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Astronomie+Physik

„Magische Insel“ erscheint auf Saturnmond Titan

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Vorher-nachher-Bilder zeigen das Phänomen. Credit: NASA/JPL-Caltech/ASI/Cornell
Da sieht man es und hier nicht mehr: Auf Vorher-nachher-Bildern des Methan-Sees Ligeia Mare auf Titan haben Astronomen etwas Helles entdeckt, das es vorher dort nicht gab. Anschließend verschwand es wieder – es handelt sich also um ein vorübergehendes Phänomen. Die Forscher haben ihm den Spitznamen „Magische Insel“ gegeben. Vermutlich handelt es sich aber um einen dynamischen Prozess der Flüssigkeit auf dem bizarren Mond.

Die Oberfläche Titans ähnelt in spektakulärer Weise den Landschaften der Erde: Es regnet aus Wolken, Flüsse bilden sich, die in Seen und Meere münden. Bei der Flüssigkeit handelt es sich allerdings nicht um Wasser, denn das wäre längst zu Eis erstarrt: Die Temperatur auf Titans Oberfläche beträgt im Mittel minus 179 Grad Celsius. Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht die Flüssigkeit hingegen aus einer Mischung von Methan, Ethan und anderen Kohlenwasserstoffen. Mittlerweile existieren bereits detaillierte Karten der Seen und Meeren des faszinierenden Mondes: Die Raumsonde Cassini hat seit 2004 Titan vielfach überflogen und dabei seine Oberfläche mit Radar hochauflösend abgetastet.

Bislang schien den eisigen „Gewässern“ des Titan allerdings eine charakteristische Eigenschaft ihrer irdischen Pendants zu fehlen: Keine Wellen oder sonstige Flüssigkeitsbewegungen zeichneten sich auf den Oberflächen ab, obwohl man davon ausgeht, dass auf Titan Winde wehen. „Die aktuelle Entdeckung zeigt nun allerdings, dass die Flüssigkeiten auf der Nordhalbkugel Titans nicht regungslos sind – es gibt offenbar doch Veränderungen“, sagt Jason Hofgartner von der Cornell University. Er und seine Kollegen berichten über ihre Entdeckung im Wissenschaftsmagazin „Natur Geoscience“.

Die Forscher haben die „Magische Insel“ durch Vergleiche von Bildern entdeckt, die Cassini zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen hat. „Das menschliche Auge ist sehr gut darin, solche Vorher-nachher-Veränderungen zu erkennen“, sagt Hofgartner. Zuvor waren in der betreffenden Region von Ligeia Mare niemals irgendwelche Effekte erkennbar gewesen. Den Forscher zufolge könnte das Phänomen etwas mit dem Jahreszeitenwechsel auf Titan zu tun haben: Das Klima auf seiner Nord- und Südhalbkugel wird nämlich wie auf der Erde von vier Jahreszeiten geprägt – sie dauern allerdings jeweils 7,5 Erdjahre. Momentan bricht gerade der Sommer auf der Nordhalbkugel an. Aufkommende Wärme und Winde könnten demzufolge Effekte in der Seenlandschaft des Nordens verursachen.

Was könnte hinter dem Phänomen stecken?

Den Forschern zufolge kommen vier Ursachen für das Phänomen der „Magischen Insel“  in Frage: Es könnte sich um einen Bereich mit Wellen handeln, die durch frühe Sommer- Winde entstanden sind. Sie wirken dann auf den Aufnahmen wie eine Insel, die kommt und geht. Vielleicht verursachen aber auch Gase das Phänomen, die vom Grund des Ligeia Mare an die Oberfläche blubbern. Eine weitere Möglichkeit seien feste Stoffe, die bei Kälte absinken und bei Wärme an die Oberfläche kommen, sagen die Forscher. Die vierte potenzielle Ursache sei, dass sich vorübergehend eine Art Schlick bildet, der dann auf den Aufnahmen sichtbar wird.

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„Wir wissen noch nicht genau, was die Ursache ist, aber wir bleiben bei dieser Frage am Ball“, sagt Hofgartner. „Vermutlich beeinflussen mehrere Prozesse, wie Wind, Regen und Gezeiten, die Seen auf Titan. Wir wollen in diesem Zusammenhang gerne die Unterschiede zwischen den Effekten auf der Erde und dem Titanmond aufdecken. Das könnte letztlich sogar helfen, die Prozesse auf unserem Planeten besser zu verstehen“, so der Astronom.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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