Kuddelmuddel im Kometen - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Kuddelmuddel im Kometen

Das junge Sonnensystem muss ein gewaltiger Mahlstrom gewesen sein, in dem Gas und Staub aus den inneren Bereichen bis in die äußersten Winkel transportiert wurden. Das zeigen Staubkörnchen vom Kometen Wild 2, die die Nasa-Sonde Stardust Anfang 2006 zur Erde brachte. In der Zeitschrift Science stellen nun insgesamt sieben Forscherteams die Ergebnisse der ersten Analysen vor.

Kometen könnten demnach zu einem Zehntel aus kristallinen Körnchen bestehen, die nah an der Sonne bei sehr hohen Temperaturen entstanden. Nach derzeitiger Theorie bildeten sich die Kometen in den frostigen Außenbezirken des Sonnensystems, jenseits der Bahn des Planeten Neptun im so genannten Kuiper-Gürtel. Das Baumaterial für die Schweifsterne, so nahm man bisher an, war vor allem Material, das älter als die Sonne ist.

Die neuen Ergebnisse zeigen jetzt jedoch, dass vor 4,6 Milliarden Jahren, als die Sonne noch jung und von einer dichten Staubwolke umgeben war, ein reger Austausch zwischen innerem und äußerem Sonnensystem existierte. „Das Sonnensystem hat sich sozusagen selbst von innen nach außen gekehrt“, sagt Donald Brownlee von der University of Washington in Seattle, Hauptautor des Übersichtsartikels in „Science“.

Beweis für diese These waren Olivin-Kristalle im Kometenstaub und ein Kalzium-Aluminium-Einschluss, der im heißesten Teil des solaren Urnebels entstanden sein muss. Solche Einschlüsse sind bislang nur von Meteoriten bekannt. „Die bisherige Theorie von der Entstehung des Sonnensystems ist nicht mit diesen Ergebnissen vereinbar“, sagt Brownlee.

Die Forscher fanden aber auch Material, das die kälteren Bezirke des Sonnensystems wohl nie verlassen hat. Einige Wasserstoff- und Stickstoff-Isotope sowie organische Moleküle scheinen die Geburt der Sonne unverändert überstanden zu haben. Insbesondere die Kohlenstoffverbindungen sind den bislang bekannten Substanzen aus Meteoriten völlig unähnlich. Sie enthalten zum Beispiel kaum ringförmige Moleküle. Die Forscher müssen nun erklären, wie sich diese Verbindungen bildeten ? und wieso die fragilen Moleküle den Einschlag im schaumförmigen Aerogel der Sonde Stardust überstanden.

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Donald Brownlee (Universität von Washington in Seattle) et al.: Science, Bd. 314, ab S. 1711 Ute Kehse
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