Federvieh in Stein - wissenschaft.de
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Federvieh in Stein

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Der Pflanzen fressende Heterodontosaurier Tianyulong confuciusi trug vermutlich ein Haarkleid über Rücken und Schwanz, einer Vorstufe für ein Gefieder. Das 70 Zentimeter lange Tier lebte vor über hundert Millionen Jahren.
Das Fossil eines behaarten Dinosauriers aus China bringt die bisherigen Vorstellungen von der Entwicklungsgeschichte der Federn durcheinander: Der rund 70 Zentimeter lange, pflanzenfressende Dinosaurier besaß haarähnliche Fortsätze an Rücken und Schwanz, die chinesische Forscher als Vorstufe für Federn interpretieren. Das ist vor allem deswegen überraschend, weil die Heterodontosaurier, zu denen das kleine Tier gehörte, im Stammbaum der Dinos sehr weit von der Abstammungslinie entfernt liegen, die zu den heutigen Vögeln führt. Die Forscher um Hai-Lu You von der chinesischen Akademie der Geowissenschaften in Peking vermuten daher, dass schon der gemeinsame Vorfahr aller Dinosaurier vor über 200 Millionen Jahren die Anlagen für Federn gehabt haben könnte.

Die Forscher untersuchten ein Dinosaurierfossil aus der im Nordosten Chinas gelegenen Provinz Liaoning. Aus der geologischen Schicht, in die das Fossil eingebettet war, konnten sie bestimmen, dass der rund 70 Zentimeter lange Heterodontosaurier der Art Tianyulong confuciusi dort vor rund 99 bis 144 Millionen Jahre lebte. Sein Kopf war etwa sechs Zentimeter lang, der Schwanz maß rund 44 Zentimeter. Vermutlich war das Tier noch nicht ausgewachsen, berichten die Forscher. Überraschenderweise fanden sie in den Fossilabdrücken drei Bereiche, die auf haarartige Fortsätze der Haut hindeuten, die sich über Rücken bis zum Schwanz erstrecken. Die Haare waren bis zu sechs Zentimeter lang und innen hohl.

Dieser innere Hohlraum ist es, der die Forscher vermuten lässt, es handele sich um Vorstufen der Federn. Das Problem: Die Heterodontosaurier befinden sich gar nicht in der Abstammungslinie der sogenannten Saurischia, die beispielsweise zum Tyrannosaurus, dem Urvogel Archaeopterix und den heutigen Vögeln führt. Vielmehr liegen die Heterodentosaurier in der zweiten Stammbaumlinie, den sogenannten Ornithischia, zu denen der gehörnte Triceratops zählt und die laut bisheriger Funde eine schuppige Haut hatten. Dass nun doch ein Vertreter dieser zweiten Dinosaurierlinie mit den hohlen Haarfortsätzen Vorstufen von Federn zeigt, deutet darauf hin, dass schon ein gemeinsamer Vorfahre diese Anlagen besessen haben muss. Dinosaurier mit schuppiger Haut hätten dieser Interpretation zufolge im Laufe der Zeit Behaarung und Gefiederansätze wieder verloren.

Nicht alle Fachleute teilen diese Interpretation. Der Paläontologe Lawrence Witmer von der Universität von Ohio in Athens hält es für sehr schwierig, aus den versteinerten Spuren auf hohle Haare zu schließen. Außerdem sei es für die Entwicklung von Federn wichtig zu wissen, aus welcher Hautschicht die Haare entspringen. Dies könne aber ebenfalls nicht am Fossil abgelesen werden. Wenn sich die Ergebnisse jedoch durch weitere Funde erhärten, so könne es durchaus sein, dass der gemeinsame Vorfahre aller Dinos einen haarig-fedrigen Flaum um den Körper trug.

Hai-Lu You (Akademie der Geowissenschaften, Peking) et al.: Nature, Bd. 458, S. 333 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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