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Astronomie+Physik

Jupiter und Saturn im Kleinformat

Ein internationales Astronomenteam hat 5.000 Lichtjahre von der Erde entfernt einen Stern mit zwei Planeten entdeckt, die verkleinerte Ausgaben von Jupiter und Saturn sein könnten: Wie bei den beiden Gasriesen im Sonnensystem besitzt auch in dem fernen Planetensystem der größere der beiden Planeten etwa dreimal so viel Masse wie der kleinere. Zudem umkreist er seinen Stern in einer Entfernung, die ungefähr halb so groß ist wie der Abstand zwischen Stern und dem kleineren, weiter entfernten Planeten ? das gleiche Verhältnis, das auch für die Umlaufbahnen von Jupiter und Saturn gilt. Insgesamt, so die Forscher, ähnelt das System dem Sonnensystem mehr als alle anderen bisher entdeckten Planetensysteme.

Der Stern selbst, getauft auf den sperrigen Namen OGLE-2006-BLG109L, besitzt etwa halb so viel Masse wie die Sonne, ist jedoch sehr viel kühler und dunkler. Trotzdem scheinen die Temperaturen auf den beiden Gasplaneten ähnlich zu sein wie die auf Jupiter und Saturn, da sie den Stern in einer geringeren Entfernung umkreisen. Der größere, OGLE-2006-BLG109Lb genannt, ist 2,3 Astronomische Einheiten (AU) und damit 2,3-mal so weit von seinem Mutterstern entfernt wie die Erde von der Sonne. Er benötigt für einen Umlauf etwa fünf Jahre und besitzt circa 70 Prozent der Masse des Jupiters. Der kleinere namens OGLE-2006-BLG109Lc ist 4,6 AU entfernt und umkreist den Stern in 14 Jahren einmal. Er besitzt etwa 27 Prozent der Masse des Jupiters oder 90 Prozent der Saturnmasse. Zum Vergleich: Jupiter und Saturn umkreisen die Sonne in einem Abstand von 5,2 und 9,5 AU.

Entdeckt wurden der Stern und seine Begleiter mit Hilfe von elf großen Teleskopen und einem Phänomen namens Mikrolinseneffekt. Dazu nutzen Astronomen die Tatsache aus, dass sich das Licht eines weit entfernten Sterns kurzfristig verstärkt, wenn sich ein Objekt mit einer eigenen Gravitation zwischen ihn und die Erde schiebt. Im aktuellen Fall verstärkte OGLE-2006-BLG109L Ende März 2006 etwa zwei Wochen lang das Licht eines beobachteten Sterns um ungefähr das 500-Fache. Dieser starke Effekt erlaubte es, während der Beobachtungsphase zuerst den Einfluss des kleineren der beiden Planeten auf das Lichtsignal zu registrieren und anschließend, nur einen Tag später, auch den des größeren.

Die Entdeckung der vergleichsweise kleinen Exoplaneten sei nur dank der großen Empfindlichkeit der Mikrolinsentechnik möglich gewesen, erklären die Forscher. Sie könne sogar Planeten identifizieren, die lediglich so groß wie der Mars oder die Venus seien. Ob es rund um OGLE-2006-BLG109L noch derartig kleine Planeten gibt, können die Forscher anhand der vorliegenden Daten allerdings nicht sagen. Sie halten es jedoch für wahrscheinlich. Außerdem spreche der doppelte Erfolg während einer einzigen Beobachtungsperiode dafür, dass Mehrfachplanetensysteme wie das jetzt entdeckte häufiger vorkommen als vermutet. Unter den mehr als 250 bislang bekannten Exoplaneten sind nur 25 dieser Systeme.

Scott Gaudi (Ohio State University, Columbus) et al.: Science, Band 319, S. 927 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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