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Astronomie+Physik Erde+Klima

Fernwärmeheizung mit Zukunft

Die Meeresströmungen im Nordatlantik, die große Mengen Wärme aus den Tropen nach Nordwesteuropa transportieren, sind wohl stabiler als bislang befürchtet. Mit einem Versiegen der Tiefenwasserbildung in der Grönland- und der Labradorsee ist im nächsten Jahrhundert nicht zu rechnen, zeigen Modellrechnungen von zwei Forscherteams.

Insbesondere Norwegen, Irland und Südengland profitieren von der Wärme, die mit dem Golfstrom und seinen nördlichen Ausläufern aus den Tropen in hohe Breiten transportiert wird. Dort sinkt das salzreiche, kalte und schwere Wasser in die Tiefe und fließt langsam in einigen tausend Metern Tiefe wieder nach Süden.

Dieses Förderband wird von Dichteunterschieden im Meerwasser angetrieben. Klimamodelle zeigen, dass es im Zuge der globalen Erwärmung ins Stocken geraten kann, wenn das Wasser nicht mehr schwer genug ist, um in Grönland- und Labradorsee in die Tiefe zu sinken. Schmelzwasser von Gletschern oder zunehmende Niederschläge könnten das Wasser in den Nordmeeren verdünnen. Im vergangenen Jahr hatte ein Forscherteam um den Briten Harry Bryden aus relativ wenigen Messdaten den umstrittenen Schluss gezogen, dass das marine Förderband sich bereits verlangsamt hat: Zwischen 1950 und 2004 habe sich die Wassermenge, die in der Tiefe nach Süden strömt, um ein Drittel verringert, berichteten Bryden und Kollegen damals im Fachmagazin „Nature“.

Jetzt stellten die Forscher auf der Konferenz neue Daten vor. Im vergangenen Jahr hatten sie eine Reihe von Messgeräten im Atlantik auf dem 25. Breitengrad ausgesetzt. Die am Boden verankerten Sonden befinden sich südlich der Kanaren, in der Mitte des Atlantiks und östlich der Bahamas und bestimmen alle 15 Minunten Salzgehalt, Wassertemperatur und Strömungsgeschwindigkeit zwischen dem Meeresboden und der Oberfläche. So fanden die Forscher erstmals heraus, wie stark die Meeresströmungen im Jahresverlauf schwanken.

Wie Bryden berichtet, sind die monatlichen Schwankungen ungefähr genauso groß wie die Unterschiede zwischen den Messungen in verschiedenen Jahren. Der Schluss, dass das Förderband sich um ein Drittel abgeschwächt habe, lasse sich daher nicht halten. Inzwischen gehen die Forscher höchstens von einer zehnprozentigen Abschwächung aus.

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Klimamodelle zeigen derweil, dass es auch in Zukunft wahrscheinlich nicht zu einem katastrophalen Zusammenbruch des Golfstrom-Systems und damit zu einer Abkühlung in Europa kommen wird. Ein Team belgischer Forscher stellte fest, dass in Grönland vermutlich nicht genug Schmelzwasser entstehen wird, um das Förderband abreißen zu lassen. Johann Jungclaus und Kollegen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie berechneten, dass sich die Meereszirkulation im 21. Jahrhundert voraussichtlich um etwa ein Drittel abschwächen wird. Zu Beginn des 22. Jahrhunderts rechnen die Forscher mit einer Erholung des Systems.

Thierry Fichefet (Katholische Universität, Louvain) et al., Harry Bryden (National Oceanography Centre, Southampton) et al.: Beiträge auf der Rapid Climate Change Conference, Birmingham Ute Kehse
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