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Astronomie|Physik

Leben (wie) auf Wolken

Der deutsche Geologe Dirk Schulze-Makuch, der ein Forscherteam an der Universität von Texas in El Paso leitet, vertritt die Theorie, Mikroben hätten sich in die Wolken der Venus geflüchtet, nachdem deren Oberfläche unerträglich heiß geworden war. Jetzt fügt er seiner Theorie ein weiteres Puzzlestück hinzu, wie der New Scientist in seiner Ausgabe vom 1. Mai berichtet: Als “Sonnenschutz” vor den hohen Dosen ultravioletter Strahlung könnte den Mikroben orthorombischer Schwefel dienen. Schulze-Makuch und seine Kollegen stellen ihre Theorie in der Fachzeitschrift Astrobiology (Bd. 4, S. 11) vor.

Es gibt einige Eigenheiten in der Venusatmosphäre, die Schulze-Makuch mit seiner umstrittenen Theorie erklären kann. So fand man dort beispielsweise sehr viel weniger Kohlenmonoxid als von der Sonnenstrahlung und der starken Gewittertätigkeit auf der Venus eigentlich erzeugt werden müsste. Irgendetwas scheint dieses Kohlenmonoxid zu verbrauchen. Kritiker wenden ein, dass für dieses “Irgendetwas” nicht nur Bakterien, sondern auch rein chemische Reaktionen ohne Beteiligung lebender Organismen in Frage kommen.

Eine weitere Ungereimtheit in der Venusatmosphäre ist das gleichzeitige Vorkommen von Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff. Normalerweise reagieren diese beiden Gase innerhalb kurzer Zeit miteinander und zerstören sich gegenseitig. Bakterien können diese Gase produzieren und könnten somit den Verlust kontinuierlich ausgleichen. Aber, so wenden Kritiker ein, das könnten auch Vulkane.

Dem widerspricht aber, sagt Schulze-Makuch, dass die Konzentration dieser Gase in Höhe der Wolken ? 50 Kilometer über der Venusoberfläche ? höher ist als auf dem Boden. Hier herrscht auch eine für viele Bakterien angenehme Temperatur zwischen 30 und 80 Grad Celsius. Außerdem entspricht der Druck dem auf der Erdoberfläche. Zum Vergleich: Der Druck auf der Venusoberfläche beträgt 90 Atmosphären und es herrschen dort Temperaturen um 450 Grad Celsius.

Ein Schwachpunkt in Schulze-Makuchs Theorie war bisher eine fehlende Erklärung dafür, wie die Bakterien die hohen Dosen ultravioletter Strahlung überleben. Denn im Gegensatz zur Erde hat die Venus keine schützende Ozonschicht.

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Aus Beobachtungen des ultravioletten Lichts von der Venus schließt Schulze-Makuch nun auf das Vorhandensein von orthorombischem Schwefel (auch Alpha-Schwefel oder Cyclooctaschwefel genannt). Die Doppelbindungen dieses aus acht Schwefelatomen bestehenden Ringmoleküls absorbieren ultraviolettes Licht und wandeln es in ungefährliches sichtbares Licht um. Diese Moleküle würden die Bakterien nicht nur vor der UV-Strahlung schützen, sondern die energiereichen Strahlen zudem noch in Licht umwandeln, das die Mikroben zur Photosynthese nutzen könnten.

Die Bakterien könnten aus Zeiten stammen, als es auf der Venus noch erträgliche Oberflächentemperaturen und Ozeane gab. Als dann der Treibhauseffekt die Oberhand gewann, könnten es einige Bakterien geschafft haben, sich an den Lebensraum in den Wolken anzupassen. Die Forscher haben jetzt bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa einen Vorschlag zur Überprüfung ihrer Theorie eingereicht: Eine Sonde soll Proben aus der Venusatmosphäre entnehmen und zur Erde bringen.

Axel Tillemans
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