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Astronomie+Physik

Ferne Verwandtschaft

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Die Etosha-Pfanne auf der Erde und Ontario Lacus auf Titan im Vergleich. (c) JPL/NASA/ESA/LPGNantes
Der Umrisse des Sees Ontario Lacus auf dem Saturnmond Titan ähnelt grob einem Fußabdruck ? genau wie die Etosha-Pfanne, ein meist ausgetrockneter Salzsee im Norden Namibias. Die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Seen reichen weit über die äußere Form hinaus, berichten Forscher um Thomas Cornet in der Zeitschrift Icarus: Auch der mit Kohlenwasserstoffen gefüllte See auf Titan befindet sich in einem extrem flachen Becken, ist teilweise ausgetrocknet und mit einer Schicht aus festen Partikeln bedeckt, die beim Verdampfen des Methans und Ethans zurückbleibt.

Ontario Lacus, der größte See auf der Südhalbkugel Titans, wurde nach dem Ontario-See in Nordamerika benannt, weil beide etwa gleich groß sind. Sonst haben die beiden Namensvetter allerdings nicht viel gemein. Der wichtigste Unterschied: Ontario Lacus ist nicht mit Wasser, sondern mit den Kohlenwasserstoffen Methan, Ethan und Propan gefüllt. Auf Titan hat sich ein Kreislauf dieser Substanzen ausgebildet, der stark dem Wasserkreislauf auf der Erde ähnelt. Cornet und seine Kollegen analysierten nun Aufnahmen und Messdaten von Ontario Lacus, den die Raumsonde Cassini mit verschiedenen Instrumenten gemacht hatte.

Dabei entdeckten sie sowohl auf optischen Aufnahmen als auch auf Radarbildern am südlichen Rand des Titansees kleine Kanäle in der Oberfläche. Bislang hatten Planetenforscher vermutet, dass auch dieser Teil des Sees mit Flüssigkeit gefüllt ist. Doch Cornet und seine Kollegen gehen nun davon aus, dass der See nur etwa zur Hälfte gefüllt ist. ?In den Gebieten im Süden ist vermutlich der feste Seeboden zu sehen?, sagt Cornet. Rund um den See fanden die Forscher Ablagerungen, die einem Flutsaum ähneln. Das zeigt, dass der Flüssigkeitsstand früher einmal höher gewesen sein muss.

Wie die Forscher schreiben, ist die Etosha-Pfanne in Namibia das beste irdische Gegenstück zu Ontario Lacus. Der öde Salzsee ist meist ausgetrocknet, doch in feuchten Jahren steigt der Grundwasserspiegel und füllt das flache Becken der Etosha-Pfanne wenige Dezimeter hoch mit Wasser. Wenn die Flüssigkeit wieder verdunstet, bleibt eine helle Salzkruste zurück. Auch Ontario Lacus füllt sich nach Meinung der Forscher mit Flüssigket aus dem Boden. Da es sich nicht um Wasser, sondern um Kohlenwasserstoffe handelt, so genannte Alkanen, sprechen die Forscher nicht von einem Grundwasserleiter (in der Fachsprache Aquifer genannt), sondern von einem Alkanofer. Statt hellem Salz lagert sich auf dem ausgetrockneten Boden von Ontario Lacus allerdings ein dunkles Material ab, vermutlich organische Substanzen aus der Atmosphäre, die sich im See lösen können.

Thomas Cornet (Université de Nantes) et al.: Icarus, Bd. 218, Nr. 2, S. 788, doi: 10.1016/j.icarus.2012.01.013 wissenschaft.de – Ute Kehse
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