Kosmischer Riese - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Kosmischer Riese

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Illustration eines Quasars (Bild: ESO/ M. Kornmesser)
Das Universum enthält zwar unzählige Galaxien, Galaxienhaufen und Cluster, ist aber – betrachtet man einen ausreichend großen Ausschnitt – dennoch relativ homogen. Das jedenfalls besagt das kosmologische Prinzip. Nach dieser Grundannahme dürfte es im Kosmos keine Strukturen geben, die größer sind als etwa 370 Megaparsec – das entspricht 1,2 Milliarden Lichtjahren. Doch jetzt haben Astronomen eine Quasargruppe entdeckt, die deutlich über dieser Grenze liegt.

Der längliche Cluster aktiver Galaxienkerne ist 1.200 Megaparsec lang- das entspricht der 1.600fachen Entfernung von der Milchstraße zu unserer Nachbargalaxie Andromeda. Die Quasargruppe ist damit die größte bekannte Struktur im Universum, wie das internationale Forscherteam berichtet. „Es ist schwer, die gigantische Größe dieser Formation zu begreifen: Selbst das Licht benötigt vier Milliarden Jahre, um von einem Ende zum anderen zu gelangen“, erklärt Erstautor Roger Clowes von der University of Central Lancashire in Preston. „Das ist extrem aufregend – nicht zuletzt, weil es unserem bisherigen Verständnis der Größenverhältnisse im Kosmos widerspricht.“

Riesenklumpen aus aktiven Galaxienkernen

Quasare gehören zu den hellsten Objekten im Universum. Diese Kerne weit entfernter Galaxien aus dem frühen Kosmos strahlen eine gewaltige Energiemenge ab und sind daher über große Entfernungen auszumachen. Ähnlich wie viele Objekte im Weltall kommen auch diese kosmischen Leuchtfeuer oft „geklumpt“ vor – sie bilden sogenannte Large Quasar Groups (LQG). Diese Gruppen sind rund zehn Mal so groß wie typische Galaxienhaufen: Statt gerade einmal zwei bis drei Megaparsec erreichen sie 200 und mehr. Typischerweise umfassen sie zwischen fünf und 40 Quasare, wie Clowes und seine Kollegen erklären.

Viel größer aber, so glaubte man bisher, können auch diese Giganten des frühen Universums nicht werden. Denn wären sie größer als etwa 370 Megaparsec, würden sie dem kosmologischen Prinzip widersprechen – sie würden Materieklumpen erzeugen, die selbst beim Betrachten eines großen Ausschnitts des Universums nicht mehr mit dem Rest zu einem homogenen „Teppich“ verschmelzen würden.

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Himmelsdurchmusterung lieferte entscheidende Daten

„Die Entdeckung einer so gewaltigen Struktur deutet nun darauf hin, dass das Universum in diesen Größenordnungen doch nicht homogen ist“, konstatieren Clowes und seine Kollegen. Die von ihnen Riesen-LQG getaufte Quasargruppe nimmt immerhin im Durchschnitt 500 Megaparsec des Weltraums ein und ist noch deutlich länger. Und in Bezug auf die in ihr enthaltenen Galaxienkerne – 73 – übertrifft sie alle bisher bekannten Gruppen ebenfalls bei weitem, wie die Forscher berichten.

Entdeckt hatten die Astronomen die Quasargruppe bei der Auswertung von Daten einer großen Himmelsdurchmusterung, des Sloane Digital Sky Survey (SDSS). Für diesen tastet ein 2,5 Meter-Teleskop mit elektronischen Detektoren systematisch ein Gebiet am nördlichen Pol der Milchstraße ab. Ausgerüstet mit Sensoren für verschiedenen Helligkeiten und fünf Wellenlängen kann es so weit entfernte Galaxien und Quasare, aber auch nahe Braune Zwerge oder Asteroiden erfassen. Clowes und sein Team wollen nun weiter in den SDSS-Daten suchen und hoffen, möglicherweise noch weitere solcher extrem großer Objekte zu finden. „Wir werden auf jeden Fall diese faszinierenden Phänomene weiter untersuchen“, sagt Clowes.

Roger Clowes (University of Central Lancashire, Preston) et al.: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, arXiv:1211.6256 © wissenschaft.de – ===Nadja Podbregar
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