Kosmische Spinnweben - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Kosmische Spinnweben

Das ganze Universum ist von der sogenannten Dunklen Materie durchwebt: Wie ein Spinnennetz durchzieht diese Materieform, deren Bestandteile noch unbekannt sind und die sich nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar macht, den Weltraum. Ein internationales Forscherteam um Martin Kilbinger von der Universität Pierre und Marie Curie in Paris haben diese Webstruktur im größten bislang beobachteten Himmelsstreifen nachgewiesen. Von der Erde aus gesehen entspricht der Himmelsausschnitt rund zwölf Vollmonddurchmessern. Das Netz aus Dunkler Materie erstreckt sich in einer Entfernung von rund vier Milliarden Lichtjahren über eine Distanz von 270 Millionen Lichtjahren.

Die Forscher betrachteten in dem Himmelsausschnitt rund zwei Millionen Galaxien, die sich in einer Entfernung von etwa sieben Milliarden Lichtjahren von der Erde befinden. Materie in der Beobachtungslinie lenkt durch ihre Schwerkraft das Licht ab. Mit einem Teleskop auf Hawaii empfingen die Astronomen das verzerrte Lichtmuster. „Das ist vergleichbar mit einer Straßenlaterne, die man durch ein Badefenster sieht“, erklärt Kilbinger gegenüber ddp. Dann errechneten die Forscher daraus die Masseverteilung der ablenkenden Materie. „Unser Verfahren ist auf die Dunkle Materie in einer Entfernung von rund vier Milliarden Lichtjahren empfindlich“, sagt Kilbinger. In dieser Entfernung fanden die Forscher überall die Dunkle Materie, die sich wie Spinnenfäden durch den gesamten Beobachtungsausschnitt von 270 Millionen Lichtjahren Länge zogen.

„Wenn wir noch weitere Gebiete beobachtet hätten, dann hätten sich die Fäden auch dort fortgesetzt“, sagt Kilbinger. Die Forscher schließen daher, dass das gesamte Universum von der Dunklen Materie durchwebt ist. Woraus diese rätselhafte Materie, die rund 25 Prozent des Universums ausmachen soll, genau besteht, ist noch unklar. Forscher nehmen aber an, dass die Bestandteile sehr schwer sind und nur wenig miteinander wechselwirken. Das reicht aber schon aus, um auf ihre Verteilung zu schließen. Mit Hilfe ihrer Ergebnisse wollen die Wissenschaftler mehr über die Entstehung und Weiterentwicklung des Universums herausfinden.

Martin Kilbinger (Universität Pierre und Marie Curie, Paris)et al.: Arvix.org) ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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