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Astronomie+Physik

Mars sitzt schon lange auf dem Trockenen

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Die Falschfarbenbilder vom Mars ähneln ausgetrockneten Flussbetten auf der Erde. (c) Science
Die gestochen scharfen Aufnahmen der neuesten Mars-Sonde der Nasa, des Mars Reconaissance Orbiter, haben für Planetenforscher eine ernüchternde Wirkung: Viele der geologischen Strukturen, die bislang als Beweise für die Aktivität von flüssigem Wasser gedeutet wurden, sind wohl eher durch Vulkanismus oder Staublawinen erzeugt worden, berichten Alfred McEwen von der Universität von Arizona in Tucson und seine Kollegen in mehreren Artikeln in der Zeitschrift „Science“.

So vermuteten Planetenforscher bislang, dass es im nördlichen Hochland des Mars einst mehrere Jahrmillionen lang einen riesigen Ozean gab. Die Marsforscher hatten dort eine Küstenlinie identifiziert und sie nahmen an, dass der ehemalige Meeresboden aus feinem Sand besteht. Die Bilder Mars Reconnaissance Orbiter zeigen nun aber, dass der vermeintliche Ozeanboden von zwei Meter großen Felsbrocken übersäht ist. „Das heißt, dass die Schicht der Meeresablagerungen entweder viel dünner ist, als wir dachten, oder es gab nie einen Ozean“, sagt McEwen.

Auch die Abflussrinnen am Rand einiger Krater müssen nicht unbedingt von flüssigem Wasser hervorgerufen worden sein. Diese Strukturen hatten für Aufsehen gesorgt, weil es schien, als würde selbst jetzt noch zuweilen flüssiges Wasser aus steilen Kraterwänden hervorbrechen. Auf Bildern, die der mittlerweile nicht mehr funktionstüchtige Mars Global Surveyor im Abstand von mehreren Jahren von der gleichen Stelle gemacht hatte, waren sichtbare Veränderungen zu erkennen. Wie die Forscher um McEwen jetzt schreiben, sind die betroffenen Bergflanken so steil, dass sich dort auch Staublawinen gebildet haben könnten.

Völlig trocken verlief die Marsgeschichte allerdings nicht, zeigen die neuen Bilder: Die Forscher sehen Hinweise darauf, dass einige Meteoriteneinschläge unterirdische Wasservorräte verdampfen ließen, so dass sich der Marsboden in einen matschigen Brei verwandelte. Am Rand einiger Kratern in mittleren Breiten sind fächerförmige Ablagerungen zu erkennen, die wahrscheinlich von einem Schlammfluss verursacht wurde. Auch einige verflochtene Kanäle mit dazwischenliegenden Terrassen sind vermutlich durch fließendes Wasser entstanden, so die Forscher.

Insgesamt hat sich aber selbst das Bild vom jungen, feuchten Mars inzwischen gewandelt: Die vermuteten Überreste von flachen, salzigen Seen sind inzwischen zu kurzlebigen Tümpeln geschrumpft. „Mars ist schon sehr, sehr lange ein trostloser Ort“, fast der Geochemiker Scott McLennan von der Stony Brook University im Staat New York zusammen. Die Planetenforscher werden sich also sehr genau überlegen müssen, wo künftige Marsroboter landen sollen. Nach dem Phoenix Lander, der sich derzeit auf dem Weg zum Nordpol des Mars befindet, plant die Nasa einen erneuten Rover-Einsatz für das Jahr 2009.

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Alfred McEwen (University of Arizona, Tucson) et al.: Science, Bd. 317, S. 1673, 1706, 1709 Ute Kehse
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