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Fledermaus im Blindflug

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Die Urfledermaus Onychonycteris konnte schon fliegen, aber nicht echoorten. Bild: Royal Ontario Museum
Paläontologen haben in Wyoming das 52 Millionen Jahre alte Skelett einer Urfledermaus entdeckt. Das Tier konnte schon fliegen, hatte aber noch kein Echoortungssystem wie moderne Arten. Damit ist die lang diskutierte Frage nach der Reihenfolge der Entwicklung von Flug und Ortungssystem bei Fledermäusen geklärt. Ein internationales Team von Paläontologen um Nancy Simmons vom Naturhistorischen Museum in New York nannte die neue Art „Onychonycteris finney“, was soviel wie „bekrallte Fledermaus“ bedeutet.

Onychonycteris war für eine Fledermaus mittelgroß, hatte vergleichsweise kurze Flügel und als Besonderheit Krallen an allen Flügelfingern. Simmons und ihre Kollegen glauben deshalb, dass das Tier sowohl fliegen als auch an Bäumen hochklettern konnte und sich, ähnlich wie ein Faultier, kopfüber an die Äste hängte. Der Flug war wahrscheinlich noch relativ primitiv und wirkte wohl wie ein Zwischending zwischen Schaukeln, Gleiten und Flattern. Dieser Flugstil stellt vermutlich ein Entwicklungsstadium zwischen reinem Gleitflug und kontinuierlichem Flügelschlagflug dar, vermuten die Wissenschaftler.

Untersuchungen des Schädels enthüllten die wichtigste Eigenart der neuen Spezies: Die Form und Ausprägung der Schädelbasis zeigt, dass die Hörschnecke von Onychonycteris kleiner war als die aller echoortenden Fledermausarten heute. Ihre Größe ähnelt der von Flughunden, fruchtfressenden Verwandten der Fledermäuse, die nicht über die Fähigkeit zur Echoortung verfügen. Damit steht eindeutig fest, dass die Tiere erst Fliegen und dann das Orten mit Hilfe des Echos lernten, erklären die Forscher. Aus dem Kiefer und Form und Beschaffenheit der Zähne schlossen die Wissenschaftler zudem, dass sich Onychonycteris von Insekten ernährt hat. Ohne die Hilfe der Echoortung mussten sie zur Jagd entweder auf ihre Augen, ihren Geruchsinn oder auf ihr passives Gehör vertrauen.

Unbekannt ist, ob die Fledermäuse der vergangenen Zeiten nacht-, tag- oder dämmerungsaktiv waren. Ohne die Sinne der heutigen Fledermäuse müssten nachtaktive Tiere vergrößerte Augen gehabt haben, um sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Nachprüfen konnten Forscher das allerdings nicht: Die Augenhöhlen der ausgestorbenen Art konnten nicht vermessen werden, weil die Schädel der zwei bis jetzt gefunden Exemplare während der Fossilisation zerdrückt wurden. Wahrscheinlich aber waren die Tiere dämmerungsaktiv und verlegten ihre aktiven Zeiten erst mit Entwicklung des Echoortungssystems in die Nacht, schreiben Simmons und ihr Team. Auf diese Weise könnten sie anderen fliegenden Räubern entgangen sein, die sich nach dem Aussterben der Dinosaurier entwickelten.

Nancy Simmons (Naturhistorisches Museum, New York) et al.: Nature, Band 451, S. 818 ddp/wissenschaft.de ? Livia Rasche
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