Kommunikation mit Köpfchen - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Kommunikation mit Köpfchen

dino_onl.jpg
Die verschiedenen Vertreter der der Entenschnabelsaurier hatten unterschiedliche Kämme, mit denen sie sich vermutlich untereinander verständigten. Bild 1 und 2: Michael Skrepnick.
Der auffällige knochige Kamm auf dem Kopf von Entenschnabelsauriern diente den Urtieren vermutlich zur Verständigung. Das schließen Wissenschaftler um David Evans von der Universität Toronto aus Computertomographie-Aufnahmen, die sie mit Daten über die Entwicklungsgeschichte und das Wachstum des sogenannten Lambeosauriers kombinierten. Bisher hatten Wissenschaftler darüber gestritten, welche Funktion die eigenartige Wölbung auf dem Kopf dieser Saurier hatte.

Die knochige Beule enthielt ungewöhnlich lange, gewölbte Nasengänge, die über den Schädel hinausragten. Einige Wissenschaftler nahmen an, dass der Höcker dazu diente, die Riechfähigkeit zu verbessern, indem er die Fläche für die Riechsinneszellen vergrößerte. Andere schrieben ihm eine Funktion bei der Wärmeregulierung zu oder vermuteten, dass er zur Kommunikation genutzt wurde.

Um das Innere der Kämme genauer zu betrachten und daraus die Lage des Gehirns und der Nasenhöhlen zu rekonstruieren, machten Evans und sein Team mit Hilfe eines Computertomographen (CT) Schädelaufnahmen von vier Lambeosaurier-Arten. Die 3D-Rekonstruktionen kombinierten die Forscher mit Daten über die Entwicklungsgeschichte und die Verwandtschaft der Unterarten und über das Wachstum der Schädelbeule.

Bereits frühere Untersuchungen hatten vermuten lassen, dass die Saurier mit ihren Kämmen tiefe Brülllaute erzeugten, die dazu gedient haben könnten, Partner anzulocken oder vor Feinden zu warnen. Diese Studien hatten gezeigt, dass die Saurier ein empfindliches Innenohr besaßen, mit dem sie solche tiefen Töne wahrnehmen konnten.

Die neuen Daten ergänzen diese Ergebnisse und widerlegen zunächst die Annahme, dass die Wölbung dem Riechen diente. Die CT-Aufnahmen zeigen nämlich, dass der für den Geruchsinn zuständige Teil des Gehirns relativ klein war. Dagegen besaßen andere Gehirngebiete, die höheren geistigen Funktionen dienten, eine erstaunliche Größe. „Wir haben bereits vermutet, dass die Entenschnabelsaurier sowohl visuelle als auch akustische Reize zur Verständigung nutzten“, sagt Lawrence Witmer, einer der Koautoren der Studie. „Doch jetzt wissen wir, dass sie auch die Gehirnkapazität besaßen, um diese Sinne zu nutzen.“ Insgesamt sprächen die Ergebnisse dafür, dass die Lambeosaurier mit ihrem Höcker Laute produzierten, mit denen sie sich untereinander verständigten.

Anzeige

David Evans (Universität Toronto, Kanada) et al.: Beitrag auf der Jahrestagung der Society for Vertebrate Paleontology in Cleveland ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Phy|si|ko|che|mi|ker  〈[–çe–] m. 3〉 Wissenschaftler auf dem Gebiet der physikal. Chemie

Sa|ge  〈f. 19〉 1 〈Lit.〉 mündl. überlieferte Erzählung histor. od. mytholog. Inhalts 2 Überlieferung, Gerücht ... mehr

zer|set|zen  〈V.; hat〉 I 〈V. t.〉 etwas ~ 1 lösen, auflösen, spalten (chem. Verbindung) 2 〈fig.〉 untergraben, unterhöhlen ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige