Live aus der Staubscheibe - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Live aus der Staubscheibe

Astronomen ist offenbar der Blick in eine stellare Kinderstube gelungen: Sie haben Hinweise auf die Geburt eines Himmelskörpers – vermutlich eines Planeten – gefunden, die sich gerade in der direkten Umgebung eines jungen Sterns vollzieht. Das Objekt hat durch seine Anziehungskraft eine Lücke in der ansonsten dichten Staubscheibe um den Stern namens T Chamaeleontis (T Cha) verursacht. Es ist bereits bekannt, dass sich aus solchen sogenannten protoplanetaren Scheiben durch Zusammenballen der Materie Planeten um junge Fixsterne bilden können. Da dieser Prozess jedoch vergleichsweise schnell vonstattengeht, sind bisher nur sehr wenige Systeme in dieser Phase bekannt. Die Geburt eines Planeten sozusagen live zu verfolgen, ist sogar noch nie gelungen, sagen die Forscher.

T Cha ist etwa 330 Lichtjahre von der Erde entfernt und gehört zum Sternbild Chamäleon. Er zählt zu den sonnenähnlichen Sternen, ist aber mit einem Alter von etwa sieben Millionen Jahren noch sehr jung. Zum Vergleich: Die Sonne hat sich schon vor 4,6 bis 4,7 Milliarden Jahren gebildet. „Frühere Studien hatten darauf hingewiesen, dass T Cha ein lohnendes Ziel sein könnte, wenn man untersuchen will, wie Planetensysteme entstehen“, sagt Johan Olofsson vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Um nun Details der Staubscheibe um T Cha sichtbar machen zu können, richteten die Astronomen sozusagen eines der schärfsten Augen der Erde auf den Stern: das Very Large Telescope Interferometer auf dem Cerro Paranal in Chile.

Der genaue Blick auf die Staubscheibe offenbarte einen Bereich, der frei von Materie zu sein scheint. Nuria Huélamo vom spanischen Centro de Astrobiología, eine weitere Hauptverantwortliche der Untersuchung, berichtet: „Die Lücke in der Staubscheibe um T Cha war für uns ein eindeutiger Hinweis – offenbar hatten wir erstmals direkt beobachtet, wie ein Begleiter des Sterns sich in der protoplanetaren Scheibe eine Schneise gräbt.“ Nach der Auswertung der Daten fanden die Astronomen tatsächlich auch Hinweise auf ein Objekt in dieser Lücke. Der Himmelskörper befindet sich in einer Entfernung von etwa einer Milliarde Kilometern vom Stern – das entspricht etwas mehr als dem Abstand Jupiters von der Sonne. Dies sei der erste Nachweis eines solchen Objektes, das wesentlich kleiner als ein Stern ist und sich in einer Lücke in der protoplanetaren Staubscheibe um einen jungen Stern befindet, betonen die Forscher.

Neben einem jungen Planeten könnte es sich ihnen zufolge auch um einen neugeborenen sogenannten Braunen Zwerg handeln. Das sind Himmelskörper, die mit 13 bis75 Jupitermassen eine Sonderstellung zwischen Planeten und Sternen einnehmen. Mit zukünftigen Beobachtungen wollen die Wissenschaftler nun die exakte Identität des Himmelskörpers klären und auch weitere Details des jungen Systems von T Cha enthüllen.

Mitteilung des European Southern Observatory (ESO) dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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