Kosmische Geburt mit Hebamme - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Kosmische Geburt mit Hebamme

Die Planeten in unserem Sonnensystem hatten bei ihrer Entstehung wohl einen Geburtshelfer in Gestalt eines Nachbarsterns. Dieser Stern kam der jungen, von einer Staubscheibe umgebenen Sonne so nahe, dass seine Anziehungskraft den Staubgürtel durcheinanderwirbelte. Aus den Wirbeln entstanden Verklumpungen, die sich zu den Vorläufern der Planeten zusammenballten. Das vermuten Astronomen aus Deutschland und Österreich, die ein neues Modell zur Planetenentstehung entwickelt haben.

Nach der bisherigen Auffassung entstand das Sonnensystem vor etwa 4,6 Milliarden Jahren zusammen mit Hunderten weiterer Sterne aus einer riesigen Gas- und Staubwolke. Die Wolke zerfiel in zahlreiche Knoten, die wiederum unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenfielen, bis der steigende Druck in ihrem Inneren das nukleare Feuer der Sterne entfachte. Um viele dieser Sterne, darunter auch unsere Sonne, bildete sich eine Scheibe aus Gas und Staub. Diese Staubteilchen blieben aneinander kleben und formten immer größere Körper, bis ihre Schwerkraft groß genug wurde, um das umgebende Material wie ein Staubsauger aufzusammeln.

Mit diesem Modell lässt sich zwar die Entstehung der inneren Planeten wie Venus oder Erde erklären, nicht jedoch die Geburt der weiter von der Sonne entfernten Himmelskörper. Denn Beobachtungen junger Sterne zeigen, dass sich eine solche Staubscheibe bereits nach wenigen Millionen Jahren auflöst. So schnell hätten die äußeren Planeten jedoch nicht entstehen können. „Uranus und Pluto dürften nach solchen Modellen gar nicht existieren“, erklären die Astronomen.

Ihre Theorie mit einem Nachbarstern als Geburtshelfer liefert einen Ausweg aus dem Dilemma. Die Anziehungskraft dieses Sterns wirkte dabei wie ein Löffel, mit der Tee in einer Tasse umgerührt wird: So wie sich die Teekrümel in der Tasse im Zentrum des Wirbels sammelten, ballte sich unter dem Einfluss des Sterns auch das Material in der Staubscheibe schneller zu größeren Klumpen zusammen.

Ingo Thies, Pavel Kroupa (Universität Bonn), Christian Theis (Universität Wien): Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Bd. 364, S. 961 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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