Lichtblick in der Regenzeit - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik Erde+Klima

Lichtblick in der Regenzeit

Schwankungen des Asiatischen Monsuns und damit verbundene Dürren können jetzt bis ins Jahr 1300 zurückverfolgt werden: Damit liegen nun erstmals verlässliche Daten über das größte Wettersystem der Welt vor, das die Hälfte aller Menschen auf der Erde betrifft. Mit Hilfe von Jahresringen aus trockenheitssensitiven Bäumen haben US-Forscher eine 700 Jahre lange Zeitreihe dieses Wetterphänomens erstellt. Sie benutzten dabei Jahresringe von mehr als 300 verschiedenen Regionen im gesamten Asien. Die Zeitreihe dokumentiert auch Phasen, in denen der Monsun ausblieb, was schwere Dürren zur Folge hatte. Die Daten sind grundlegend für das Verständnis des Asiatischen Monsuns und seinen globalen Auswirkungen. Sie können ausserdem verwendet werden, um Klimamodelle zu überprüfen und verfeinern, berichten die Forscher um Edward Cook von der Columbia University in New York.

Der Asiatische Monsun bestimmt das Leben in großen Teilen Asiens, tendiert aber oft zu Extremen: Fällt er aus, sind Dürren und schlechte Ernten die Folge ? sind die lebenswichtigen Regenfälle aber zu stark, gibt es Überschwemmungen. Bisher war jedoch nur wenig über frühere Schwankungen bekannt, was die Voraussetzung ist, um das Windsystem besser zu verstehen und vorherzusagen. Als Ersatz für die nicht vorhandenen Niederschlagsdaten griffen die Wissenschaftler nun auf die Breite der Jahresringe von Bäumen zurück: Breite Ringe verweisen auf kräftiges Wachstum und viel Regen, schmale Ringe auf Schädlingsbefall oder auch fehlenden Regen. Aus bereits bestehenden 327 Reihen von gemessenen Jahresringbreiten rekonstruierten sie Niederschlagsverhältnisse in den vom Monsun beeinflussten Gebieten wie Indien, Ostasien und Nordaustralien.

Um verlässliche Daten zu erhalten, verglichen Cook und seine Kollegen zuerst gemessene Niederschlagsdaten aus jüngerer Zeit mit den Jahresringbreiten in den entsprechenden Jahren. Mit dem nun berechneten Zusammenhang konnten sie dann aus früheren Jahresringen einen Trockenheitsindex bis ins Jahr 1300 zurück erstellen. Sie identifizierten damit mehrere lang andauernde Dürreperioden, die aus historischen Aufzeichnungen zwar bereits bekannt waren, mit der neuen Klimarekonstruktion aber genauer erfasst und stärker regional aufgelöst wurden. So konnten die Wissenschaftler beispielsweise die beiden Trockenperioden von 1876 bis 1878 und 1918 bis 1919 miteinander vergleichen, in denen der Monsun ausblieb. Es zeigte sich, dass das Versagen des Monsuns in den beiden Ereignissen mit einer unterschiedlichen Verteilung der Meerestemperaturen einherging ? aktuell bekannt sind solche Konsequenzen durch das El-Niño-Phänomen im Pazifik, einer sich zyklisch verändernden Strömung mit Wetterfolgen. Auch historische Ereignisse lassen sich nun erklären: So leitete die dramatische Trockenperiode in China von 1638 bis 1641 sogar mit das Ende der Ming-Dynastie im Jahr 1644 ein.

Die Rekonstruktion der Monsunschwankungen soll deshalb verwendet werden, um im Detail zu verstehen, welche Faktoren das komplexe Windsystem Monsun und seine extremen Ausprägungen beeinflussen. Zudem seien die Daten auch verwendbar, um die Zuverlässigkeit von Klimamodellen zu überprüfen, schreiben Cook und seine Kollegen.

Edward Cook (Columbia University) et al.: Science, Bd. 328, Nr. 5977, S. 486, doi: 10.1126/science.1184741 ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander
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