Forscher: Das Leben begann in einem See - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Forscher: Das Leben begann in einem See

Die ersten Tiere haben möglicherweise gar nicht in den Ozeanen der jungen Erde gelebt, sondern in Binnenseen. Darauf deutet eine Analyse von etwa 600 Millionen Jahre alten Tonmineralien aus der Doushantuo-Formation in Südchina hin. Die Art der Ablagerungen, in denen unter anderem die ältesten bekannten Embryonen gefunden wurden, lasse sich nicht mit den chemischen Gegebenheiten eines frühen Ozeans in Einklang bringen, lautet das Fazit der Studie. Stattdessen deuteten sie auf einen salzhaltigen, alkalischen See hin, der den frühen Tieren möglicherweise bessere Lebens- und Entwicklungsbedingungen geboten hat als der damals recht sauerstoffarme Ozean.

Die Tonmineralien, die die Forscher jetzt analysierten, stammen aus dem sogenannten Ediacarium ? einer Periode, die vor etwa 635 Millionen Jahren begann und vor ungefähr 542 Millionen Jahren endete. In dieser Zeit stieg die Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre deutlich an, während gleichzeitig die ersten mehrzelligen Lebewesen auftauchten. Geblieben sind von ihnen vor allem mikroskopisch kleine Fossilien, zu deren bekanntesten die in der Doushantuo-Formation entdeckten kugelartigen Zellhaufen gehören, die als die ältesten Tier-Embryonen der Welt gelten.

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich diese Fossilien auf dem Grund eines Ur-Meeres bildeten und die Tiere erst später das Land und damit auch Binnenseen eroberten. Doch die neue Analyse zeige nun, dass die Doushantuo-Formation vor allem das Silikat Saponit und daraus während der Verfestigung entstandene Produkte enthält. Solche Mineralien bilden sich erst ab einem pH-Wert von mehr als 9, also unter recht stark alkalischen Bedingungen, so die Forscher. Zudem scheint die hohe Konzentration dieser Silikate nur lokal zu finden zu sein ? in einem vergleichbaren Gebiet 200 bis 400 Kilometer weiter südlich konnten die Wissenschaftler keine entsprechende Gesteinszusammensetzung ausmachen.

Vorausgesetzt, die Mineralienentstehung im Ediacarium folgte den gleichen chemischen Gesetzen wie heute, können sich die Mineralien und damit die Lebewesen der Doushantuo-Formation nicht in einem Meer gebildet haben, folgern die Forscher daher, sondern wohl eher in einem salzigen, alkalischen See. Dazu passe, dass die frühen Ozeane vermutlich nicht gerade die besten Bedingungen für das Entstehen komplexer Lebensformen boten: Sie waren extrem salzhaltig und konnten daher weniger Sauerstoff lösen als die Meere späterer Erdzeitalter. Die Idee des Lebens aus dem See sei auch deswegen spannend, weil sich in den voneinander isolierten Gewässern möglicherweise völlig unterschiedliche Lebensformen parallel zueinander entwickelt haben könnten. Zuerst müssten die Ergebnisse jedoch erst durch Proben vergleichbarer Ablagerungen bestätigt werden, schreiben die Wissenschaftler.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel Thomas Bristow (University of California in Riverside) et. al: PNAS (doi: 10.1073/pnas.0901080106)
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

forst|kund|lich  〈Adj.〉 die Forstkunde betreffend, zu ihr gehörig, auf ihr beruhend

Kerr|ef|fekt  auch:  Kerr–Ef|fekt  〈m. 1; unz.; Phys.〉 Erscheinung, dass feste, flüssige od. gasförmige Stoffe doppelbrechend werden, wenn sie sich in einem elektr. Feld befinden ... mehr

Gien  〈n. 11; Mar.〉 Hebezeug [<engl. gin ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige