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Astronomie+Physik

„Irdisches Marsleben“ experimentell entdeckt

Dieser Rover ist nicht auf der Marsoberfläche unterwegs, sondern in der Atacama-Wüste. (Bild: Prof Stephen B. Pointing)

Prinzipiell klappt der Nachweis: Ein NASA-Rover hat in der marsähnlichen Atacama-Wüste in Chile erfolgreich Mikroben im Untergrund aufgestöbert, die den dortigen Extrembedingungen trotzen können. Es handelt sich damit um einen erfolgreichen Testlauf für die Suche nach Leben im Marsboden, denn theoretisch könnten auch dort ähnliche Organismen existieren.

Scheinbar unbelebt, extrem trocken, salzig und der prallen Sonnenstrahlung ausgesetzt: Die Atacama-Wüste ähnelt in interessanter Weise der Marsoberfläche. Doch wie aus früheren Studien bekannt ist, gibt es im Boden des irdischen Extremstandorts durchaus Leben: Skurrile Mikroorganismen können dort lange schlummern, bis ihnen ein wenig Feuchtigkeit Stoffwechsel-Aktivität ermöglicht. Diese Befunde drängten geradezu die Frage auf: Wenn die marsähnliche Atacama-Wüste Leben ermöglicht, könnte es dann nicht auch Organismen im Untergrund unseres Nachbarplaneten geben?

Atacama-Mikroben als Stellvertreter von Mars-Mikroben

Diese Frage sollen zukünftige Marsmissionen klären. Ab 2020 wollen die NASA und die Europäische Weltraumorganisation ESA Erkundungs-Rover zur Marsoberfläche bringen. Sie sollen dort gezielt nach Hinweisen auf gegenwärtiges oder einstiges Leben suchen. Dazu werden sie Bohrungen durchführen, um zu Schichten zu gelangen, die möglicherweise mikrobiellen Lebensformen eine Zuflucht bieten. Die entsprechenden Techniken und Verfahren müssen allerdings natürlich zunächst auf der Erde getestet werden – am besten unter Bedingungen, die denen auf dem Mars am nächsten kommen. Deshalb haben die Entwickler nun einen Test-Rover in der Atacama losgelassen. Die Frage war dabei: Kann das Roboter-Gefährt dort durch Bohrungen bis zu einer Tiefe von 80 Zentimetern Atacama-Mikroben aufstöbern?

Wie die Forscher berichten, waren die Tests erfolgreich: Durch genetische Nachweisverfahren konnten sie in den gewonnenen Bodenproben die Überlebenskünstler der Atacama-Wüste nachweisen. „Wir haben Mikroben gefunden, die an eine hohe Salzkonzentration angepasst sind, ähnlich wie sie auf der Marsoberfläche im Untergrund zu erwarten ist“, berichtet Stephen Pointing vom Yale-NUS College in Singapore. „Diese Mikroben unterscheiden sich sehr von den bisher bekannten Formen, die auf anderen Wüstenoberflächen vorkommen. Wir haben somit gezeigt, dass ein Roboter-Rover in der marsähnlichsten Wüste der Erde unterirdische Bodenproben mit interessantem Gehalt liefern kann“, resümiert der Mikrobiologe.

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Das Leben bildet Flecken

Wie er und seine Kollegen berichten, wurde im Rahmen der Tests auch deutlich, dass Bohrungen an verschiedenen Stellen wichtig sind. Denn das Leben ist in dem harschen Lebensraum sehr uneinheitlich verteilt – es gibt gleichsam Oasen. Wie die Forscher erklären, hängt dies mit der begrenzten Verfügbarkeit von Wasser, dem knappen Nährstoffangebot und der Geochemie des Bodens zusammen. „Die Ergebnisse bestätigen eine grundlegende ökologische Regel, wonach mikrobielles Leben in den extremsten Lebensräumen der Erde nicht gleichmäßig verteilt vorkommt. Das legt nahe, dass auch das potenzielle Leben auf anderen Planeten Fleckenstrukturen aufweisen könnte“, sagt Co-Autorin Nathalie Cabrol vom SETI Institut in Mountain View. Ihre Kollegin Kim Warren-Rhodes führt weiter aus: „Dies macht die Erkennung zwar schwieriger, aber unsere Erkenntnisse bieten mögliche Wegweiser für die Erkundung des Marslebens und zeigen, dass es möglich ist, das Leben mit intelligenten Robotersuch- und Probenahmestrategien zu erkennen.“

Wie die Forscher berichten, werden die Rover-Tests in der Atacama nun weitergehen. Vor allem soll nun tiefer gebohrt werden, denn bei den zukünftigen Marsmissionen sind Tiefen von zwei Metern geplant. Die weiteren Experimente sollen in diesem Zusammenhang zeigen, wie weit im Untergrund sich die Atacama-Mikroben nachweisen lassen und mit welchen technischen Herausforderungen zu rechnen ist.

Frontiers, Frontiers in Microbiology, doi: 10.3389/fmicb.2019.00069

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