Kleine Stein-Asteroiden zerbrechen bereits in der Atmosphäre - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik

Kleine Stein-Asteroiden zerbrechen bereits in der Atmosphäre

Eine neue Simulationsrechnung zeigt, dass weniger Asteroiden den Erdboden erreichen als bisher gedacht. Viele der kleineren Stein-Asteroiden zerfallen wegen der Luftreibung bereits in der Erdatmosphäre. Das berichten Philip Bland vom Imperial College London und Natalia Artemieva von der Russischen Akademie der Wissenschaften im Fachmagazin Nature (Bd. 424, S. 288).

Die beiden Forscher untersuchten mit einem verbesserten Computermodell Objekte bis zu einer Größe von einem Kilometer. Während sie bei Eisen-Asteroiden kaum Abweichungen von früheren Ergebnissen fanden, erhielten sie deutliche Unterschiede beim Verhalten von Stein-Asteroiden.

Demnach erreicht ein drei bis fünf Meter großer Asteroid, der auf der Erde einen Krater von 100 Metern Durchmesser schlagen kann, durchschnittlich nur alle 200 bis 400 Jahre die Erdoberfläche. Nur fünf Prozent der Asteroiden dieser Größe, die die Erdoberfläche erreichen, bestehen aus Stein, die restlichen 95 Prozent aus Eisen.

Besonderes Augenmerk legten die beiden Forscher auf Asteroiden ab einer Größe von 220 Metern, weil statistisch gesehen von ihnen die größte Tsunami-Gefahr ausgeht. Tsunamis sind Flutwellen, die von Erdbeben, Erdrutschen oder auch Asteroideneinschlägen ins Meer verursacht werden. Eine frühere Studie ging davon aus, dass solch ein Asteroid, der einen verheerenden Tsunami auslösen würde, etwa alle 3000 bis 5000 Jahre die Erdoberfläche erreicht. Bland und Artemieva korrigieren dieses Intervall nun auf etwa 170.000 Jahre.

Über das Zerstörungspotenzial, das von einem in der Atmosphäre explodierenden Asteroiden ausgeht, macht die Simulation der beiden Forscher keine Aussage. Viele Wissenschaftler gehen jedoch heute davon aus, dass die Explosion, die am 30. Juni 1908 in der sibirischen Tunguska-Region 2000 Quadratkilometer Wald zerstörte, von einem etwa 50 Meter großen Asteroiden verursacht wurde, der in der Erdatmosphäre explodierte.

Anzeige

Vor wenigen Tagen richteten führende amerikanische Asteroidenforscher einen offenen Brief unter anderem an US-Präsident Bush und an den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Darin wiesen sie eindringlich auf die Gefahr hin, die der Erde von Asteroideneinschlägen droht. Sie forderten Maßnahmen zur Katalogisierung aller erdnahen Asteroiden und Programme zur Abwehr von Kollisionskandidaten.

Axel Tillemans
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

An|o|pie  〈f. 19; Med.〉 = Anopsie

Ho|mö|o|se  〈f. 19; Biol.〉 Entwicklungsweg eines bestimmten Organs [zu grch. homoios ... mehr

Bio|po|ly|mer  〈n. 11〉 makromolekularer Stoff, der am Aufbau der belebten Natur beteiligt ist, z. B. Protein

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige