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Geografie prägt Sprachenklang

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Karte der geografischen Verteilung der Sprachen mit (schwarz) und ohne Ejektiv-Laute (Bild: Everett / PLoS ONE)
Lebensweise und Umwelt beeinflussen die Sprache – das ist bekannt. So haben beispielsweise verschiedene Sprachen unterschiedliche Abgrenzungen von Farben und andere Wörter für bestimmte Tiere, Pflanzen oder Körperteile. Jetzt aber zeigt sich: Die Geografie bestimmt auch, wie eine Sprache klingt. Das hat ein US-Forscher beim Vergleich von 567 Sprachen herausgefunden. Demnach nutzen fast alle Menschen, die in Gebirgsregionen und großer Höhe leben, sogenannte Ejektiv-Laute – Konsonanten, die mit einem speziellen Kehlkopf-Laut enden. Verbreitet sind diese Laute beispielsweise in vielen Indianersprachen des amerikanischen Westens, aber auch in den Anden, auf den Hochplateaus Ostafrikas und im Kaukasus. Warum sich diese speziellen Laute in der Höhe entwickelt haben, ist noch nicht klar. Es könnte aber daran liegen, dass die Erzeugung dieser Laute in dünner Luft einfacher ist und zudem Luft und Wasser spart, vermutet der Wissenschaftler.

Bei der großen Mehrheit der Sprachen entstehen die Laute, indem Luft aus der Lunge durch die Stimmbänder strömt und von Rachenraum, Zunge und Lippen manipuliert wird. In vielen afrikanischen und indianischen Sprachen aber existieren auch Klicks, Ejektive und andere sogenannte nichtpulmonale Laute. Bei den Ejektiven hebt sich der Kehlkopf und presst die Luft im Rachenraum zusammen. Diese wird dann plötzlich durch den Mund ausgestoßen, die Bewegung des Kehlkopfes dabei erzeugt eine Art Gluckslaut. Dabei wird weder ein- noch ausgeatmet.

„Bisher war unklar, was die Verteilung solcher Laute in den menschlichen Sprachen bestimmt, man hielt sie für eher zufällig „, erklärt Caleb Everett von der University of Miami in Coral Gables.
Er ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat dabei gezielt nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Geografie und dem Auftreten von Ejektiv-Lauten in Sprachen gesucht. Seine Vermutung: Es könnte sein, dass ein geringerer Luftdruck, wie er in höheren Lagen der Gebirge typisch ist, die Bildung solcher Ejektiv-Laute begünstigt. Denn dort wird weniger Kraft benötigt, um den Druckunterschied zwischen der Luft draußen und der Luft im Rachen zu erzeugen.

Acht Cluster – alle in Gebirgsregionen

Für seine Studie analysierte der Forscher 567 Sprachen und prüfte, in welchem Gebiet und vor allem auf welcher Höhe die Menschen leben, die sie sprechen. Dabei stieß er auf einen auffallenden Zusammenhang: Weltweit konzentrieren sich die Sprachfamilien mit Ejektiven in acht Gebieten – und sie alle liegen in Regionen mit hohen Gebirgen oder Hochplateaus. Zwei der größten Cluster, bestehend aus indianischen Sprachfamilien, liegen in den Rocky Mountains und den angrenzenden Gebirgszügen. Ein dritter liegt auf dem Plateau von Colorado, ein vierter im mexikanischen Hochland. Drei weitere Cluster umfassen afrikanische Sprachen, sie konzentrieren sich im Hochland Südafrikas und in den Bergregionen entlang des ostafrikanischen Grabens. In Eurasien gibt es Ejektive in einigen Sprachen des Kaukasus, darunter auch im Georgischen.

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„Am erstaunlichsten ist die klare Übereinstimmung von Sprache und Lagen von mehr als 1.500 Metern Höhe auf dem afrikanischen Kontinent“, erklärt Everett. Denn dort machen solche Höhenlagen nur einen sehr kleinen Teil der Landmasse aus – und die Gebirge bilden zudem keine zusammenhängenden Höhenrücken, sondern sind eher Inseln im Flachland. Gerade in Afrika werde aber auch besonders deutlich, dass dieser Zusammenhang über einzelne Sprachfamilien hinausgehe, so der Forscher: Die in den drei dortigen Ejektiv-Clustern gesprochenen Sprachen gehören jeweils ganz verschiedenen Familien an. Das zeige, dass es die Höhe sein müsse, die die Entwicklung solcher Laute in einer Sprache fördere – und das weltweit. Einzige Ausnahme ist die Himalaya-Region: Keine der dortigen Sprachen nutzt Ejektive – warum ist unklar.

Ejekta-Laute sparen Luft und Wasser

Warum Menschen in großer Höhe eher Ejektiv-Laute nutzen, ist noch unklar. Everett nennt aber gleich zwei mögliche Gründe: Zum einen ist die Erzeugung dieser Laute in dünner Luft leichter. Denn um die Luft so zusammenzupressen, dass die typische Kehlkopfbewegung erfolgt, benötigt man dort weniger Kraft, wie der Forscher erklärt. Es gebe aber auch noch einen zweiten Vorteil: Da die Luft für diese Laute nicht direkt aus der Lunge kommt und der Kehlkopf geschlossen ist, verliert ein Mensch dabei weniger Luft und Wasserdampf als bei einem normalen, mit dem Ausatmen verbundenen Laut. „Allein durch die Atmung verliert ein Mensch immerhin 300 bis 400 Milliliter Wasser pro Tag“, sagt Everett. In der trockenen Höhenluft sei die Gefahr einer Austrocknung des Körpers besonders hoch, da könne es sich daher lohnen, Wasserverluste auch über die Sprache zu minimieren.

Noch muss die genaue Triebkraft für die Entstehung solcher Ejektiv-Laute näher untersucht werden. „Aber die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass ökologische Faktoren die Struktur von Sprachen auf bisher nicht erkannte Weise geformt haben könnten“, sagt Everett. Der Beweis dafür sei der klare Zusammenhang zwischen Geografie und Sprache, der jetzt zutage trete.

Caleb Everett (University of Miami, Coral Gables), PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0065275 © wissenschaft.de – ===Nadja Podbregar
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