wissenschaft 5/2000 und 2/2002

EIN HIMMEL VOlLER PLANETEN

Artikel in Sterne und Weltraum 1/2006

Internet

Enzyklopädie der extrasolaren Planeten: vo.obspm.fr/exoplanetes/encyclo/ encycl.html

Observatorium Genf (Mayor & Queloz):

www.unige.ch/sciences/astro/fr/ Recherches

California & Carnegie Planet Search (Marcy & Butler):

exoplanets.org

Diskussion über GQ Lupi:

www.astro.uni-jena.de/GQ

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