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Astronomie+Physik

Kleine Galaxie umkreist die Milchstraße falsch herum

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Die Bahn von Complex H (rot) streift die äußere Wasserstoffatmosphäre der Milchstraße. Dadurch wird die äußere Schicht von Complex H abgestreift. Die Bahn unserer Sonne (gelb) liegt im äußeren Bereich des sichtbaren Teils der Milchstraße. (Bildquelle: Lockman, Smiley, Saxton; NRAO)
Die kleine Galaxie „Complex H“ umkreist die Milchstraße entgegen deren Drehrichtung in einer Bahn, die um 45 Grad zur Milchstraßenscheibe geneigt ist. Ein kometenschweifartiger Schwanz dieser Galaxie deutet darauf hin, dass die Milchstraße damit begonnen hat, ihren kleinen Nachbarn zu verspeisen. Jay Lockman vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in Green Banks, West Virginia, wird seine Entdeckung in den Astrophysical Journal Letters vorstellen (Ausgabe vom 1. Juli).

Große Galaxien wie die Milchstraße entstehen aus kleineren Galaxien, Sternhaufen und massiven Wasserstoffwolken. Butler Burton vom NRAO hält die Bahnbewegung von Complex H deshalb nicht für ungewöhnlich: „Die Magellanschen Wolken werden beispielsweise von der Milchstraße auseinandergerissen und es gibt Sternhaufen, die die Milchstraße falsch herum umkreisen. Es gibt Hinweise darauf, dass während der Entstehungsphase der Milchstraße vieles chaotisch zuging. Complex H ist offenbar aus dieser Epoche übriggeblieben.“

Den neuen Beobachtungen zufolge enthält Complex H etwa sechs Millionen Sonnenmassen an Wasserstoff und hat einen Durchmesser von 33.000 Lichtjahren. Die Galaxie ist 108.000 Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt. Zum Vergleich: Die Milchstraße hat eine Masse von etwa einer Billion Sonnenmassen und ihr sichtbarer Teil einen Radius von 50.000 Lichtjahren.

Mit dem Green-Bank-Radioteleskop konnte Lockman in Complex H einen dichten Kern ausmachen, der einen diffusen Schwanz hinter sich her zieht. „Die neuen Daten deuten darauf hin, dass die äußeren Schichten von Complex H aufgrund des Zusammentreffens mit der Milchstraße weggestreift werden“, sagt Lockman.

Bisher hielt man Complex H für eine Hochgeschwindigkeitswolke. Das ist eine Gaswolke, die mit hoher Geschwindigkeit in die Milchstraße fällt. „Weil ihre Bewegung in keinem Bezug zur Rotation der Milchstraßenebene stand, haben Astronomen sie mit anderen Hochgeschwindigkeitswolken mit ungewöhnlichen Bahnen in einen Topf geworfen“, sagt Lockman.

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Axel Tillemans
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