Kleine Gesteinskörper zittern vor der Erde - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Kleine Gesteinskörper zittern vor der Erde

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Asteroiden können unterschiedliche Farben haben.
Beinahe-Kollisionen zwischen der Erde und vorbeifliegenden Asteroiden sind nicht nur für die Erde heikel, auch die Asteroiden kommen nicht ungeschoren davon: Gelangen die kleinen Gesteinskörper in die Nähe der Erde, werden sie buchstäblich durchgeschüttelt, so dass sich ihre Oberfläche völlig verändert. Dies hat ein US-Forschungsteam bei Weltraumbeobachtungen entdeckt und damit ein jahrzehntealtes Rätsel in der Astronomie gelöst: Asteroiden, die im Weltraum ihre Runden ziehen, verfügen nämlich seltsamerweise meistens über eine andere Farbe als Meteoriten, die auf die Erde gestürzt sind. Die Wissenschaftler vermuten nun, dass diese unterschiedliche Farbgebung auf die durch Erschütterungen veränderte Oberfläche zurückzuführen ist. Interessanterweise macht sich Einfluss bereits in einer deutlich größeren Entfernung von der Erde bemerkbar als bislang angenommen.

Von Hawaii aus beobachteten die Wissenschaftler mit einem großen Nasa-Teleskop Asteroiden, die sich in der Nähe der Erde befanden. Bei 95 Asteroiden bestimmten sie die Umlaufbahn und berechneten, wie nahe sie der Erde in den vergangenen 500.000 Jahren gekommen waren. In 75 Fällen gelangten die Asteroiden in den Wirkungsbereich der Erde. 20 davon identifizierten die Forscher als „frische Asteroiden“, Planetoiden, die eine weniger rötlich gefärbte Oberfläche aufwiesen als die anderen.

Die Forscher erklären sich diese Beobachtung wie folgt: Asteroiden, die sich frei im Weltraum bewegen, erhalten mit der Zeit eine rötlichere Farbe, da ihre Oberfläche verwittert. Wenn nun einer von ihnen in eine gewisse Nähe der Erde gelangt, kann es geschehen, dass er starken Erschütterungen ausgesetzt wird und seine Deckschicht dabei aufbricht: Frisches, unverwittertes Material, sogenannter Regolith, gelangt an die Oberfläche. Das scheint vor allem bei den Asteroiden der Fall zu sein, die in einer Entfernung von bis zu 95.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen ? das entspricht etwa einem Viertel des Abstands zwischen Erde und Mond. Die Beobachtung erklärt auch, warum die Gesteinsbrocken, die tatsächlich auf der Erde aufschlagen, fast alle zu den frischen Asteroiden gehören, schreiben die Forscher.

Viele Details über die seismischen Erschütterungen sind noch ungeklärt. Die Wissenschaftler vermuten zwar, dass die Gravitationskraft der Erde diese seismischen Erschütterungen auslösen könnte, bestätigt ist dies aber noch nicht. Sicher sei lediglich, dass die Erschütterungen aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren hervorgehen, schreiben die Forscher. So scheinen beispielsweise die Geschwindigkeit der Asteroiden, die Dauer des Zusammentreffens mit dem Wirkungsraum der Erde sowie die Größe und Form der Asteroiden einen Einfluss auf den seismischen Prozess zu haben.

Richard Binzel (Massachusetts Institute of Technology, Cambridge) et al.: Nature, doi:10.1038/nature08709, Bd. 463, Nr. 7279 ddp/wissenschaft.de ? Regula Brassel
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