Mit dem Ohr am Bauch der Erde - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik Erde+Klima

Mit dem Ohr am Bauch der Erde

Neue Erdkruste wird tief am Meeresboden in wenige Stunden dauernden Episoden geboren. Das zeigen Messungen von schwachen Erdbeben direkt am Ostpazifischen Rücken. Das hat nun ein Forscherteam um die US-Amerikanerin Maya Tolstoy durch Zufall während einer Wartungsarbeit entdeckt.

Es war eigentlich eine Routineaufgabe für die Meeresgeologen von der Brown University in Rhode Island: Auf dem Rückweg von einer Forschungsreise zu den Galapagos-Inseln legten sie einen kurzen Stopp vor der Küste Mexikos ein. Dort sollten sie zwölf Seismometer einsammeln, die Maya Tolstoy und ihre Kollegen drei Jahre zuvor auf dem Meeresboden ausgesetzt hatten. Doch von den zwölf Messinstrumenten trieben nach Betätigung eines akustischen Signals nur vier an die Oberfläche. Die Seismometer befanden sich in direkter Nähe zu einer aktiven Spreizungszone der Erdkruste, wo sich zwei tektonische Platten voneinander entfernen und neue Erdkruste entsteht. Die Forscher vermuteten daher gleich, dass ein Vulkanausbruch unter Wasser die anderen Instrumente zerstört hatte.

Die Signale, die zwei der vier geborgenen Instrumente während des vergangenen Jahres aufgezeichnet hatten, bestätigten diese Vermutung. Schon seit Mai 2005 hatten sich demnach regelmäßig schwache Erdbebenschwärme ereignet. Einen Höhepunkt erreichte die seismische Unruhe am 22. Januar 2006 für etwa sechs Stunden. Danach beruhigte sich der Meeresboden wieder. Die Forscher interpretieren die Signale folgendermaßen: Während des sechs Stunden dauernden Intervalls floss frische Lava aus einer Magmakammer und ergoss sich über den Meeresboden ? inklusive der acht vermissten Seismometer.

Bei einer schnell organisierten Expedition zur Eruptionsstelle stellten Tolstoy und ihre Kollegen fest, dass sich über der Spreizungszone ungewöhnlich viel trübes, heißes Thermalwasser befand ? ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass kurz zuvor eine Eruption stattgefunden hatte. Mit Videokameras nahmen sie außerdem Bilder der frischen Basaltkruste auf, die von dichten Bakterienmatten bedeckt war.

Bislang wussten Geowissenschaftler wenig darüber, wie die Geburt neuer Erdkruste genau abläuft, da die begleitenden Erdstöße nur sehr schwach sind. Tolstoy und Kollegen meinen nun, dass sich bevorstehende Eruptionen über Monate hinweg ankündigen und daher in Zukunft einfacher eingefangen werden könnten.

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Maya Tolstoy (Columbia Universität, Palisades, New York) et al: Science, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1133950 Ute Kehse
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