Leben im Trümmerfeld - wissenschaft.de
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Leben im Trümmerfeld

Meteoritenkrater könnten vielleicht die besten Orte sein, um auf fremden Planeten nach Leben zu suchen. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Charles Cockell, nachdem sie einen Bohrkern aus einem der größten Krater der Erde in den USA mikrobiologisch untersucht haben. Die Risse, die während des Einschlags tief in der Erde entstehen, könnten dem Leben im Untergrund neue Nischen freimachen ? womöglich auch auf anderen Planeten.

Das Untersuchungsobjekt der Forscher war der Chesapeake-Bay-Krater an der Ostküste der USA in den Staaten Virginia und Maryland. Dieser Meteoritenkrater ist mit einem Durchmesser von 85 Kilometern einer der größten auf der Erde. Er entstand vor etwa 35 Millionen Jahren, als ein rund ein Kilometer großer Asteroid oder Komet auf die Erde stürzte. In den Jahren 2005 und 2006 bohrte ein internationales Forscherteam ein 1,8 Kilometer tiefes Loch in der Nähe des Kraterzentrums.

Die obersten 450 Meter des Bohrkerns bestanden aus Ablagerungen, die sich erst nach dem Einschlag im Krater abgesetzt hatten. Darunter stießen die Forscher auf wild durchmischtes Gestein, das direkt nach dem Einschlag von den steilen Kraterwänden abgebrochen oder von einer gewaltigen Tsunami-Welle in den ursprünglichen Krater geschwemmt worden war. In noch größeren Tiefen befand sich Granitgestein, das den ursprünglichen Kraterboden bildete und beim Einschlag teilweise zertrümmert wurde.

Durch den Einschlag wurde das Gestein in der Umgebung des Kraters extrem erhitzt, wodurch sämtliche Lebewesen abgetötet wurden. Auch die unzähligen Mikroben, die die Erdkruste bis zu Tiefen von mehreren Kilometern besiedeln, dürften unter dem Einschlag gelitten haben. Cockell und seine Kollegen wollten nun feststellen, ob die Auswirkungen des Einschlags auf die noch relativ unerforschte ?tiefe Biosphäre? noch heute zu spüren sind. Sie untersuchten daher die Zahl der Mikroben in verschiedenen Tiefen des Bohrkerns besonders sorgfältig.

Tatsächlich fanden die Forscher zwei Besonderheiten. Zu ihrer Überraschung variierte die Zahl der Mikroben in der Kraterfüllung relativ stark ? als ob 35 Millionen Jahre nicht ausgereicht hätten, um die sterilisierten Sedimente neu zu besiedeln. Zudem fanden die Wissenschaftler in Tiefen von mehr als einem Kilometer ungewöhnlich viele Mikroben ? bis zu eine Million Zellen pro Gramm Gestein. ?Noch niemand hat so viele Organismen in so großen Tiefen beobachtet?, sagt Cockell.

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Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass der Einschlag neue Lebensräume für die widerstandsfähigen Bewohner der Tiefe schuf. Durch Risse könnten zum Beispiel Wasser und Nährstoffe in größere Tiefen gelangt sein, wodurch sich die kärglichen Lebensbedingungen im Untergrund deutlich verbesserten. ?Einschläge sind ein natürlicher Mechanismus, um Nischen für die Mikrobengemeinschaft zu öffnen?, ist auch Stephen Mojzsis von der University of Colorado in Boulder, der nicht an den Arbeiten beteiligt war, überzeugt. Die Forscher um Cockell spekulieren, dass es auf weniger lebensfreundlichen Planeten wie dem Mars vielleicht Refugien im Untergrund von Kratern geben könnte, in denen sich mögliche Mikroben verstecken könnten.

Charles Cockell (University of Edinburgh) et al.: Astrobiology, Bd. 12, Nr. 3, S. 231-246, doi:10.1089/ast.2011.0722 wissenschaft.de – Ute Kehse
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