Kein Drehwurm im All - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik

Kein Drehwurm im All

Raumschiffe, die sich wie ein Karussell um die eigene Achse drehen, könnten eine Menge Probleme lösen: So würde zum Beispiel eine künstliche Schwerkraft herrschen, was den Astronauten das Leben erheblich erleichtern könnte. Allerdings zerrt auf rotierenden Körpern eine weitere Kraft an allem, was sich bewegt: die Coriolis-Kraft. Glücklicherweise kann das Gehirn die Wirkungen dieser Kraft gut kompensieren, fanden James Lackner und Paul DiZio von der amerikanischen Brandeis-Universität heraus.

Die Coriolis-Kraft lässt sich am besten auf einem Spielplatz-Karussell ausprobieren: Versuche, einen Ball von einer Seite einer sich drehenden Scheibe zur anderen zu rollen, scheitern zwangsläufig, da der Ball durch die Drehung der Scheibe vom geraden Weg abgelenkt wird. Auch auf der Erde, die sich ja ebenfalls um ihre eigene Achse dreht, wirkt die Coriolis-Kraft. Sichtbar wird das zum Beispiel an der wirbelförmigen Struktur von Tiefdruckgebieten, die auf Nord- und Südhalbkugel entgegengesetzt verlaufen.

Im Weltraum, so befürchteten Raumfahrt-Ingenieure seit langem, könnte die Coriolis-Kraft fatale Folgen haben: So könnte ein Astronaut in einem rotierenden Raumschiff aus Versehen den falschen Knopf drücken, weil die Coriolis-Kraft seinen Arm ein kleines Stück zur Seite zerrt. Diese Befürchtungen sind aber unbegründet, wiesen Lackner und DiZio jetzt mit Experimenten nach: Schon nach 15 bis 20 Versuchen hat sich das Gehirn auf die Ablenkung eingestellt und der Effekt wird kompensiert. Die Versuchspersonen fühlen die Kraft nicht einmal mehr.

In früheren Experimenten während der 60er Jahren waren Forscher zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen sich nur schwer auf die Coriolis-Kraft einstellen können. Lackner und DiZio untersuchten aber jetzt erstmals die Auswirkung auf zielgerichtete Bewegungen. Dabei funktionierte die Anpassung bis zu Drehzahlen von 25 Umdrehungen pro Minute überraschend gut.

Die Forscher vermuten, dass das Gehirn auch im täglichen Leben häufig mit Coriolis-Kräften zu tun hat, etwa, wenn man sich gleichzeitig umdreht und nach etwas greift, oder wenn man sich auf einem Bürostuhl dreht. Sie arbeiten jetzt an einem Trainigsprogramm, mit dem sich Astronauten auf den Wechsel in eine rotierende Umgebung und wieder zurück vorbereiten können.

Anzeige

Ute Kehse
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Quart  I 〈n.; –s, –〉 1 altes deutsches Flüssigkeitsmaß 0,24–1,1 l 2 engl. Flüssigkeitsmaß, Quarter ... mehr

Zy|to|plas|ma  〈n.; –s, –plas|men; Biol.〉 das in der Zelle enthaltene Plasma ohne den Zellkern; Sy Zellplasma ... mehr

Evol|ven|te  〈[evlvnt] f. 19; Math.〉 Kurve, die entsteht, wenn man einen gespannten Faden mit einem Ende im Berührungspunkt P befestigt, auf eine Evolute aufwickelt u. mit dem 2. Endpunkt des Fadens eine Kurve zeichnet [<lat. (linea) evolvens ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige