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Astronomie+Physik Erde+Klima

Höhlen-Graffiti erzählen Klimageschichte

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In schrift in der Credit L. Tan
„Im 7. Jahr des Kaisers Jiajing der Ming-Dynastie kam es zu einer Dürre…“, heißt es in einer Inschrift aus dem Jahr 1528. Es handelt sich um eine von mehreren historischen „Graffiti“, die Forscher in der Dayu Höhle in Zentralchina entdeckt haben. In Kombination mit Analysedaten von Tropfsteinen der Höhle zeichnen diese Angaben ein faszinierendes Bild der Klimageschehnisse, die Chinas Geschichte prägten. Diese Rückschau warnt wiederum auch vor zukünftigen Entwicklungen im Rahmen des Klimawandels, sagen die Forscher.

Sebastian Breitenbach von der University Cambridge und seinen Kollegen zufolge beschreiben die Inschriften an den Wänden der Dayu Höhle im Qinling-Gebirge Zentralchinas die Auswirkungen von sieben Dürren, die das Reich der Mitte zwischen 1520 und 1920 heimgesucht haben. Das Klima wird hier maßgeblich durch den Sommermonsun geprägt: Während ein paar Monaten fallen 70 Prozent des jährlichen Niederschlags. Kommt dieses Wetterereignis zu spät oder zu früh beziehungsweise ist es zu kurz oder zu lang, kommt es zu schweren Folgen für die Ökosysteme und den Menschen.

Klimaereignisse prägten die Geschichte

Wie aus den Inschriften hervorgeht, kamen die Menschen in Dürrezeiten in die Dayu Höhle, um Wasser zu holen und zu beten. Dabei vertrauten sie ihre unglückliche Lage den Wänden an. In einer Inschrift aus dem Jahr 1891 heißt es: „Am 24. Mai, dem 17. Jahr des Regierungsperiode des Kaisers Guangxuvon der Qing-Dynastie, führte der örtliche Bürgermeister Huaizong Zhu mehr als 200 Menschen in die Höhle, um Wasser zu holen. Eine Wahrsagerin namens Zhenrong betete während der Zeremonie für Regen“. Den Forschern zufolge führten die Dürren der 1890er Jahre zu starken Hungersnöten und verursachten Unruhen, die schließlich im Jahr 1900 in einem heftigen Konflikt zwischen Regierung und Zivilpersonen gipfelte. Die Dürre im Jahr 1528 hatte ebenfalls zu Hungersnöten und Ausschreitungen geführt, berichten die Wissenschaftler. Es gibt sogar Berichte von Kannibalismus.

„Neben ihren direkten Auswirkungen sind Dürren auch mit dem Untergang von Kulturen in Verbindung gebracht worden – wenn die Menschen nicht genug Wasser haben, ist Elend unvermeidlich und Konflikt“, sagt Breitenbach. „In den letzten zehn Jahren haben Forschungsarbeiten mögliche Zusammenhänge zwischen Klimaereignissen und dem Niedergang verschiedener chinesischer Herrscher-Dynastien während der letzten 1.800 Jahre aufgezeigt. Beispielsweise waren die Tang, Yuan und Ming-Dynastie betroffen“, erklärt Breitenbach.

Historische und Geologische Daten kombiniert

Um die Inschriften mit geochemischen Daten verbinden zu können, untersuchten die Forscher Tropfsteine der Höhle: Wie Baumringe bilden sie Schichten aus, in denen sich ihr jährliches Wachstum widerspiegelt. Breitenbach und seine Kollegen datierten diese Schichten und untersuchten in ihnen die Verhältnisse der stabilen Isotope von Sauerstoff, Kohlenstoff, sowie Konzentrationen von Uran und anderen Elementen. Veränderungen des Klimas, der Feuchtigkeitsverhältnisse und der umliegenden Vegetation beeinflussen die Konzentration dieser Stoffe, da ständig Wasser in die Höhle sickert, erklären die Forscher. Sie fanden heraus, dass sich besonders in den Veränderungen der Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopenverhältnisse geringere Niederschlagsmengen widerspiegeln. „Diese Ergebnisse boten in Kombination mit den datierten Inschriften eine Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen Klima, geochemischen Daten und der Wirkung von Dürren aufzuzeigen“, sagt Co-Autor Tan Liangcheng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Xi’an.

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Die Forscher nutzten ihre Daten auch, um ein Modell der Klimageschehnisse in der Region zu entwickeln. Die Berechnungen legen nahe, dass die Dürren mit der El-Niño-Southern Oscillation im Pazifik verknüpft sind. Man geht davon aus, dass der Klimawandel  dieses Phänomen in Zukunft verstärken wird. Dementsprechend könnte auch das Dürrerisiko in Zentralchina ansteigen, warnen die Forscher.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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