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Astronomie|Physik Erde|Umwelt

Gezielte Schnabel-Hiebe

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Illustration der Jagdtaktik des Terrorvogels Andalgalornis, der seinen Schnabel in einem schnellen, gezielten Stoß in seine Beute hackte und den Kopf anschließend rasch zurückschnellen ließ. Illustration: Marcos Cenizo, zur Verfügung gestellt vom Museo de La Plata
Die einst in Südamerika heimischen fleischfressenden Terrorvögel machten ihrem Namen offenbar alle Ehre: Sie verbreiteten nicht nur durch ihre Größe und ihre furchterregenden Schnäbel Schrecken, sondern auch durch ausgefeilte Jagdtaktiken. So nutzte ein knapp 1,50 Meter großer und 40 Kilogramm schwerer Vertreter namens Andalgalornis wohl eine Technik, wie sie auch gute Boxer einsetzen: Rasche gezielte Hiebe mit dem Schnabel, gefolgt von sehr schnellem Zurückziehen des Kopfes machten auch größeren Beutetieren schnell den Garaus. Entdeckt hat das ein internationales Forscherteam bei der Analyse eines etwa sechs Millionen Jahre alten Andalgalornis-Schädels aus dem heutigen Argentinien. Eine Simulation der Kräfte, die beim Zubeißen auf die Knochen einwirkten, zeigte zudem: Es war für den Terrorvogel keine gute Idee, seine Beute zu packen und hin und her zu schütteln ? denn dabei bestand akute Schädelbruchgefahr.

Die flugunfähigen Raubvögel mit dem prägnanten Namen tauchten vor etwa 60 Millionen Jahren erstmals in Südamerika auf. Während ihrer Herrschaft entwickelten sich mindestens 20 verschiedene Arten, deren Größe zwischen 90 Zentimetern und stolzen drei Metern lag. Die letzten Exemplare verschwanden vor anderthalb bis zwei Millionen Jahren von der Erde ? warum, ist bislang nicht geklärt. Allen Terrorvögeln gemeinsam waren ein im Verhältnis zu ihrem Körper ungewöhnlich großer, meist hakenförmig gebogener Schnabel und kräftige Beine mit starken Muskeln. Mit letzteren haben sie vermutlich Beutetiere zur Strecke gebracht ? schon wenige Tritte dürften dabei ausgereicht haben. Welche Rolle dagegen der Schnabel bei der Jagd spielte, dazu gab es bislang nur wenige Informationen.

Aus diesem Grund nahmen sich Degrange und seine Kollegen jetzt den relativ gut erhaltenen Andalgalornis-Schädel vor, analysierten ihn in einem Computertomographen und entwickelten auf Basis dieser Daten schließlich ein Modell der Knochen im Computer. Resultat: Der Terrorvogel besaß für einen Vogel offenbar einen ungewöhnlich starren Schädel. Die einzelnen Knochenteile, bei den meisten heute lebenden Vögeln mit flexiblem stoßdämpferartigem Gewebe verbunden, waren bei ihm durch feste knochige Strukturen verknüpft. Das hatte zwar den Vorteil, dass die Kraft der Halsmuskeln direkt über den Schädel auf den Schnabel übertragen wurde, hatte aber gleichzeitig den Nachteil, dass seitliche Belastungen des Schnabels oder des Schädels nicht abgefangen werden konnten.

Andalgalornis musste in einem Kampf daher möglichst vermeiden, einen Gegner oder auch ein Beutetier zu packen und hin und her zu schütteln, da seine Schädelstruktur eine solche Belastung wohl nicht ausgehalten hätte. Die schnelle Bewegung nach vorne und das rasche Zurückschnellen waren dagegen kein Problem. Der Terrorvogel setzte daher vermutlich die elegante Technik des gezielten Zustoßens und schnellen Zurückziehens ein, wenn er größere Beute erlegen wollte. Alternativ könnte er sich mit kleineren Beutetieren begnügt haben, die sich einfacher packen und verschlingen ließen. Was die Kraft des Schnabels beim Zubeißen anging, sind die Forscher auf grobe Schätzungen angewiesen, da es heute keine vergleichbaren Tiere mehr gibt. Vermutlich lag sie irgendwo oberhalb von 133 Newton, schreiben die Wissenschaftler. Damit war sie zwar geringer als die vergleichbar großer heute lebender Säugetiere, jedoch deutlich größer als die aktueller Raubvögel wie etwa des südamerikanischen Blaubussards ? der lediglich auf 50 Newton kommt, wenn auch bei deutlich geringerer Körpergröße.

Federico Degrange (Nationaluniversität La Plata, Argentinien) et al.: PLoS ONE, Bd. 5, Nr. 8, Artikel e11856 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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