Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Umwelt

Moderne Regenmacher

wolke02.jpg
Gewitterwolken werden heute von Flugzeugen aus "geimpft" - der Effekt ist allerdings umstritten.
Einem europäischen Forscherteam ist es gelungen, mithilfe eines Lasers in mit Feuchtigkeit gesättigter Luft Wassertropfen zu erzeugen. Der energiereiche Lichtimpuls erzeugte geladene Teilchen, die als sogenannte Kondensationskeime dienten, an denen sich dann der Dampf in kleinen Tropfen niederschlug. Das Prinzip könnte in Zukunft eingesetzt werden, um Wolken zum Abregnen zu bringen und so Hagelschäden in Landwirtschaft und Industrie vorzubeugen.

Bisher wird zur Vorbeugung von Hagelschäden in Deutschland meist das Salz Silberjodid eingesetzt. Die feinen Partikel werden bei entsprechender Wetterlage von Flugzeugen aus in die betreffenden Wolken gesprüht und dienen als Kondensationskeime, an denen sich Wasserdampf niederschlägt. So fällt die Feuchtigkeit in Form kleiner Eiskristalle oder Wassertropfen zu Boden und gefriert nicht zu immer größer werdenden Hagelkörnern. In Bayern und Baden-Württemberg sind mehrere Flugzeuge stationiert, die mit dieser Technik zum sogenannten Impfen von Wolken ausgestattet sind. Bisher ist allerdings umstritten, wie wirkungsvoll diese Methode insgesamt ist und ob der Nutzen ihre hohen Kosten rechtfertigt. Immer wieder äußern jedoch auch Umweltschützer Bedenken, da sie Schäden durch die bei den Flügen eingesetzten Substanzen befürchten. Das von Rohwetter und seinen Kollegen erprobte Prinzip könnte hier in ferner Zukunft daher eine saubere Alternative bieten.

Bisher funktioniert das Verfahren allerdings nur im kleinen Maßstab: In ersten Tests schickten die Forscher einen Laserpuls in eine Kammer, in der sich mit Wasserdampf gesättigte Luft befand. Die Energie des Lasers verwandelte die sonst elektrisch neutralen Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle der Luft in elektrisch geladene sogenannte Ionen. Es entstand ein Kanal aus geladenen Teilchen, die als Kondensationskeime eine ähnliche Funktion erfüllten wie die Silberjodidpartikel beim Impfen von Regenwolken. Die Wissenschaftler konnten daraufhin beobachten, wie sich zunächst feine, dann immer größer werdende Wassertropfen bildeten.

Im zweiten Teil der Versuche erprobten die Wissenschaftler das Verfahren draußen: In mehreren Nächten sandten sie mit ihrem „Teramobile“ genannten Laser kurze Impulse in den Himmel und maßen, ob sich auf diese Weise Wassertropfen erzeugen ließen. Tatsächlich konnten die Forscher bei den Messungen mithilfe eines zweiten Laserimpulses nachweisen, dass es zur Kondensation von Wasserdampf gekommen war. Als nächstes wollen die Forscher erproben, ob das Prinzip auch funktioniert , wenn der Laser über einen größeren Bereich des Himmels geschwenkt wird. Ob die Technik jedoch tatsächlich auch im großen Maßstab eingesetzt werden kann, um Regen zu erzeugen oder Hagelschlag zu verhindern, ist allerdings noch ungewiss. „Ich bin skeptisch, ob damit auf Kommando Regen erzeugt werden kann“, erklärt der Atmosphärenphysiker Thomas Leisner vom Forschungszentrum Karlsruhe im Gespräch mit „Naturenews“, dem Onlinedienst des Fachmagazins „Nature“.

Philipp Rohwetter (Freie Universität Berlin) et al.: Nature Photonics (doi: 10.1038/nphoton.2010.115). ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Videoportal zur deutschen Forschung

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Pro|gramm|hin|weis  〈m. 1; Rundfunk; TV〉 Hinweis, Vorschau auf nachfolgende od. an anderen Tagen gezeigte Sendungen ● ein ~ machte mich auf die Sendung aufmerksam

Tou|rist  〈[tu–] m. 16〉 1 jmd., der eine Urlaubsreise macht 2 〈veraltet〉 Wanderer, Bergsteiger (bes. im Ausland) ... mehr

Web  〈n.; – od. –s; unz.; umg.; häufig in Zus.; kurz für engl.〉 World Wide Web (~phone, ~site) [engl., ”Netz(–werk)“]

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige